Ausverkauf bei der Citigroup: Citi löst sich auf – Aktie im freien Fall

Ausverkauf bei der Citigroup
Citi löst sich auf – Aktie im freien Fall

Die Aktie der Citigroup schloss am Mittwoch 23,2 Prozent tiefer. Hintergrund sind umfassende Umstrukturierungen der Bank. Die Ausgliederung der Vermögensverwaltung gilt nur als erster Schritt.

NEW YORK. Es war keine leichte Entscheidung für Citigroup-Vorstandschef Vikram Pandit, mit der Vermögensverwaltungssparte eines seiner Kronjuwelen auszugliedern. Doch ihm blieb angesichts neuer Verlusterwartungen und Kapitalsorgen keine andere Wahl. Dabei ist der nach Tagen der Spekulationen jetzt offiziell gemachte Schritt nur der Anfang. An diesem Freitag werden zusammen mit den Zahlen für das vierte Quartal Details erwartet zu einer Strategiewende Pandits. Danach soll der Finanzriese mit mehr als zwei Billionen US-Dollar Bilanzsumme schnellstmöglich um rund ein Drittel schrumpfen, um zu überleben.

US-Medien berichten übereinstimmend unter Berufung auf Citi-Kreise, dass Pandit sich vom Konsumentenfinanzierer Citifinancial, dem Versicherungsanbieter Primerica Financial und dem Kreditkartengeschäft trennen will. Die zu veräußernden Einheiten sollen zusammen mit notleidenden Assets in eine sogenannte „Bad Bank“ ausgegliedert werden, aus der heraus sie dann so schnell wie möglich verkauft werden sollen. Auch der verlustreiche Eigenhandel soll zurückgefahren werden. Die Citigroup wollte das nicht kommentieren.

Die neue Strategie ist eine Kehrtwende für die Citigroup. Über Jahre war sie unter Pandits Vorgänger Sanford Weill im Zuge mehrerer Übernahmen der Inbegriff eines weltumspannenden Allfinanzkonzerns. Citi bot vom InvestmentBanking bis zur Versicherung, dem Massenkundengeschäft und der Vermögensberatung alles an – rund um den Globus. Kritiker monieren seit Jahren, mit mehr als 300 000 Beschäftigten in über 100 Ländern habe sich der Konzern zu einem Ungetüm entwickelt, das nicht mehr effizient zu managen sei. „Drei Management-Teams haben es nicht geschafft, es zusammenzufügen“, sagte Citigroup-Aktionär und -kritiker William Smith von Smith Asset Management zu Bloomberg. In zwölf Monaten werde die Citigroup nicht mehr wiederzuerkennen sein.

Auch Pandit hatte nach seinem Amtsantritt im Dezember 2007 die fehlende Integration – etwa im Retailgeschäft – kritisiert. In seiner im Mai veröffentlichten Strategie wollte er sich jedoch nur schrittweise von Nicht-Kernbereichen trennen und an der grundsätzlichen Strategie festhalten. Doch nach 13 Monaten an der Spitze des Instituts wird er immer mehr zum Getriebenen. Sein Chairman Win Bischoff steht Medienberichten zufolge kurz vor der Ablösung, Ex-Finanzminister Robert Rubin hatte vergangene Woche als Topberater der Citi den Hut genommen.

Die vier Milliarden Dollar nach Steuern, die Pandit im Sommer mit dem Verkauf der deutschen Citibank erzielte, reichen angesichts anhaltender Verluste längst nicht mehr aus. Im Oktober und November stieg der US-Staat mit insgesamt 45 Mrd. Dollar an Kapitalhilfen bei der Citigroup ein, sicherte zudem mit Bürgschaften einen Teil der Assets ab. Damit wuchs der Druck auf Pandit, weitere Verluste zu verhindern. Dies erklärt, warum er sich trotz seiner Versicherung im Herbst, an der Vermögensverwaltung festzuhalten, nun doch für deren Ausgliederung in ein Joint Venture mit Morgan Stanley entschieden hat.

Citigroup erhält 2,7 Mrd. Dollar von Morgan Stanley und 49 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen mit Namen Morgan Stanley Smith Barney, das mit mehr als 20 000 Brokern der größte Vermögensverwalter der Welt wird. Insgesamt jedoch fließen dem Kernkapital der Citigroup durch Neubewertungen im Zuge der Transaktion 6,4 Mrd. Dollar zu. Nach drei Jahren kann Morgan Stanley seinen Anteil weiter erhöhen.

Am Aktienmarkt sorgten die Nachrichten für Skepsis. Die Aktie der Citigroup stürzte an Pandits 52. Geburtstag um 23,2 Prozent auf unter fünf Dollar ab. Analysten kritisieren, in den jetzigen schwierigen Finanzzeiten seien für die zu veräußernden Teile nur geringe Preise zu erzielen.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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