Aufspaltung von Credit Suisse
RBR Capital will zwei Abteilungen listen

Der aktivistische Hedgefonds RBR Capital versucht offenbar die Schweizer Bank Credit Suisse zu zerschlagen. Ein nun öffentlich gewordenes Papier zeigt, RBR will zwei Teilbereiche der Investmentbank an die Börse bringen.
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ZürichDer Hedgefonds RBR Capital will den Wert der Schweizer Großbank Credit Suisse mit Börsengängen von zwei Teilbereichen verdoppeln. Die Investmentbank solle in New York oder London gelistet werden, hieß es in einer Reuters am Donnerstag vorliegenden Präsentation des aktivistischen Anlegers mit Datum Oktober 2017.

Auch das Asset Management – das Geschäft mit Fonds und Profi-Anlegern – solle börsennotiert werden. Damit könnte der Wert aller Teile auf fast 80 Milliarden Franken von gegenwärtig rund 40 Milliarden Franken steigen. Viele Experten bezweifeln allerdings, ob sich RBR durchsetzen wird, denn der Fonds hält lediglich rund 0,2 Prozent an der Credit Suisse.

Die Absichten von RBR sind in den Grundzügen seit Montag bekannt. Die Reuters vorliegende Präsentation legt jedoch weitere Einzelheiten des Plans offen. "Spezialisierte Anbieter erzielen viel höhere Renditen und Bewertungen als Konglomerate", begründetet RBR den Vorstoß zur Zerschlagung des zweitgrößten Schweizer Instituts. So notierten Universalbanken wie Credit Suisse, Deutsche Bank oder BNP Paribas an der Börse mit einem deutlichen Abschlag zu Spezialisten wie dem Vermögensverwalter Julius Bär oder der Investmentbank Lazard.

Gestützt auf diesen Bewertungen könnte das Asset Management der Credit Suisse RBR zufolge alleine auf einen Wert von 6,8 Milliarden Franken kommen, die Investmentbank auf 15,6 Milliarden. Das Schweizer Geschäft einschließlich der ausländischen Vermögensverwaltung sei gar 62,5 Milliarden Franken wert.

Die Credit-Suisse-Spitze hält die Schätzungen jedoch für deutlich zu hoch, erklärte eine der Bank nahestehende Person der Nachrichtenagentur Reuters. RBR ziehe zum Vergleich Firmen heran, die ein ganz anderes Geschäftsmodell aufwiesen. Zudem würde das Kerngeschäft der Vermögensverwaltung für reiche Privatpersonen nach einer Abspaltung des Investmentbankings Kunden verlieren. „Die ganze Wachstumsstory der Vermögensverwaltung würde zerbrechen“, so die Person.

Auch an einem weiteren Vorschlag lässt der Insider kein gutes Haar. Der RBR-Präsentation zufolge würde eine außerhalb der Schweiz angesiedelte Investmentbank zu markant niedrigeren Kapitalanforderungen führen. Denn der gegenwärtig gültige Schweizer Standard verlange von der Credit Suisse mehr als doppelt so viel Kapital wie die internationalen Mindestanforderungen. Dem Insider zufolge verlangten jedoch die Regulatoren aller wichtigen Finanzplätze ein zusätzliches Polster auf den Basler Standard, sodass mit einer Verlagerung kaum Einsparungen zu erzielen seien.

Ein RBR-Sprecher wollte sich nicht äußern. RBR-Chef Rudolf Bohli werde die Einzelheiten seines Plans am Freitag auf einer Investorenveranstaltung in New York darlegen. Dort dürfte er versuchen, Schützenhilfe von anderen Investoren zu bekommen. Credit Suisse hatte Anfang der Woche erklärt, die Bank begrüße die Sichtweise jedes Aktionärs, konzentriere sich aber auf die Umsetzung der bestehenden Strategie.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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