Außerordentliche Hauptversammlung: Allianz: Aktionäre jubeln, Mitarbeiter klagen

Außerordentliche Hauptversammlung
Allianz: Aktionäre jubeln, Mitarbeiter klagen

Die Allianz hat ihre Aktionäre zur außerordentlichen Hauptversammlung nach Düsseldorf eingeladen, um ihre Zustimmung zum größten Umbau in der Konzerngeschichte einzuholen. Das scheint auch soweit gelungen. Doch Ärger kommt von anderer Seite.

HB DÜSSELDORF. Das Wetter passte zur Stimmungslage manch eines Mitarbeiters. Als die Allianz-Aktionäre am Mittwoch zu ihrer außerordentlichen Hauptversammlung in Düsseldorf zusammenkamen, war der Himmel wolkenverhangen und Schauer prasselten nieder. Europas größtes Versicherungsunternehmen wird tief greifend umgebaut und viele Arbeitnehmer fühlen sich im Regen stehen gelassen. Erstens soll die italienische Tochter RAS mit dem Münchener Mutterkonzern verschmolzen werden, zweitens soll aus der deutschen eine Aktiengesellschaft europäischen Rechts werden und drittens wird die Organisation in Deutschland neu geordnet.

Statt auf Demonstrationen setzte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi jedoch auf Information. Gewerkschafter machten den 3 600 Aktionären in Flugblättern ihre großen Sorgen deutlich. „Heute feiern Sie Richtfest des Neubaus für das Allianz-Versicherungsgeschäft in Europa“, hieß es darin. Statt mit dem Fundament werde mit dem Dach begonnen. „Und es ist noch nicht ansatzweise erkennbar, wie, wo und auf welchem Fundament die dazu gehörigen Wände errichtet werden sollen.“ Beschäftigungs- und Standortgarantien fehlten. „Dies hat zur Folge, dass die fast 40 000 betroffenen ArbeitnehmerInnen inzwischen völlig verunsichert und demotiviert sind“, schrieb Uwe Foullong vom Verdi-Bundesvorstand.

Konzernchef Michael Diekmann kündigte vor den Aktionären an, die Phase der Ungewissheit beim Umbau des Deutschlandgeschäftes so rasch wie möglich zu beenden. „Ich begegne den Sorgen unserer Mitarbeiter mit großem Respekt“, versicherte der Vorstandschef. Er verteidigte die Einschnitte: Parallele Strukturen im Vertrieb seien zu teuer und nicht kundengerecht. Im Vertriebsinnendienst fallen 700 Arbeitsplätze weg – fast jede dritte Stelle. In den Stabstellen und der Datenverarbeitung werden weitere Stellenstreichungen befürchtet.

Den Großteil der Aktionäre, die auf der Hauptversammlung redeten, kümmerten die Sorgen der Mitarbeiter jedoch nicht. Sie begrüßten die Neuaufstellung. Als wichtiger Baustein wird die Verkleinerung des Aufsichtsrates von 20 auf 12 Mitglieder gesehen. Statt eines Flachdaches werde nun mit spitzem Giebel gearbeitet, verdeutlichte ein Redner. Die Beibehaltung der paritätischen Aufsichtsratsbesetzung mit Vertretern der Arbeitnehmer- und der Kapitalseite sei hingegen eine „weise Entscheidung“ der Allianz, hieß es von anderer Seite.

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