Auxmoney, Lendico und Funding Circle Fintechs fordern Banken bei Firmenkunden heraus

Junge Finanztechnologieunternehmen mischen die Bankenwelt auf. Fintechs sehen sich dabei selbst als Kooperationspartner der etablierten Institute. Eine Studie kommt jetzt allerdings zu einem völlig anderen Ergebnis.
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Nach Einschätzung der Kölner Unternehmensberatung SSC Management Consult stehen für die Banken jährlich 3,4 Milliarden Euro Bruttoerträge auf dem Spiel. Quelle: dpa
Fintechs nehmen Firmenkunden ins Visier

Nach Einschätzung der Kölner Unternehmensberatung SSC Management Consult stehen für die Banken jährlich 3,4 Milliarden Euro Bruttoerträge auf dem Spiel.

(Foto: dpa)

BerlinDer Wettbewerb unter Banken ist in Deutschland traditionell hart. Dafür sorgt das Miteinander von privaten Banken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Doch mit den jungen Finanztechnologieunternehmen, den Fintechs, sind Konkurrenten dazugekommen. Sie zeigen nicht nur im Privatkunden-, sondern auch im Firmenkundengeschäft Flagge.

Gegenwärtig haben in Deutschland 103 von insgesamt 544 Fintechs das Firmenkundengeschäft der Banken im Visier. In diesem sogenannten B2B-Bereich (Business to Business) kümmern sich zwei Drittel um Finanzierungen, rund ein Drittel um den Zahlungsverkehr. Das ist das Ergebnis einer am Mittwoch vorgelegten Studie, die Deloitte, CMS, ING-Diba und Finance-Research in Auftrag gegeben haben.

Investments, Namen und Kooperationen 2017
ING startet Fintech-Fonds
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Die niederländische Bank ING hat am 25. Oktober bekannt gegeben, dass sie den 300-Millionen-Euro schweren Fonds ING Ventures gestartet hat, um damit in Fintechs zu investieren. Mit Fintechs zu kooperieren und in sie zu investieren gehöre zum Kern ihrer Innovationsstrategie. Weltweit hat die Bank nach eigenen Angaben in den vergangenen drei Jahren bereits 115 strategische Partnerschaften und Investments getätigt.

Deutsche Bank startet Digi-Venture-Fonds
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Die Deutsche Bank beteiligt sich mit knapp 25 Prozent am Fintech Dwins. Es ist das erste Investment des neuen Digi-Venture-Fonds der Privatkundensparte. Der Fonds soll in strategisch interessante Finanztechnologie-Unternehmen investieren und ist aktuell mit einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag ausgestattet. Ab Dezember sollen Deutsche Bank-Kunden den von Dwins entwickelten Finanzplaner „Finanzguru“ exklusiv nutzen können...

N26 will in die USA expandieren
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Die Smartphone-Bank N26 will ab Mitte 2018 in den US-Markt eintreten und Kunden dort ein Girokonto mit Karte, Überweisungen, Barabhebungen sowie einem speziellen Kundenbindungsprogramm anbieten. Nach Angaben des Berliner Finanztechnologie-Start-ups können sich US-amerikanische Kunden ab sofort in eine Warteliste eintragen. „Die USA sind ein spannender Markt für N26, der uns große Möglichkeiten eröffnet“, sagte Gründer und Geschäftsführer Valentin Stalf, der die Pläne am 23. Oktober in Las Vegas vorstellte...

Bux sammelt 10,6 Millionen Euro ein
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Die niederländische Börsen-App Bux hat 10,6 Millionen Euro von einem Investorengremium um den deutschen Fonds Holtzbrinck Ventures eingesammelt. Bux widmet sich einem sehr deutschen Problem: der weit verbreiteten Angst vor Aktien. Gründer Nick Bortot (Foto) will vor allem jungen Leuten die Börse spielerisch näherbringen. Das Amsterdamer Start-up soll bereits 1,2 Millionen Nutzer haben, ein Drittel davon in Deutschland und Österreich...

JP Morgan übernimmt WePay
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JP Morgan hat den Zahlungsdienstleister WePay übernommen. Wie am 18. Oktober bekannt wird, will die größte US-Bank damit wohl rund vier Millionen kleine Unternehmen besser in den hauseigenen Zahlungsverkehr integrieren...

