Apple Pay in Deutschland
Warum Apple vor einem Flop stehen könnte

Das mobile Bezahlsystem von Apple ist in den USA gut angelaufen. In Europa dürfte es der Internetriese deutlich schwerer haben. Denn das Geschäftsmodell ist für europäische Banken nicht profitabel.
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DüsseldorfiTunes, iPod und iPhone –Apple schien in den vergangenen Jahrzehnten stets so etwas wie der König Midas der IT-Branche zu sein. Was immer das Unternehmen aus Cupertino anfasste, verwandelte sich zu Gold. Mit Apple Pay soll das bisher erfolglose bargeldlose Bezahlen mit dem Handy endlich zum Erfolgsmodell werden. In den USA ist das System bereits gestartet - und liefert nach den ersten drei Wochen überzeugende Zahlen ab. Bei der Supermarktkette Whole Foods wurde seitdem rund 150.000 Mal mit Apple Pay bezahlt, bei der Fastfoodkette McDonald's wird jede zweite mobile Zahlung über Apple Pay abgewickelt. Das ist ordentlich, da das Bezahlsystem derzeit nur auf dem neuen iPhone 6 läuft.

Doch so erfolgreich Apple Pay in den USA auch angelaufen ist: in Europa dürfte sich der Internetriese deutlich schwerer tun. Denn die Banken verdienen durch die Kooperation mit Apple viel zu wenig. „Bei den derzeitigen Kostenstrukturen ist das Geschäftsmodell von Apple Pay in Europa deutlich problematischer“, sagt Oliver Hommel, Experte für Zahlungsverkehr bei der Unternehmensberatung Accenture, im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Schuld daran ist eine Verordnung der Europäischen Kommission, mit denen die Gebühren bei bargeldlosem Zahlungsverkehr begrenzt werden sollen. Wird die Regulierung wie geplant umgesetzt, dürfen die Banken pro Kreditkartenzahlung nur noch maximal 0,3 Prozent erheben, bei Debit-Zahlung sind es sogar nur 0,2 Prozent. Damit würden die Institute auf einen Schlag drei Viertel ihrer Einnahmen in diesem Bereich verlieren. Das belastet nicht nur die Banken, sondern macht auch Apple Pay deutlich unattraktiver. Denn das System basiert auf den Kreditkartensystemen der großen Anbieter American Express, Mastercard und Visa.

In den USA verlangt Apple von den kartenausgebenden Banken 0,15 Prozent des Umsatzes für einen Zahlvorgang. Gelten die gleichen Bedingungen in Europa, müssten die europäische Banken also die Hälfte ihres Umsatzes an Apple abgeben. „Darum dürfte es den meisten Instituten schwerfallen, bei Apple Pay mitzumachen und gleichzeitig in der Gewinnzone für diese Transaktionen zu bleiben“, sagt Hommel.

Besonders in Deutschland sind die Marktvoraussetzungen für Apple Pay ohnehin schlecht: Apple hat mit rund 12 Prozent einen deutlich niedrigeren Anteil am Smartphone-Markt. Außerdem sind Kreditkarten, die das Herzstück von Apple Pay sind, deutlich weniger verbreitet. Nur etwa jeder dritte Deutschen hat überhaupt eine Kreditkarte. Beim „Mobile Payment Readiness Index“ des Kreditkartenunternehmens Mastercard landet Deutschland im Vergleich von 34 Industrieländern unter dem Durchschnitt. „Es ist auch nicht zu erwarten, dass sich die Situation auf einen Schlag ändert“, sagt Hommel. Er rät Banken darum, eigene Systeme zu entwickeln.

Denn für die Banken sind die neuen mobilen Bezahlsysteme mittelfristig eine große Gefahr: Sie drohen nur noch auf die Rolle des Dienstleisters zurückgedrängt zu werden, der die Zahlungen im Hintergrund abwickelt. „Die digitale Revolution rüttelt an der Rolle der Banken als Finanzintermediär“, warnte DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch kürzlich auf der Kreditpolitischen Tagung  in Frankfurt. Eine Entwicklung die Banken im Netz bereits zu spüren bekommen, wo Zahlungen über Paypal oder ähnliche System angeboten werden. „Für uns Banken ist es höchste Zeit, noch intensiver als in der Vergangenheit in moderne Technologien zu investieren und sie in den Kern der Geschäftsstrategie zu integrieren“, mahnt Kirsch.

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„Apple kommt an den Sparkassen nicht vorbei“

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  • Das Problem für Apple ist aber spätestens mit der Ratifizierung von TTIP beseitigt. Dann hätte die EU jedwede entsprechende Regelung als Marktbegrenzung zu unterlassen. Widrigenfalls könnte Apple vor internationalem Schiedsgericht entgangenen Gewinn rechtskräftig als Schadenersatz ausurteilen lassen.
    Ob CETA und TTIP wirklich so gute Ideen sind, darf getrost hinterfragt werden. Allerdings sind Merkel, Gabriel und Co dazu kaum kompetent und berufen; leider.

  • »…wir können das nämlich nicht, leider.«
    Aber dafür können wir Panzer (Achtung Satire!)

  • Herr Ungläubig hat recht. Apple ist längst ein pazifisches Unternehmen geworden, darum sieht das iPhone 6 auch aus wie es aussieht. Und das wir sowas nicht hinbekommen, obwohl es gut ist, wird etwas verständlicher wenn man sich die Kommentare von Traustein reinzieht. Weiterhin gilt es zu bedenken: Wir Deutschen haben in der modernen IT nix zu melden, wir können das nämlich nicht, leider.

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