Auslandsbankenchefs
„Der Bonuspool wird deutlich schrumpfen“

Die finanziellen Lasten für international aufgestellte Banken haben deutlich zugenommen, warnen die Chefs des Verbands der Auslandsbanken, Stefan Winter und Nikolaus Närger. Auch Personalkürzungen stünden ins Haus.
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Handelsblatt: Herr Winter, Herr Närger, wird es viele Entlassungen geben, weil das Bankgeschäft derzeit so schlecht läuft?

Stefan Winter: Auf dem jetzigen Niveau ist das Geschäft wenig profitabel und vieles steht auf dem Prüfstand. Viele Banken, ob national oder international tätig, warten erst einmal ab und schauen, ob es in den nächsten Quartalen besser wird. Derzeit ist das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen beispielsweise noch schwach, der Wertpapierhandel lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Und bei Börsengängen wird oft von einem besseren IPO-Jahr 2012 geredet. Derzeit ist es aber noch ruhig. Passiert wenig, müssen die Institute auch bei den Personalkosten, dem größten Kostenblock einer Bank, reagieren. Die fehlenden Einnahmen können auch niedrigere Boni nicht ausgleichen.

Ketzerisch gefragt, verdient Ihre Branche derzeit überhaupt noch Geld?

Nikolaus Närger: Natürlich, aber auf einem anderen Niveau. Vor der Krise und neuer Regulierung belief sich die Eigenkapitalrendite vielfach auf etwa 20 Prozent. Heute bleiben nach den verschärften Eigenkapital- und Liquiditätsregeln und einem Eigenkapitalzuschlag für die besonders großen Banken im Durchschnitt gerade einmal sieben Prozent übrig.

Also müssen Sie sich künftig auf einstellige Renditen einstellen bei der Eigenkapitalverzinsung.

Winter: In der Tendenz schon, auch wenn ich nicht ganz so pessimistisch bin.

Warum sind Sie optimistischer als Ihr Kollege?

Winter: Ich hoffe, dass sich die Situation aufhellt. Die deutsche Volkswirtschaft läuft nach wie vor rund; es ist durchaus Potenzial vorhanden, so dass die niedrigen Volumina im Investment-Banking und auch im Handel bald Vergangenheit sein werden und das Geschäft bei Börsengängen sowie Fusionen und Übernahmen erneut anspringen kann. Bei den Kosten wird ohnehin einiges getan. Das gilt nicht zuletzt für den Bonuspool. Der wird deutlich schrumpfen.

Närger: Die Banken stellen sich einer neuen Wirklichkeit. Einerseits steigen die Systemkosten, also etwa die Kosten für die Informationstechnologie. Andererseits bringen neue Anforderungen an das Eigenkapital und an das Liquiditäts- und Risikomanagement, das genauso höhere Kosten mit sich bringt wie die Pläne, dass Töchter in jedem Land bei den Anforderungen zunehmend eigenständig betrachtet werden. Liquidität wird also künftig aus regulatorischen Gründen nicht mehr unbedingt dort verfügbar sein, wo sie gerade benötigt wird. Alles in allem führt die neue Ausrichtung gerade bei den internationalen Konzernen zu Belastungen. Nur durch einen Personalabbau sind diese nicht aufzufangen.

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