„Ausufernde Regulierung“
Schweizer Bank macht nach Steuerstreit dicht

Die Schweizer Privatbank Frey nimmt ab sofort keine neue Kunden mehr auf. Die Bank sei finanziell gesund, heißt es. Doch die Kosten infolge des Steuerstreits erreichten ein Ausmaß, das für Frey nicht mehr tragbar ist.
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ZürichNach dem Bankhaus Wegelin kostet der US-Steuerstreit einer weiteren Schweizer Bank das Leben. Die Privatbank Frey & Co AG teilte mit, dass sie ihre Geschäftstätigkeit aufgibt. Das hätten die Aktionäre auf einer außerordentlichen Generalversammlung beschlossen. „Der Entscheid ist auf die zunehmend schwierigen Marktverhältnisse, die ausufernde Regierung und die kaum mehr zu tragenden Auflagen zurück zu führen, welche kleinere Privatbanken unter anderem infolge des Steuerstreits mit den USA zu erfüllen haben“, teilte die Bank mit.

Laut Geschäftsbericht verwaltete die Bank Ende vergangenen Jahres knapp zwei Milliarden Franken Kundenvermögen und hatte 27 Mitarbeiter.

Die Bank Frey gehört zu jenen 14 Instituten, die im Visier der US-Justiz stehen. Damit kann die Bank nicht an dem pauschalen Bußenprogramm teilnehmen, dass in diesem Sommer die Schweiz mit den USA ausgehandelt hatte. Die Bank betonte indes, dass sie „weder angeklagt, noch bedroht ist, angeklagt zu werden.“ Sie würde sich weiterhin kooperativ verhalten. Die Bank werde auch nicht liquidiert, sondern stelle lediglich den Geschäftsbetrieb ein – sprich, sie nimmt kein Neugeschäft mehr entgegen.

Das ist die zweite Schweizer Bank, die wegen des US-Steuerstreits aufgeben muss. Anfang 2012 hatte die US-Justiz die St Galler Privatbank Wegelin angeklagt wegen Verschwörung und Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Das einstmals älteste Bankhaus der Schweiz hatte sich daraufhin selbst aufgespalten und das Nicht-US-Geschäft in eine neue Bank namens Notenstein übertragen, die an die genossenschaftliche Raiffeisen-Gruppe verkauft wurde. Die Rest-Wegelin-Bank ist mittlerweile rechtskräftig verurteilt und existiert als aktive Bank nicht mehr.

Für die Bank Frey hatte der Ärger im April 2012 angefangen. Damals wurde in den USA der Leiter der Private-Banking-Einheit und ein Partner der Anwaltskanzlei Niederer Kraft & Frey. wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt. Die Kanzlei ist mit der Bank verflochten. Der angeklagte Ex-Partner der Kanzlei soll laut Medienberichten inzwischen ein umfassendes Geständnis abgelegt haben, was der US-Justiz möglicherweise neue Erkenntnisse gebracht haben könnte.

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Wer Bußgelder zahlt, kann juristischer Verfolgung entgehen

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