Auskunft verlangt

Bundesbank checkt Banken wegen Niedrigzinsen

Baukredite gibt es zu Niedrigkonditionen für zehn Jahre und mehr. Doch wenn das Zinsniveau rasch steigt? Dann kommt die Bank plötzlich teuer an frisches Geld, sitzt aber auf Niedrigzinsverträgen. Die Bundesbank prüft.
Update: 27.09.2013 - 17:23 Uhr 15 Kommentare
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Quelle: Reuters

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDie Belastungen der Banken durch niedrige Zinsen rufen die Aufsichtsbehörden auf den Plan. Die deutschen Geldhäuser müssen der Bundesbank ausführlich berichten, wie sich das fortdauernde Niedrigzinsumfeld auf ihre Ergebnisse auswirkt. Zudem sollen sie erläutern, wie sich ihre Ertragskraft bei einem plötzlichen Zinsanstieg entwickeln würde, wie die Bundesbank am Freitag erklärte. Besonders Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken, die über Hunderte Milliarden an Spareinlagen verfügen, leiden unter den niedrigen Zinsen, mit denen die Europäische Zentralbank die schwächelnde Wirtschaft in Schwung bringen will.

Die deutschen Banken unterstützen die Erhebung, wollen dafür aber mehr Zeit. Die Bundesbank hatte die Institute am 11. September aufgefordert, die Daten bis Ende des Monats zu liefern. In einem Brief an die Bundesbank fordert die Deutsche Kreditwirtschaft (DK), diese Frist bis Ende Oktober zu verlängern. Ansonsten würden viele Institute überfordert, argumentieren die Geldhäuser.

Laut den Banken liegen viele der angefragten Daten nicht standardmäßig vor und müssen erst erhoben werden. Dazu zähle beispielsweise die Einschätzung über die künftigen Ergebnisse durch die Fristentransformation. Darunter versteht man die Praxis, dass Banken langfristige Kredite vergeben und diese kurzfristig refinanzieren. Hinzu komme, dass die zuständigen Abteilungen der Banken derzeit gut damit beschäftigt seien, neue Regeln der Aufseher umzusetzen, erklärte die DK.

Die Bundesbank hat bisher noch nicht entschieden, ob sie dem Wunsch der Institute nachkommt. "Wir sind im Dialog mit den Banken", erklärte sie. Für eine endgültige Entscheidung fehlten allerdings noch einige Erkenntnisse. Es gebe keine speziellen Vorfälle oder Sorgen, die die Erhebung ausgelöst hätten, hieß es in Aufsichtskreisen. "Für Aufseher ist das Tagesgeschäft." Die Daten seien wichtig, um sich ein umfassendes Bild über die Lage und Robustheit der deutschen Banken zu machen.

Die Niedrigzinsphase setzt besonders Instituten zu, die über hohe Bestände an Spareinlagen verfügen wie Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken. Bei den Sparkassen ging der Zinsüberschuss im vergangenen Jahr beispielsweise um 2,6 Prozent auf 23,2 Milliarden Euro zurück. Im laufenden Jahr rechnet Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon mit einem weiteren Rückgang um rund 500 Millionen Euro. "Mit zunehmender Dauer und dem Auflaufen hochverzinslicher Anlagen und Kredite verschärft sich die betriebswirtschaftliche Herausforderung, der nur auf der Kostenseite begegnet werden kann", sagte er kürzlich auf einer Branchenkonferenz in Frankfurt.

  • rtr
Startseite

Mehr zu: Auskunft verlangt - Bundesbank checkt Banken wegen Niedrigzinsen

15 Kommentare zu "Auskunft verlangt: Bundesbank checkt Banken wegen Niedrigzinsen"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @regrebnetta
    Ein Tipp von mir: Schließen Sie eine eigene Beratungshaftpflichtversicherung ab!

    Sie rechnet sich. Garantiert!

