Assekurata-Studie
Verzinsung von Lebensversicherungen sinkt weiter

Statistisch gesehen besitzt jeder Deutsche mehr als eine Lebensversicherung. Doch die Anlageform ist unter Druck, weil die Zinsen sinken. Die Ratingagentur Assekurata hat nun errechnet, wie hoch diese wirklich sind. Das Ergebnis ist nicht gerade erfreulich.
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FrankfurtDie laufende Verzinsung von Lebensversicherungen sinkt im Marktdurchschnitt über alle Tarifarten und –generationen unter 4,1 Prozent. Im arithmetischen Mittel seien 4,08 Prozent, errechnete die Kölner Ratingagentur Assekurata aufgrund einer Umfrage bei 68 Gesellschaften. 43 davon senkten ihre laufende Verzinsung gegenüber dem Vorjahr. In der privaten Rentenversicherung, der im Neugeschäft bedeutendsten Versicherungsart, werde im Durchschnitt eine laufende Verzinsung in Höhe von 4,07 Prozent gewährt, gegenüber 4,20 Prozent im Vorjahr. Die laufende Verzinsung, auch Überschussbeteiligung genannt, ist wichtig für Kunden, deren Verträge weiterlaufen. Für auslaufende Verträge kommt ein Schlussüberschuss hinzu. 

Wichtig zum Vergleich verschiedener Anlageprodukte ist die Beitragsrendite. Diese liege bei Lebensversicherungen bezogen auf die Garantie der Unternehmen für den Mustervertrag einer aufgeschobenen Rentenversicherung bei knapp 1,4 Prozent. Assekurata errechnete 1,39 Prozent im arithmetischen sowie 1,35 Prozent im gewichteten Durchschnitt. Die illustrierte Beitragsrendite des langfristigen Mustervertrages einer privaten Rentenversicherung liege durchschnittlich bei 3,81 Prozent nach 3,94 Prozent im Vorjahr.

Wenn man für einen auslaufenden Vertrag die Bewertungsreserven berücksichtige, steige die illustrierte Beitragsrendite auf durchschnittlich 4,06 Prozent – nach 4,03 Prozent. Dieser leichte Anstieg hängt damit zusammen, dass die Unternehmen aufgrund des Zinsrückgangs gerade bei Anleihen große Bewertungsreserven im vergangenen Jahr anhäuften, die nun bei auslaufenden Verträgen an die Kunden weitergegeben werden müssen.

Die durchschnittliche Garantieverzinsung im Bestand liege bei 3,30 Prozent. Etwa ein Viertel der Verpflichtungen deutscher Lebensversicherer müsse noch garantiert mit vier Prozent verzinst werden. Derzeit beträgt der Garantiezins 2,25 Prozent, die Mehrheit der Lebensversicherer erwarte eine Absenkung des Höchstrechnungszinses zum 01.01.2012 auf ein Niveau von zwei Prozent. Das Finanzministerium hat demgegenüber eine Absenkung auf 1,75 Prozent vorgeschlagen, aber in dieser Frage noch keine Entscheidung getroffen.

Bei der laufenden Verzinsung für die Verträge habe sich der rückläufige Trend in 2011 fortgesetzt. „Die Lebensversicherer reagieren damit auf die historischen Tiefststände an den Kapitalmärken“, erläuterte der Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will. Zugleich sei es eine Reaktion auf die gestiegenen Ausschüttungen von Bewertungsreserven. „Folgerichtig gehen in diesem Jahr die laufenden Zinsgutschriften noch weiter zurück als im Vorjahr.“

Auffällig sei auch, dass ein Großteil der Unternehmen, die bereits im Vorjahr 4,00 Prozent deklarierten, entgegen dem Markttrend keine Absenkung vorgenommen hat. „Offensichtlich soll hier die psychologisch bedeutende Grenze von vier Prozent nicht unterschritten werden“, schließt Reiner Will.

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