Appell für mehr Moral
Banker mahnen Banken

Geld ist nicht alles: Eine Gruppe hochrangiger Banker hält die Finanzindustrie dazu an, stärker auf die Moral zu achten. Der propagierte Kulturwandel sei ins Stocken geraten. Die Experten legen eine konkrete Reformagenda vor.
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Frankfurt„Auf Glanz und Pracht bedachte Banker sind in der Regel Lumpen und Schwindler“: ein böses Zitat. Es entstammt einem Brief der US-Bankenaufsicht aus dem Jahr 1863. Die G-30, die renommierteste Gruppe von Finanzexperten und Wissenschaftlern, hat unter dem Vorsitz des ehemaligen EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet den Lumpen-Aphorismus ihrem aktuellen Bericht über Moral und Rendite in der Finanzbranche vorangestellt.

Der Befund legt die ethischen Schwächen der Banken offen. Kulturwandel ist ein großes Wort, dem aber nicht genügend Taten folgten. Auch sieben Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise sehen die G-30 weiter viel Handlungsbedarf in Sachen Wertewandel. „Eine Reihe der größten Banken hat noch immer nicht die notwendigen Reformen umgesetzt“, heißt es gleich im ersten Teil des Berichts.

Hinter den G-30 stehen Banker wie Axel Weber, Verwaltungsratspräsident der Schweizer UBS, EZB-Präsident Mario Draghi, BayernLB-Aufsichtsratschef Gerd Häusler und Ökonom Kenneth Rogoff. Die Sittenwächter legen einen Reformkatalog vor: Er soll helfen, klare Kriterien für das wolkige Konzept „Kulturwandel“ zu definieren.

Strafgelder als Risiko für das Finanzsystem

Dabei geht es um härtere Sanktionen bei Fehlverhalten und Regelverstößen, auch für Top-Manager. Striktere Kriterien bei der Einstellung von Bankern und mehr Verantwortung für Aufsichtsräte und Vorstände sollen bewirken, dass nicht nur „Moneymaker“ in Banken werkeln, sondern auch Leute, die etwas mit dem Begriff des „ehrbaren Kaufmanns“ anfangen können.„Die Wiederherstellung des öffentlichen Vertrauens muss eine Priorität der Banken sein und ist längst überfällig“, warnt G-30-Chairman Trichet.

Von 2009 bis 2014 haben 19 internationale Großbanken nach Berechnungen der Unternehmensberatung Boston Consulting Group 194 Milliarden Dollar an Strafen bezahlt. Diese Bußgeldinflation bereitet auch den Aufsehern Sorgen. So fürchtet der EU-Risikorat, die enormen Strafgelder der Banken könnten zum Risiko fürs Finanzsystem werden — denn sie zehren die mühsam angehäuften Eigenkapitalpolster der Geldinstitute auf.

Zu häufig dominierten bei der Fixierung von Boni und Prämien „traditionelle“ Leistungskriterien wie Gewinne und Einnahmen, mahnt Experte Häusler. Zwar könnten in manchen Ländern „weiche“, nicht präzise messbare Werte in Gehaltssystemen für Rechtsprobleme sorgen, doch die Banken sollten sich davon nicht abschrecken lassen. Sein Rat: „Grenzen ausloten.“

Kommentare zu " Appell für mehr Moral: Banker mahnen Banken"

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  • "dass nicht nur „Moneymaker“ in Banken werkeln, sondern auch Leute, die etwas mit dem Begriff des „ehrbaren Kaufmanns“ anfangen können."
    Schön das die das endlich einsehen und den Begriff des ehrlichen Kaufmanns verwenden wollen, Das Problem sind nur die Herren selbst und insbesondere Hr. Draghi der diesen Ausdruck und den Inhalt dieses Begriffes nicht mal ansatzweise kennt.

  • „Auf Glanz und Pracht bedachte Banker sind in der Regel Lumpen und Schwindler“
    Geltungsdrang ist immer symptomatisch für Scharlatanerie und somit Unfähigkeit. Derjenige welcher fälschlicherweise vor gibt etwas zu können gesteht damit auch gleichzeitig ein eben nichts zu können.
    Zudem entsteht Geltungsdrang aus dem logischem Bewusstsein der eigenen Minderwertigkeit und ist damit nichts anderes als ein Eingeständnis der Selbigen.
    Aber auch dem seriösesten Banker sollte, wenn er nicht gänzlich dumm ist, klar sein dass eine auf Gier beruhende Kreditexpansion, die langfristig nicht Werte schafft sondern vernichtet, kollabieren wird.

  • Es darf gelacht werden.

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