Anlageplattform Zinsportal startet ETF-Portfolios

Bisher vermittelte das Fintech Weltsparen Tages- und Festgeldkonten von EU-Banken. Mit Hilfe von Vanguard werden jetzt auch ETF-Depots angeboten.
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Ab dem 26. März vermittelt die Zinsplattform auch ETF-Portfolios. Quelle: Screenshot
Weltsparen-Website

Ab dem 26. März vermittelt die Zinsplattform auch ETF-Portfolios.

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FrankfurtAuf den ersten Blick sieht es aus wie das Angebot eines Robo-Advisors: Ab diesem Montag können Kunden über das Portal Weltsparen nicht mehr nur Tages- und Festgeldkonten bei europäischen Banken abschließen, sondern auch Portfolios mit ETFs und Indexfonds. Anders als digitale Vermögensverwalter will Weltsparen die Depots zwischenzeitlich aber nicht anpassen – es gibt lediglich ein automatisches Rebalancing. Er glaube nicht daran, dass Menschen dauerhaft den Markt schlagen können, sagt Weltsparen-Mitgründer Tamaz Georgadze. Alle menschlichen Eingriffe seien auf Dauer kontraproduktiv.

Außerdem soll sich das Angebot namens „Weltinvest“ an Selbstentscheider richten. Das Finanztechnologie-Start-up agiert als Anlagenvermittler und die Kunden müssen selbst entscheiden, welcher Aktienanteil von 30, 50, 70 oder 100 Prozent am besten zu ihrer finanziellen Situation und ihrer Risikobereitschaft passt.

Im Bereich der Geldanlage tummeln sich inzwischen sehr viele Fintechs. In Deutschland gibt es allein mehr als 20 digitale Vermögensverwalter, auf die private Kunden direkt zugreifen können. Diese Robos werben damit, dass sie sich „unabhängig und professionell“ oder „persönlich und modern“ um das Vermögen ihrer Kunden kümmern. Die meisten agieren als Vermögensverwalter und versuchen den Kunden ein passendes Depot zuzuordnen. Zudem reagieren einige auf aktuelle Marktentwicklungen und passen die Portfolios an. Noch scheinen die Systeme aber nicht ausgreift zu sein. Bei einem Vergleich von 24 Anbietern entdeckte das Magazin „Ökotest“ kürzlich, dass ein Viertel der vorgeschlagenen Portfolios nicht zu den Musterkunden passte, weil die Risikomischung entweder zu defensiv oder zu risikoreich gewesen sei. Dass es bei Weltinvest keine Portfolio-Empfehlung gibt, muss also kein Nachteil sein.

Als Pluspunkt gegenüber der Robo-Konkurrenz führt Georgadze zudem die Gebühren an. Pro Jahr liegen diese im Durchschnitt bei insgesamt 0,49 Prozent. Möglich sei das dank günstiger Konditionen des Fonds-Anbieters Vanguard. Auch die in den Gesamtkosten enthaltenen Gebühren für das Depot bei der DAB BNP Paribas und die Marge für Weltsparen fallen niedrig aus. „Wir glauben, dass wir groß werden, deshalb müssen wir am einzelnen Kunden nicht so viel verdienen“, sagt Georgadze selbstbewusst. Von den aktuell rund 100.000 Kunden sollen schon mehrere Tausend auf der Warteliste für das neue Produkt stehen. In den vergangenen fünf Jahren hat Weltsparen bereits 5,5 Milliarden Euro Einlagen vermittelt.

In Bezug auf die Kosten von digitalen Vermögensverwaltern war das Fazit von Ökotest ebenfalls kritisch ausgefallen. Zwar gehören günstige Gebühren zu dem wichtigsten Werbeargumenten der Robo-Advisors, tatsächlich lagen die Gesamtkosten bei den getesteten Anlagevorschlägen im Schnitt aber bei 1,49 Prozent. Ökotest rät deshalb: „Mehr als ein Prozent Gesamtkosten sollten für ein ETF-Depot nicht anfallen.“

Negativ war etwa der Vermögensverwalter Werthstein aufgefallen, der eine pauschale Gebühr erhoben hatte. Diese führte insbesondere bei niedrigeren Anlagebeträgen zu vergleichsweise hohen Kosten. Kurz nach Veröffentlichung des Tests wurde das Gebührenmodell umgestellt, eine pauschale wurde durch eine prozentuale Gebühr ersetzt und liegt nun im durchschnittlichen Bereich.

Bei Weltinvest können Kunden bereits ab 2000 Euro investieren. Der Anbieter sieht sich nicht als Konkurrenz zu klassischen Vermögensverwaltern, sondern als Alternative zu Mischfonds. In den Portfolios sind je sechs bis sieben Vanguard-Fonds enthalten, die global diversifiziert und je nach Aktienquote unterschiedlich gewichtet sind. Dahinter sollen bis zu 16.000 Einzeltitel aus mehr als 90 Ländern stehen. Die Fonds sind für zum Teil erst ab einem Anlagevolumen von fünf Millionen Euro zugänglich, Kleinanleger könnten normalerweise also nicht einsteigen.

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Seit einigen Wochen hat die Volatilität an den Aktienmärkten deutlich zugenommen und nach rund neun Jahren Hausse wäre es historisch gesehen längst an der Zeit für einen Abschwung. Georgadze stört das nicht. „Unser Produkt ist für langfristige Anlagen gedacht.“

Auf zehn Jahre und länger gesehen sei das aktuelle Marktgeschehen „komplett irrelevant“. Auch Martin Weber, Finanzprofessor an der Uni Mannheim, wiegelt Bedenken zum Timing des Produktstarts ab: „Die aktuellen Kurse enthalten alle Marktinformationen und keiner weiß, wie es in Zukunft weiter geht. Klar ist nur, dass die Kurse langfristig steigen werden.“ Auf einen vermeintlich optimalen Zeitpunkt für den Einstieg zu warten, sei deshalb nicht sinnvoll, „wer darauf hofft, investiert nie“, so Weber.

Weber ist Mitglied eines dreiköpfigen „Expertenbeirats“, von dem Weltsparen prominente Unterstützung für sein neues Produkt bekommt. Weitere Beiratsmitglieder sind Adam Nash, ehemaliger CEO des US Robo-Advisors Wealthfront und Aufsichtsrat von Acorns, sowie Fondsmanager und Ökonom Al Breach. Für Weltsparen, das international als „Raisin“ firmiert, sind die ETF-Portfolios der nächste Schritt zu einer noch umfassenderen Lösung. „Wir wollen die erste europaweite Plattform sein, die alle sinnvollen Anlageformen abdeckt und dabei aus der Kundensicht gedacht und kostengünstig ist“, schildert Georgadze seinen Plan.

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