Auskunft verlangt
Bundesbank checkt Banken wegen Niedrigzinsen

Baukredite gibt es zu Niedrigkonditionen für zehn Jahre und mehr. Doch wenn das Zinsniveau rasch steigt? Dann kommt die Bank plötzlich teuer an frisches Geld, sitzt aber auf Niedrigzinsverträgen. Die Bundesbank prüft.
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FrankfurtDie Belastungen der Banken durch niedrige Zinsen rufen die Aufsichtsbehörden auf den Plan. Die deutschen Geldhäuser müssen der Bundesbank ausführlich berichten, wie sich das fortdauernde Niedrigzinsumfeld auf ihre Ergebnisse auswirkt. Zudem sollen sie erläutern, wie sich ihre Ertragskraft bei einem plötzlichen Zinsanstieg entwickeln würde, wie die Bundesbank am Freitag erklärte. Besonders Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken, die über Hunderte Milliarden an Spareinlagen verfügen, leiden unter den niedrigen Zinsen, mit denen die Europäische Zentralbank die schwächelnde Wirtschaft in Schwung bringen will.

Die deutschen Banken unterstützen die Erhebung, wollen dafür aber mehr Zeit. Die Bundesbank hatte die Institute am 11. September aufgefordert, die Daten bis Ende des Monats zu liefern. In einem Brief an die Bundesbank fordert die Deutsche Kreditwirtschaft (DK), diese Frist bis Ende Oktober zu verlängern. Ansonsten würden viele Institute überfordert, argumentieren die Geldhäuser.

Laut den Banken liegen viele der angefragten Daten nicht standardmäßig vor und müssen erst erhoben werden. Dazu zähle beispielsweise die Einschätzung über die künftigen Ergebnisse durch die Fristentransformation. Darunter versteht man die Praxis, dass Banken langfristige Kredite vergeben und diese kurzfristig refinanzieren. Hinzu komme, dass die zuständigen Abteilungen der Banken derzeit gut damit beschäftigt seien, neue Regeln der Aufseher umzusetzen, erklärte die DK.

Die Bundesbank hat bisher noch nicht entschieden, ob sie dem Wunsch der Institute nachkommt. "Wir sind im Dialog mit den Banken", erklärte sie. Für eine endgültige Entscheidung fehlten allerdings noch einige Erkenntnisse. Es gebe keine speziellen Vorfälle oder Sorgen, die die Erhebung ausgelöst hätten, hieß es in Aufsichtskreisen. "Für Aufseher ist das Tagesgeschäft." Die Daten seien wichtig, um sich ein umfassendes Bild über die Lage und Robustheit der deutschen Banken zu machen.

Die Niedrigzinsphase setzt besonders Instituten zu, die über hohe Bestände an Spareinlagen verfügen wie Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken. Bei den Sparkassen ging der Zinsüberschuss im vergangenen Jahr beispielsweise um 2,6 Prozent auf 23,2 Milliarden Euro zurück. Im laufenden Jahr rechnet Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon mit einem weiteren Rückgang um rund 500 Millionen Euro. "Mit zunehmender Dauer und dem Auflaufen hochverzinslicher Anlagen und Kredite verschärft sich die betriebswirtschaftliche Herausforderung, der nur auf der Kostenseite begegnet werden kann", sagte er kürzlich auf einer Branchenkonferenz in Frankfurt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Auskunft verlangt: Bundesbank checkt Banken wegen Niedrigzinsen"

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  • @regrebnetta
    Ein Tipp von mir: Schließen Sie eine eigene Beratungshaftpflichtversicherung ab!

    Sie rechnet sich. Garantiert!

    Straffällig sind Sie jedoch nicht. Dazu mangelt es Ihnen, wie wir erkennen durften, am Vorsatz. Das mag für Ihren Vorgesetzten nicht gelten.

  • @Ludwig500: Meine Bank macht das anders!
    @Mazi: Mit etwas Ahnung hätten Sie meinen Kommentar richtig verstehen können. Es ist klar, dass es die Fristentransformation betrifft. Nennen Sie mir bitte einen Kunden, der bei diesem Zinsniveau langfristig Geld anlegen möchte. Macht keiner. Daher entsteht das hohe Risiko. Wenn sich nämlich alle Banken absichern müssen und ihren Cashflow glattstellen, trägt insgesamt der Markt das Risiko. Weg bekommt es dann keiner mehr, weil es eben alle machen müssen.
    Nur weil mein Kommentar nicht in Ihr Fachmuster passt, über dessen Tellerrand Sie wohl nicht hinausschauen können, ist er insgesamt fachlich nicht falsch.

  • Sie haben eine falsche Vorstellung vom Bankgeschäft. Lesen Sie auch den Kommentar von "@Mausi".

    Es ist Aufgabe der BAFin sowie der Abschlussprüfer sich das Risikocontrolling einer Bank anzusehen und darüber zu berichten. Erfüllt es die Anforderungen in der gestellten Arbeitsweise nicht, hat nicht nur der Vorstand sondern mit ihm gleich der Abschlussprüfer und die BAFin geschlafen.

    Sie müssten jetzt in der Weise kontern, weshalb es denn dann zu den Bankpleiten, zu den Rettungsaktionen durch den Steuerzahler überhaupt kommen kann?

    Die Antwort dazu:
    Das liegt am Aufsichtssystem, das unter dem Begriff BASEL "firmiert". Es erlaubt den Banken eigene Risikosysteme zu entwickeln und einzusetzen. Die Methodik ist dort, dass zunehmende Risiken zusätzliches Eigenkapital fordern, das wiederum durch Abbau weiterer Risiken die nächste Marktpreisschwankung befeuert - usw..

    Die BASEL-Regelungen sind damit Teil der Krisen.

    Im Ergebnis wurde " eine Drehtür als Notfalltür installiert". Die Wirkung ist mit der Funktion eines Ventilators vergleichbar, durch den Sie im Ruhezustand problemlos durchgreifen können. Ist er in Aktion, schlägt er Ihnen die Hand ab. Dabei erwartet man, dass der Steuerzahler die erste Hilfe leistet. ;-)

    Der letzte Teil war zwar etwas blumig, aber dafür hoffentlich verständlich.

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