    Straffällig sind Sie jedoch nicht. Dazu mangelt es Ihnen, wie wir erkennen durften, am Vorsatz. Das mag für Ihren Vorgesetzten nicht gelten.

  • @Ludwig500: Meine Bank macht das anders!
    @Mazi: Mit etwas Ahnung hätten Sie meinen Kommentar richtig verstehen können. Es ist klar, dass es die Fristentransformation betrifft. Nennen Sie mir bitte einen Kunden, der bei diesem Zinsniveau langfristig Geld anlegen möchte. Macht keiner. Daher entsteht das hohe Risiko. Wenn sich nämlich alle Banken absichern müssen und ihren Cashflow glattstellen, trägt insgesamt der Markt das Risiko. Weg bekommt es dann keiner mehr, weil es eben alle machen müssen.
    Nur weil mein Kommentar nicht in Ihr Fachmuster passt, über dessen Tellerrand Sie wohl nicht hinausschauen können, ist er insgesamt fachlich nicht falsch.

  • Sie haben eine falsche Vorstellung vom Bankgeschäft. Lesen Sie auch den Kommentar von "@Mausi".

    Es ist Aufgabe der BAFin sowie der Abschlussprüfer sich das Risikocontrolling einer Bank anzusehen und darüber zu berichten. Erfüllt es die Anforderungen in der gestellten Arbeitsweise nicht, hat nicht nur der Vorstand sondern mit ihm gleich der Abschlussprüfer und die BAFin geschlafen.

    Sie müssten jetzt in der Weise kontern, weshalb es denn dann zu den Bankpleiten, zu den Rettungsaktionen durch den Steuerzahler überhaupt kommen kann?

    Die Antwort dazu:
    Das liegt am Aufsichtssystem, das unter dem Begriff BASEL "firmiert". Es erlaubt den Banken eigene Risikosysteme zu entwickeln und einzusetzen. Die Methodik ist dort, dass zunehmende Risiken zusätzliches Eigenkapital fordern, das wiederum durch Abbau weiterer Risiken die nächste Marktpreisschwankung befeuert - usw..

    Die BASEL-Regelungen sind damit Teil der Krisen.

    Im Ergebnis wurde " eine Drehtür als Notfalltür installiert". Die Wirkung ist mit der Funktion eines Ventilators vergleichbar, durch den Sie im Ruhezustand problemlos durchgreifen können. Ist er in Aktion, schlägt er Ihnen die Hand ab. Dabei erwartet man, dass der Steuerzahler die erste Hilfe leistet. ;-)

    Der letzte Teil war zwar etwas blumig, aber dafür hoffentlich verständlich.

  • Blödsinn, Ihre Bank, wie jede andere, handelt mit Geld, und versucht bestmöglich, von diesem Geld so viel wie möglich in die eigenen Taschen zu bekommen. Erzählen Sie mir nichts von Umwelt, Kinderarbeit, Tierquälerie, Armut und Hunger, wenn das alles eine Branche nicht interessiert, dann ist es die Finanzwirtschaft.

    Wenn es nach mir ginge würde ich morgen alle Banken schliessen. Dann druckt der Staat sein Geld selbst und verleiht es zinsfrei. Eine Kontoführungsbehörde ist schnell organisiert. Nur eine reiche Elite und deren Mitesser profitieren von Banken, ansonsten sind die überflüssig.

  • @regrebnetta, 27.09.2013, 15:43
    Sie mögen zwar in einer Bank arbeiten, aber zum Bankgeschäft fehlt Ihnen das Fachwissen.
    Die Frage der Bundesbank zielt auf die Fristentransformation und da wiederum auf deren Ausmaß.

    Also ein "richtiger Professor" kann sich aber gewiss nicht so geäußert haben wie Sie hier angeben. Der hätte Ihnen nie gesamt, dass der Markt die künftige Zinsentwicklung falsch bewertet. Der hätte Ihnen gewiss die Zinsstrukturkurve einmal verständlich gemacht.

