„Außergewöhnliche Leistungen“: Commerzbank will Boni zahlen

„Außergewöhnliche Leistungen“
Commerzbank will Boni zahlen

Das Aufreger-Thema der Commerzbank geht in die nächste Runde: Die teilverstaatliche Bank will ihren Mitarbeitern Boni zahlen. Neuer Ärger mit dem Staat ist programmiert.
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FrankfurtDie Commerzbank will ihren Mitarbeitern für das Geschäftsjahr 2010 Boni zahlen. Mit Blick auf Erfolge bei der Integration der Dresdner Bank sowie "außergewöhnliche Leistungen" sei das Institut als Arbeitgeber verpflichtet, Mitarbeiter "leistungsbezogen und fair zu vergüten", sagte Vorstandsmitglied Ulrich Sieber der "Wirtschaftswoche". Der Gesamtwert der Boni liege im unteren dreistelligen Millionenbereich, berichtet das Blatt unter Berufung auf Insider. Die Zahlungen seien nach Angaben aus Regierungskreisen mit der Bundesregierung abgesprochen.

Die Commerzbank erhielt 18,2 Milliarden Euro Staatshilfe und gehört seither zu einem Viertel dem Bund. Das Jahresgehalt der Vorstände wurde - wie bei anderen staatlich gestützten Banken - auf 500 000 Euro begrenzt. Allerdings verdienen einzelne Mitarbeiter - vor allem aus dem Investment-Banking - dank Bonuszahlungen oft mehr.

Die neuerliche Ankündigung dürfte für neuen Streit zwischen der Commerzbank und der Politik führen. Schon im Herbst gab es reichlich Ärger: Als bekannt wurde, dass das Institut einzelnen Mitarbeitern Boni zahlte, die über die 500 000 Euro hinausgingen, auf die das Gehalt der Vorstände begrenzt ist, gab es Kritik von Seiten der Regierung.

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) verlangte damals sogar Eingriffsrechte der Politik in die Bezahlung von Managern unterhalb der Vorstandsebene - auch in Instituten, die nicht komplett verstaatlicht sind. Dem Handelsblatt sagte Kauder damals: "Wir wollen, dass alle Institute, die eine Eigenkapitalhilfe vom Staat bekommen haben, keinerlei Boni und Sonderprämien mehr zahlen."

Die Commerzbank wehrte sich umgehend gegen die Forderungen aus der Union. Der Vorstandsvorsitzende des Dax-Konzerns, Martin Blessing, machte in einem Schreiben an Kauder, das dem Handelsblatt vorliegt, deutlich: "Die schnelle Rückkehr der Commerzbank in die Gewinnzone zeigt, dass unsere Entscheidung, ausgewählten Mitarbeitern mehr als 500 000 Euro zu zahlen, richtig war."

Die mit der Dresdner-Bank-Integration beschäftigte Commerzbank zahlte ihren Mitarbeitern zwar für die Krisenjahre 2008 und 2009 keine Boni. Es gab jedoch Sonderzahlungen an einige Manager, die als besonders wichtig für das operative Geschäft angesehen wurden. 35 überwiegend im Ausland und im Kapitalmarktgeschäft tätige Mitarbeiter, erhielten demnach für das Jahr 2009 Sonderzahlungen und kassierten daher mehr als 500 000 Euro.

Blessing räumte in dem Brief an Kauder ein, es sei der Bevölkerung nur schwer zu vermitteln, warum einzelne Bankmitarbeiter besser bezahlt werden sollen als der Vorstand, für den eine Gehaltsdeckelung gelte. Als Vorstand müsse er aber Entscheidungen treffen, die dem Wohl der Bank dienten und im Interesse aller Aktionäre seien.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Es ist der Bevölkerung ebenso schwer zu vermitteln, dass in der Commerzbank zwar dreistellige Millionenbeträge für Boni übrig sind, aber kein Cent für die Zinsen auf die Einlage des Bundes.

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