Auch Fusionen sind wieder ein Thema: Europas Großbanken suchen nach neuem Wachstum

Auch Fusionen sind wieder ein Thema
Europas Großbanken suchen nach neuem Wachstum

Europas Banken schalten auf Expansion um. Anfang der Woche kündigte die italienische Großbank Banca Intesa Verhandlungen zum Einstieg beim viertgrößten türkischen Geldinstitut Garanti Bank an. Zeitgleich ließ in London der Chef von Lloyds TSB Interesse an Zukäufen durchblicken. Statt Geld via Aktienrückkauf an die Aktionäre auszuschütten, wolle man lieber für Übernahmen sparen, erklärte Vorstandschef Eric Daniels.

FRANKFURT/M. Daniels Haltung ist typisch für den Stimmungswandel in der europäischen Geldbranche. Nachdem jahrelang vor allem vom Sparen geredet wurde, ist jetzt die Suche nach neuen Ertragsquellen die große strategische Herauforderung – oder, wie es Alfredo Sáenz, Vorstandschef der spanischen Großbank Santander Central Hispano (SCH), formulierte: „Die Einnahmen werden künftig die guten von den schlechten Banken unterscheiden“.

In den letzten Jahren lautete die Frage eher: Wer ist am effizientesten? Wie die deutsche Kreditwirtschaft haben auch viele Ausländer energisch den Rotstift angesetzt: ABN Amro etwa hat seit 2000 fast ein Viertel der Stellen im niederländischen Retailgeschäft gestrichen, bei Intesa fiel ein Zehntel der Stellen weg, die schweizerische Credit Suisse hat vor allem im Investment- Banking massiv gekürzt. Auch die spanischen Bankenriesen SCH und BBVA, die beide Ende der neunziger Jahre aus Fusionen entstanden, haben energisch auf die Kostenbremse getreten. Zudem haben viele Institute ihre Bilanzen durch den Verkauf von Beteiligungen entschlackt.

Die Rosskuren haben sich ausgezahlt. Trotz der eher flauen Wirtschaftsentwicklung in Europa verzeichneten die meisten europäischen Branchenriesen im vergangenen Jahr deutliche Gewinnsteigerungen; einige, wie ABN Amro oder manche britischen Banken, fuhren sogar Rekordgewinne ein. Doch nun sind die Sparprogramme gelaufen. „Der große Schluck aus der Pulle ist genommen“, urteilt Georg Kanders, Bankenspezialist bei der WestLB. Ähnlich sieht das Reiner Hoock, Geschäftsführer bei Booz Allen Hamilton in Deutschland: „Die meisten Banken haben ihre Hausaufgaben gemacht, ihre Bilanzen saniert und die Kosten gesenkt – jetzt müssen sie die Erträge steigern.“ Die Aussichten sind gut: Nach Schätzungen der Analysten von UBS kann die Branche wegen der europaweit anziehenden Konjunktur erstmals seit zwei Jahren wieder auf steigende Erträge hoffen. Metehan Sen von Sal. Oppenheim traut der Geldbranche in diesem Jahr ein Gewinnwachstums von 20 % zu. Allerdings schlägt hierbei auch der Rückgang der Risikovorsorge zu Buche. Für die Einnahmen veranschlagt Sen ein Plus von 4 % – nicht schlecht, aber deutlich weniger als in anderen Branchen.

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