Assekuranz pokert um Prämien Rückversicherer bleiben hart

Die internationalen Rückversicherer setzen sich auf ihrem Branchentreffen in Monte Carlo, das am gestrigen Sonntag begonnenen hat, gegen Preissenkungen vehement zur Wehr. Der Branchenzweite Münchener Rück und auch die Hannover Rück kündigten stabile Prämien an. Analysten bezweifelten allerdings, ob sich die Rückversicherer außerhalb der USA mit ihren Preisvorstellungen durchsetzen können.
  • Rita Lansch

MONTE CARLO. Die Branche argumentiert mit den außergewöhnlich teuren Hurrikan-Schäden in den USA. Daher sehen etwa deutsche Erstversicherer nicht ein, warum sie wegen der Schäden in den USA mehr zahlen sollen. Zudem argumentieren die Makler, die Rückversicherer profitierten von höheren Zinsen und Aktienkursen, was in der Gesamtkalkulation zu niedrigeren Prämien führen müsse. Das Kräftemessen dauert bis Donnerstag an.

Bis dahin geht es rund um das Casino des sonnigen Fürstentums zu wie auf einem Basar. Die Rückversicherer aus aller Welt treffen sich hier jährlich im September, um ihre Preise und Konditionen für die kommende Versicherungsperiode auszuloten. Die beginnt für die meisten Anbieter im Januar. Konkrete Abschlüsse werden in Monaco noch nicht getätigt. Die Gesellschaften wollen möglichst erst den Ausgang der laufenden Hurrikan-Saison im Atlantik abwarten. Solche Naturkatastrophen sind hoch rückversichert und wirken sich daher stark auf die Preise aus. Die Rückversicherer tragen als Versicherer der Endverbraucher-Versicherungsgesellschaften, der Erstversicherer, das Gros der Risiken.

Allein der Hurrikan „Katrina“, der 2005 New Orleans verwüstete, kostet die globale Assekuranz nach heutigem Stand 45 Mrd. Dollar. Danach folgten „Rita“ und „Wilma“. Das Jahr davor war auch schon heftig, so dass viele Rückversicherer arg strapaziert worden sind und ihre Reserven wieder auffüllen müssen. Die Branche versucht daher, die teuren Schäden möglichst schnell durch höhere Beiträge wieder wettzumachen. Dazu passen sie derzeit ihre Kalkulationsgrundlagen an. Mit Modellannahmen über mögliche Katastrophen versuchen sie, ihre Preise zu ermitteln. Die Überschwemmung von New Orleans 2005 hatten die Modelle nicht vorhergesehen. Das ist der Branche eine Lehre. So kalkuliert Lloyd’s jetzt beispielsweise mit einem Maximalschaden von 100 Mrd. Dollar – also gut zwei mal „Katrina“.

Die Bonitätsprüfer von Standard & Poor’s haben ihrerseits die Anforderungen an die Kapitalausstattung in diesem Geschäft verschärft. Ratingagenturen und Analysten begrüßen die Anpassung der Modelle. „Damit ist mit weiter steigenden Preisen für Naturkatastrophen-Rückversicherungen zu rechnen“, sagt etwa Robert Mazzuoli von der Landesbank Rheinland-Pfalz. „Außerhalb der USA dürfte es für die Rückversicherer erheblich schwerer werden, höhere Preise durchzusetzen“, schreiben dagegen die Analysten von Credit Suisse. Die Versicherer zeigen jedoch Härte, schließlich brauchen sie den regionalen Ausgleich, sonst würden die Prämien in gefährdeten Gebieten enorm steigen. „Ich erwarte definitiv keine Prämiensenkungen in Deutschland, sondern mindestens stabile Beiträge“, sagte Michael Pickel, Chef der zur Hannover Rück gehörenden Eisen+Stahl Rück dem Handelsblatt.

Einer seiner Kunden verweist hingegen auf die bessere Situation am Kapitalmarkt. Das führe zumindest bei lang laufendem Haftpflichtgeschäft zu deutlichen Mehreinnahmen der Rückversicherer, „weshalb die Kalkulation der Rückversicherer zwangsläufig zu sinkenden Preisen führen muss“.

Die Risiko-Broker

Größe zählt: Eine Versicherung basiert unter anderem auf dem Gesetz der großen Zahl. Je mehr ähnliche Risiken ein Versicherungsunternehmen in die Bücher nimmt, desto besser gleichen sie sich statistisch aus.

Konsolidierung: Der Markt für Rückversicherungen ist von einer starken Konzentration geprägt. Angefangen hat es mit den teuren Asbest- und Terror-schäden sowie der darauf folgenden Kapitalmarktkrise. Dadurch haben etliche Anbieter aufgeben.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%