Anleihe-Engagement
Deutsche Banken geben ein griechisches Rätsel auf

Haben die deutschen Banken nun ihr Engagement in Griechenland reduziert, oder nicht? Die Zahlen der Bundesbank sprechen eigentlich eine klare Sprache.
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FrankfurtEuropa streitet über ein zweites Hilfspaket für Griechenland unter Beteiligung der Privatwirtschaft - dabei ist noch nicht einmal das wahre Ausmaß des Engagements deutscher Banken klar. Zahlen der Bundesbank ließen am Donnerstag viele Fragen offen. Sie deuteten darauf hin, dass die hiesigen Institute inzwischen einen großen Teil ihrer griechischen Anleihen abgestoßen haben. Das würde allerdings der Zusage der deutschen Finanzbranche vom vergangenen Frühjahr widersprechen. Damals - auf dem ersten Höhepunkt der Griechenland-Krise - hatte sie sich bereit erklärt, ihre bestehenden Kreditlinien an Griechenland und griechische Banken bis 2012 aufrechtzuerhalten. Die Deutsche Bank steht nach eigenen Angaben zu diesem Versprechen, das Vorstandschef Josef Ackermann vor einem Jahr persönlich gegeben hatte. „Wir haben uns an die Vereinbarung gehalten“, betonte ein Sprecher.

Auch Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus, die Commerzbank, hat sich nicht im großen Stil von Griechen-Bonds getrennt: Ende März 2011 lag ihr Engagement bei 2,9 Milliarden Euro, ein Jahr zuvor waren es 3,1 Milliarden. Insgesamt hielten die deutschen Banken zuletzt griechische Staatsanleihen im Volumen von rund 16,5 Milliarden Euro, wie aus einer Reuters-Umfrage unter den Instituten von dieser Woche hervorgeht. Das entspricht in etwa dem Stand vom April 2010, kurz bevor das erste Rettungspaket für Athen geschnürt wurde. Damals lag das Gesamtengagement der deutschen Banken laut Bundesbank bei knapp 16 Milliarden Euro.

Die Bundesbank-Statistik allerdings weist andere Zahlen aus: Demnach waren die hiesigen Institute im Februar mit rund 18 Milliarden Euro in Griechenland engagiert. Wird der acht Milliarden Euro schwere Kredit der Staatsbank KfW herausgerechnet, bleiben rund zehn Milliarden Euro übrig - das wäre im Vergleich zum April 2010 ein Rückgang um etwa ein Drittel. Über diese Zahlen berichtete auch die „Financial Times Deutschland“. Das Bundesfinanzministerium wollte am Donnerstag nicht zur Aufklärung beitragen, mit welchen Zahlen es zum Anleihe-Engagement der deutschen Banken in Griechenland kalkuliert.

Griechenland war im Mai 2010 gegen Sparauflagen mit einem 110 Milliarden Euro schweren Rettungspaket von der EU und dem IWF vor der Pleite bewahrt worden. Da es aber nicht wie ursprünglich erhofft im kommenden Jahr an die Kapitalmärkte zurückkehren kann, braucht das Land nun einer weitere milliardenschwere Finanzspritze. Ob und wie sich die privaten Gläubiger beteiligen sollen, ist in Europa umstritten. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble spricht sich dafür aus, Frankreich beispielsweise ist dagegen. Ein Beitrag könnte in der Verlängerung der Laufzeiten griechischer Bonds liegen, was quasi einem Zahlungsaufschub gleichkäme.

Etliche internationale Großbanken signalisierten in dieser Woche bereits, dass sie einer Laufzeitenverlängerung offen gegenüberstehen würden - sofern dies auf freiwilliger Basis geschehe. Die Ratingagentur Moody's kann sich ein solches Modell der Freiwilligkeit aber nur schwer vorstellen, wie Staatsanleihen-Experte Bart Oosterveld in Frankfurt sagte. Auch vom weltgrößten Staatsanleihenhändler Pimco kamen kritische Töne. Er bezweifele, dass sich genügend Gläubiger freiwillig beteiligen würden, sagte Andrew Bosomworth, Leiter des Portfoliomanagements der Allianz-Tochter. Eine Beteiligung des Privatsektors sei aber unvermeidlich. Pimco selbst hat keine griechischen Staatsanleihen mehr im Portfolio.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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