    Fachlich war der Kommentar ... ( etwas daneben!).

  • Die KfW ist keine Bank. Sie ist also von der Maßnahme der Bundesbank erst gar nicht erfasst.

  • ... Ohje soll das heissen.

    Ich kann mich auch anders ausdrücken:
    Nein, Du musst Dir nicht vorwerfen lassen, dass Kinder Deine Klamotten unter menschenverachtenden Bedingungen herstellen, dass Deine Milch aus verkrüppelten Kühen kommt, dass andere Menschen verhungern, nur weil wir Biosprit erfunden haben... die Liste ist lang und der Dumpingzins fordert ebenso seinen Tribut. Nur ist das nicht so schnell zu sehen!

  • Genau so ist das gemeint... Ohne!
    Ein Stammkunde ruft an, will einen Kredit bei einer Volksbank oder Sparkasse. Kondition ist etwas teurer als die einer Direktbank. Kunde weist darauf hin und droht mit Wechsel. Berater hat seine Ziele im Hinterkopf, geht zum Chef und bittet darum, seinen Stammkunden nicht wegzuschicken. Kunde bekommt günstigere Kondition. Dass er bei einer Bank vor Ort allerdings anderen Service genießt, Vertrauen, bekannt ist, das fließt in fast keine solcher Entscheidungen mit ein. Das Problem ist, dass Geld nicht gleich Geld ist. Was macht eine Online-Bank mit dem Geld? Könnte sie solche Konditionen vielleicht mit Handlungen subventionieren, die moralisch und gesellschaftlich fragwürdig sind? ... Das wird leider zu oft ausgeblendet!

  • "Es sind diese Rosinenpicker, die nicht nicht genug bekommen können."

    Ich gelobe Besserung, werde demnächst Preisvergleiche anstellen und den Kredit mit den höchsten Zinsen wählen, Ebenso werde ich meinen Handyvertrag auf die ungünstigsten Konditionen umstellen und auch im Supermarkt bei gleicher Leistung den geringsten Gegenwert wählen. Meinen Chef davon zu überzeugen, mir doch bitte noch ein paar unbzahlte Sonderschichten zu genehmigen, wird nicht leicht, aber ich werde ihn damit überzeugen, das mein Gehalt ohnehin zu hoch ist.

    Denn mir liegt die Wirtschaft am Herzen, besonders die Finanzindustrie.

  • Liebe Leser,
    das ist alles ganz einfach: Schuld ist wie so oft zu einem großen Teil der Verbraucher. Das meine ich ernst. Es sind diese Rosinenpicker, die nicht nicht genug bekommen können. Folgender Hintergrund: Die Volksbanken und sicher auch die Sparkassen haben viel Geld auf der Passivseite, sehr viel Geld. Sie werden quasi das Geld auf der Aktivseite der Bilanz nicht los. Sie können es natürlich zu einem wirklich nur marginal höherem Zins bei der Zentragbank etc. anlegen. Jedoch deckt dies bei Weitem nicht die Kosten der Bank. Daher gibt es ja die Möglichkeit, es unter die Häuslebauer, Autokäufer, Unternehmen etc. zu bringen. Nur leider herrscht hier unter den Banken Krieg. Viele haben eben so viel Geld. Jetzt muss der Vorstand dem Marktdruck folgen und die Konditionen auf Marktniveau senken, um das kurzfristige Geld der Passivseite loszuwerden. Problem: Bewertet der Markt die zukünftige Entwicklung der Zinsen falsch, so muss die Bank Verluste tragen. Ich weiss zwar nicht, ob der Markt dies nun falsch bewertet, jedoch kann auch ein Laie erkennen, dass es in Zukunft nicht viel niedriger geht mit dem Niveau. Ein schnell ansteigender Zins ist dann der Killer...

    Ich will keinen belehren, arbeite aber selbst in einer Bank und habe davon Ahnung. Zumindest hat das mein Professor gesagt ;-)

    Gruß regrebnetta

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%