Aufsicht
Solvency II ist zu kompliziert

Die Versicherungsbroker Aon fordert einfachere EU-Regeln. Die geplanten EU-Kapitalregeln für Versicherer sollten entschlackt werden. Das fordert der weltweit tätige Versicherungsbroker Aon Benfield.
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FrankfurtDas Regelwerk Solvency II gilt ab 2013 und soll die Branche krisenfester machen. Doch viele Vorschriften überfordern die Unternehmen bisher finanziell und mental. Aon Benfield hat dies insbesondere für die Abschätzung von Schäden aus Naturkatastrophen festgestellt.  

Im Rahmen von Solvency II können die Versicherer entweder das von den Aufsehern vorgegebene Standardmodell nutzen, um ihren Kapitalbedarf zu bestimmen. Oder sie dürfen selbst eigene, sogenannte interne Modelle entwerfen, um ihre Geschäftsrisiken abzubilden. Der zweite Weg hätte grundsätzlich den Vorteil, dass sehr viel besseres Datenmaterial in die Risikoabschätzungen einfließen könnte. Ursprünglich wollten die Aufseher für solche internen Modelle auch Anreize schaffen. Doch tatsächlich passiere bisher wenig. Der Grund: Selbst kleinere, sogenannte partielle interne Modelle seien teuer und mühsam – sowohl für Aufseher wie Versicherer, kritisiert Aon Benfield. 

Insbesondere im wichtigen Bereich der Naturkatastrophen sollten daher die Anforderungen der Aufseher vereinfacht werden, fordert Aon Benfield. Denn das würde die Versicherer ermutigen, diese Gefahren künftig besser zu berechnen.

In der jüngsten EU-Feldstudie Qis5 entschieden sich die Versicherer hingegen noch für den Weg des geringsten Widerstands. Vor allem kleinere Gesellschaften hätten sich für das Standardmodell entscheiden. Sie bevorzugten dabei bewusst den einfacheren Ansatz, selbst wenn die damit verbundenen Kapitalanforderungen  irreführend seien. Ursache für die Fehler in diesem Bereich sei, dass in den Vorgaben der Aufseher die Verbesserungen in der Katastrophenforschung der vergangenen 15 Jahren nicht enthalten seien.

Die eigenen Vorschläge entsprächen der Aufforderung der EU-Kommission an die neue Versicherungsaufsicht Eiopa, Solvency II zu vereinfachen, glaubt Aon Benfield. Wenn dies passiere, könnten davon sowohl Aufseher als auch Unternehmen profiieren. Aon spricht von einer Situation, in der beide gewinnen..

Paul Miller, Leiter des internationalen Katastrophen-Managements von  Aon Benfield Analytics, erklärte: „Heute brauchen die meisten Versicherer und Rückversicherer viele detailgenauere Daten.“ Der Standardansatz von Solvency II berücksichtige die jüngste Entwicklung nicht. Marc Beckers, Leiter von Aon Benfield Analytics für Europa, glaubt, dass ein einfacherer Ansatz ein gleiches Spielfeld zwischen kleinen und großen Versicherern im Rahmen von Solvency II gewährleisten werde. Zudem sei es möglich, signifikant Kosten zu sparen – sowohl für die Unternehmen als auch die Aufseher.

 

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