Anti-Diskriminierungsgesetz bereitet Versicherern Probleme: Allianz warnt vor Prozessflut und Tarifchaos

Anti-Diskriminierungsgesetz bereitet Versicherern Probleme
Allianz warnt vor Prozessflut und Tarifchaos

Das von der Bundesregierung für Mitte des Jahres geplante Anti-Diskriminierungsgesetz bereitet den Versicherern mehr Probleme als zunächst angenommen.

MÜNCHEN. Das sagte der Chef der Allianz Privaten Krankenversicherungs-AG (APKV), Ulrich Rumm im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Der Grund liegt darin, dass der deutsche Gesetzentwurf weit über die Forderung der EU-Richtlinien hinausgeht.“ Das sei weder notwendig noch machbar, so Rumm. Er befürchtet eine „riesige Kostenlawine und Prozessflut auf uns zukommen.“

Hintergrund: Die Europäische Kommission verfolgt mit insgesamt drei Richtlinien das Ziel der Gleichbehandlung: Die Anti-Rassismus-und die Gleichbehandlungs-Richtlinie sowie die Rahmen-Richtlinie Beschäftigung. Beispielsweise dürfen Arbeitnehmer nicht wegen ihrer Rasse, Religion, Behinderung, ihres Berufs, Alters oder Geschlechts benachteiligt werden. Die Versicherer sind davon insofern betroffen, als sie ihre Beitragskalkulation in praktisch allen Personenversicherungssparten ausgerechnet auf zahlreiche dieser Kriterien stützen - allen voran Alter und Geschlecht. Gemeint sind die Lebens-, Kranken- und Invaliditätsversicherungen.

Beispielsweise bescheinigen die Statistiken den Frauen eine längere Lebenserwartung als den Männern. Solche Unterschiede spielen in der Beitragskalkulation der Versicherer eine wichtige Rolle. Frauen sind in der Kranken- und Rentenversicherung teurer, weil sie länger Leistungen beziehen. Nach dem gleichen Schema zahlen auch Ältere und Kranke in der privaten Krankenversicherung höhere Beiträge als Junge und Gesunde. Diese Risikodifferenzierung ist ein zentrales Unterscheidungsmerkmal der Privatassekuranz gegenüber der Sozialversicherung.

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