Compeon erhält zwölf Millionen Euro
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Der auf Firmenkunden spezialisierte Kreditvermittler Compeon sammelt zwölf Millionen Euro ein. Wie die Vermittlungsplattform für Unternehmensfinanzierungen am 12. Oktober meldet, stammt das Geld von seinen Altinvestoren. Angeführt wurde die zweite Finanzierungsrunde von Tengelmann Ventures. Beteiligt sind daneben auch btov Partners und Dieter von Holtzbrinck Ventures – letztere gehört zur Verlagsgruppe Handelsblatt. Compeon bezeichnet sich selbst als Marktführer unter den digitalen Plattformen für gewerbliche Finanzierungen und kooperiert mit mehr als 220 Banken, Fördermittelanbietern und Spezialfinanzierern. Gegründet wurde das Fintech von Nico Peters, Frank Wüller und Kai Böringschulte (Foto: von links). Die Plattform ging Mitte 2013 an den Markt.

Element bekommt Bafin-Lizenz
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Das von dem Berliner Company-Builder Finleap gegründete Start-up „Element“ hat für sein Versicherungsgeschäft eine Lizenz von der Finanzaufsichtsbehörde Bafin erhalten. Wie das Fintech am 11. Oktober meldet, gilt die Erlaubnis für Schaden- und Unfallversicherungen, was Sach-, Haftpflicht-, Unfall- und Rechtsschutzversicherungen sowie das Reisegeschäft einschließt. Als möglichen Partner nennt Element neben anderen Start-ups aus der Versicherungsbranche – sogenannten InsurTechs – auch etablierte Marken und Händler sowie klassische Versicherungen und Vermittler. Geschäftsführer Sascha Herwig (links im Bild, mit Wolff Graulich und Henning Groß) war zuletzt Bereichsleiter bei der Nürnberger Versicherung.

Die Studienverfasser haben sich dabei die Mühe gemacht, die Fintechs aus Sicht der Bank einzuordnen – als Freund, Herausforderer oder neutral. Das Ergebnis: Auf Basis der Geschäftsmodelle wurden lediglich 13 Fintechs als „Freunde“ eingestuft. Das ist insofern interessant, da das Selbstverständnis der meisten Fintechs ein anderes ist. Mehrheitlich setzen sie nämlich auf Kooperation mit den etablierten Instituten.

Die Firmenkunden-Fintechs hätten einen klaren Fokus auf kleine und mittelgroße Unternehmen, heißt es in der Studie. „Zwei Drittel der Anbieter haben nur diese Kundenzielgruppe im Visier.“ Ein weiteres Viertel würde auch Großkunden ansprechen, nicht einmal jedes zehnte würde sich auf Großunternehmen konzentrieren.

Als klassische Herausforderer gelten beispielsweise Kreditplattformen wie Auxmoney, Lendico oder Funding Circle. Hier werden Kredite an Mittelständler vermittelt. Verstärkt sind Fintechs auch im Factoring aktiv, also in der Vorfinanzierung von Rechnungen. Die digitale Bank N26, die bislang auf den Privatkunden fokussiert war, hat kürzlich ihr Angebot um ein Konto für Freelancer und Selbstständige erweitert. Mit dem B2B-Banking könne man sich das traditionelle Geschäftskonto sparen, so der Anspruch der Smartphone-Bank.

In der an diesem Mittwoch vorgelegten Studie wurden keine Berechnungen angestellt, mit welchen Einbußen die Banken im Firmenkundengeschäft durch die Fintech-Konkurrenz rechnen müssen. Aber nach Einschätzung der Kölner Unternehmensberatung SSC Management Consult stehen jährlich 3,4 Milliarden Euro Bruttoerträge auf dem Spiel. Ein Paradebeispiel dafür lieferte das Start-up 360 T, hinter dem sich eine Devisenplattform verbirgt. Fast alle Dax-Unternehmen wickeln ihre Währungsgeschäfte über die Plattform ab, die von der Deutschen Börse 2015 für 725 Millionen Euro übernommen wurde. Die Devisenplattform hat für mehr Transparenz gesorgt und damit die Margen der Banken gedrückt.
In der Studie wurden die Fintechs mit der Nähe zum Firmenkundengeschäft nicht nur gezählt, sondern auch geografisch verortet. Die Hauptstadt hat die Nase vorn: „Die Anzahl der ansässigen B2B-Fintechs ist in Berlin deutlich höher als in den beiden nächstplatzierten Städten München und Frankfurt“, heißt es.

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