Anleihe-Handel
Deutsche Bank erwartet weniger Gewinn

Die Geschäfte im Investmentbanking bei der Deutschen Bank laufen nicht rund. Co-Vorstandschef Anshu Jain kündigt zudem an, das die Rechtsstreitigkeiten zu weiteren Rückstellungen führen – für die Aktie ist das Gift.
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FrankfurtDie Deutsche Bank stellt ihre Investoren auf ein schwächeres Ergebnis im dritten Quartal ein. Deutschlands größtes Geldhaus lege weiteres Geld für Rechtsstreitigkeiten zurück und nehme im Investmentbanking deutlich weniger ein, sagte Co-Vorstandschef Anshu Jain am Mittwoch auf einer Investorenkonferenz in London. "Wir gehen davon aus, dass die Einnahmen im Anleihen-Geschäft und im Handel deutlich geringer ausfallen als im Vorjahr."

Im Sommer 2012 hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Bond-Markt durch eine Reihe von Stützungsmaßnahmen für südeuropäische Krisenstaaten beflügelt. EZB-Präsident Mario Draghi kündigte damals an, "alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten" - und sorgte damit für einen Wendepunkt in der Euro-Schuldenkrise. Dieses Jahr gab es laut Jain keinen solchen Spezialeffekt und die Handelsaktivität war deutlich geringer. Zudem halten sich Investoren wegen der Syrien-Krise und der Unsicherheit über den künftigen Kurs der US-Notenbank Fed im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, Devisen und Rohstoffen (FICC) zurück.

Die Deutsche Bank zählt zu den Platzhirschen im Anleihehandel, der in guten Zeiten einen großen Teil zum Gewinn des Unternehmens beiträgt. Allerdings ist dieses Geschäft in Krisenzeiten schwankungsanfällig. Die Analysten von JP Morgan gehen davon aus, dass die Einnahmen der Deutschen Bank im FICC-Bereich im dritten Quartal um 31 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro fallen werden. Auch die Konkurrenten Barclays und Credit Suisse haben Anleger auf schwache Ergebnisse in der Fixed-Income-Sparte eingestimmt.

Gut laufe es bei der Deutschen Bank dagegen im Aktien-Geschäft, sagte Jain. Alle anderen Sparten - darunter das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden sowie die Vermögensverwaltung - entwickelten sich wie erwartet. Für Investoren war dies aber kein Trostpflaster. Deutsche-Bank-Aktien verloren bis zu 3,4 Prozent und gehörten damit zu den schwächsten Werten im Leitindex Dax.

Die Deutsche Bank ist derzeit vor allem mit dem Konzernumbau und der Abwicklung von Altlasten beschäftigt. Ermittler rund um den Globus gehen gegen das Institut vor, die Vorwürfe reichen von der Manipulation von Zinsen, über umstrittene Hypothekengeschäfte in den USA bis hin zu angeblichen Bilanztricksereien. Für diese Fälle hat die Bank bereits viel Geld zurückgelegt, das Ende der Fahnenstange ist laut Jain aber noch nicht in Sicht. "Wir erwarten, dass wir weitere Reserven für Rechtsstreitigkeiten bilden werden."

Die Fälle seien bekannt, fügte er hinzu. Es gebe "keine neuen Themen". Vergleiche mit den Behörden, die andere Banken etwa im Skandal um die Manipulation des Referenzzinssatzes Libor geschlossen haben, habe das Geldhaus zur Kenntnis genommen und "seine Schlussfolgerungen gezogen", sagte Jain. Die Deutsche Bank hat bisher keinen entsprechenden Vergleich erzielt.

Keine Angst hat Jain dagegen vor der anstehenden Bilanzprüfungen von europäischen Großbanken. Die Behörden wollen damit sicherstellen, dass keine unentdeckten Risiken in den Bilanzen der Institute schlummern, wenn die EZB Ende 2014 die Aufsicht über die größten Banken übernimmt. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir gut abschneiden", sagte Jain.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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