Bad-Bank-Gründung
Großbank Dexia wird zerschlagen

Jetzt beginnt der radikale Umbau der schwer gebeutelten belgisch-französischen Bank Dexia. Sie ist ein großer Besitzer von griechischen Staatsanleihen. Am Umbau stricken die Regierungen mit.
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New York In den vergangenen Tagen mehrten sich Gerüchte um die belgisch-französische Finanzgruppe Dexia. Nun wird laut Medienbericht der Zerschlagungsplan umgesetzt.

Die Umstellung wird, laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ drastisch: Die Bank wird abgewickelt. Der Plan war von den französischen und belgischen Regierungen und dem Verwaltungsrat der Bank entworfen und er wird sogleich in die Tat umgesetzt.

Rund 180 Milliarden Euro werden laut Bericht in eine Abwicklungsanstalt sogenannte „Bad Bank“ abgeführt. Angesichts der Turbulenzen brachen die Aktien des Finanzinstituts am Dienstag zeitweise um knapp 40 Prozent ein.

In die „Bad Bank“ sollen die Altlasten des Geldhauses gelagert werden, berichtete die Nachrichtenagentur Belga am späten Dienstagabend unter Berufung auf Belgiens Premierminister Yves Leterme und Finanzminister Didier Reynders. Diese hatten laut Belga erklärt, dass Frankreich und Belgien der Schaffung einer solchen „Bad Bank“ zuvor zugestimmt haben. Paris und Brüssel seien bereit, die nötigen Garantien zu bieten. Konkret bestätigte das Geldhaus dies zunächst nicht.

Zur Höhe der belgischen Garantien habe Reynders nur gesagt, sie würde diesmal kleiner ausfallen als noch 2008, als Belgien 90 Milliarden Euro beigesteuert hatte. Dexia hat schon im Zuge der letzten Finanzkrise staatliche Hilfe bekommen.

Belgiens Regierung werde alles tun, damit kein Bankkunde sein Geld verliere, sagte Leterme. Ziel sei es, dass das Geschäft des Bankhauses in Belgien weitergeführt werden könne.

Wie genau die von der Finanz- und Schuldenkrise schwer gebeutelte Bank künftig aussehen könnte, ließ er allerdings offen. Dexia ist in Belgien, Luxemburg und Frankreich sowie über die Tochter Deniz-Bank in der Türkei aktiv. An der Bank sind auch der französische und der belgische Staat beteiligt.

Die Ratingagentur Moody's hatte zu Wochenbeginn mit einer Herabstufung der drei wichtigsten operativen Einheiten von Dexia gedroht. Sie hatte zudem Zweifel an der Fähigkeit des Instituts geäußert, sich frisches Geld zu besorgen.

Dexia ist einer der größten ausländischen Besitzer von Staatsanleihen des hoch verschuldeten Griechenlands und außerdem umfangreich in den finanziell bedrängten Staaten Spanien, Portugal, Irland und Italien investiert – insgesamt mit 21 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal hatte die Bank einen Rekordnettoverlust von 4,03 Milliarden Euro verbucht.

Annika Reinert
Vivien Marx
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bad-Bank-Gründung: Großbank Dexia wird zerschlagen"

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  • Dieses Gezerre um den Rettungsschirm ist ein Affentheater, damit die letzte Großbank Zeit genug hat, aus griechischen Anleihen auszusteigen und das Risiko der EZB (den Steuerzahlern)zu übertragen. Die Hörigkeit Merkels auf Ackermann hats möglich gemacht! Die Blindheit und Abhängigkeit der Politik ist eine einzige Katastrophe

  • Das ist also wohl der Standardfall, den man studieren sollte, wenn wieder ein unkundiger Politiker von "Rettung des EURO" parliert: eine französische (und in diesem Spezialfall zusätzlich belgische) Bank mit Staatseinfluß, die so schlau war, über 20 Mrd. EURO in faulen Papieren maroder PIGS-Staaten anzulegen. Was uns der Artikel nicht sagt, ist, wie hoch der Betrag vorher war, bevor die französisch geführte EZB damit begann, solche Schrottanleihen aufzukaufen. Wer braucht hier "Rettung"? Allem Anschein nach vor allem der Vorstand!

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