Auch Deutsche Bank hat Interesse: Italiens Bankenmarkt öffnet sich

Auch Deutsche Bank hat Interesse
Italiens Bankenmarkt öffnet sich

In die italienische Bankenlandschaft kommt Bewegung. Mit der anstehenden Übernahme der Banca Nazionale del Lavoro (BNL) durch die französische BNP Paribas übernimmt innerhalb kurzer Zeit der zweite Ausländer eine Bank in Italien. Beobachter rechnen damit, dass damit das Fusionskarussell richtig in Gang kommt. Zum Jahresende hat bereits die niederländische ABN Amro die Mehrheit an der Banca Antonveneta übernommen.

MAILAND. Heimische Zusammenschlüsse gelten als ebenso wahrscheinlich wie weitere Zukäufe aus dem Ausland. So hat der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, erst vergangenen Donnerstag erklärt, dass er Interesse an regionalen Banken in Italien hätte. Aber auch die spanische Santander, die französische Credit Agricole und die schottische Royal Bank of Scotland gelten als mögliche Interessenten für italienische Institute. Sie alle haben bereits direkte oder indirekte Beteiligungen an italienischen Banken.

Vor allem die meist börsennotierten italienischen Volksbanken werden als interessante Übernahmekandidaten gehandelt. Diese Institute sind gut in ihren Regionen verankert und im lukrativen Retail-Geschäft stark.

An ihrem Marktwert gemessen wären auch größere italienische Banken für internationale Finanzkonzerne noch immer recht leichte Opfer. So liegt die Marktkapitalisierung von Monte dei Paschi di Siena gerade einmal bei zehn Mrd. Euro und die von Capitalia bei 14 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Die Großbank Unicredito wird nach der Übernahme der deutschen Hypo-Vereinsbank an der Börse mit 62 Mrd. Euro bewertet.

Ein wichtiger Grund für den frischen Wind auf dem italienischen Bankenmarkt ist auch der Wechsel an der Spitze der Banca d`Italia. Nachdem der umstrittene Zentralbankchef Antonio Fazio zum Jahresende zurück getreten ist, hat nun Mario Draghi das Sagen. Der ehemalige Goldman-Sachs-Banker gilt als deutlich marktliberaler als sein Vorgänger, der alles daran setzte, Ausländer vom italienischen Markt fern zu halten.

„Der Wechsel wird mehr Konsolidierung und grenzüberschreitende Fusionen mit sich bringen“, prophezeite Lorenzo Codogno von der Bank of America nach Draghis Ernennung.

Nach Jahren der Restrukturierung erfreuen sich Italiens Banken wieder hoher Gewinne. 2005 war ein Jahr der Rekorde. Vor allem das Geschäft mit Privatkunden läuft dank der im europäischen Vergleich überdurchschnittlicher Gebühren weiterhin gut.

Die Analystin Paola Biraschi von Lehman Brothers betont, dass sich die Kapitalausstattung der italienischen Banken deutlich verbessert hat. „Das wird auch zu mehr Fusionen und Übernahmen führen, was wir positiv bewerten, da der Sektor immer noch stark fragmentiert ist“, schreibt sie in ihrer jüngsten Studie. Dabei wären Fusionen unter italienischen Banken auch eine Strategie, um ausländische Übernahmen abzuwehren.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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