Baden-Württembergs Sparkassenpräsident Sparkassen könnten „100.000 Leute vor die EZB“ schicken

Die Sparkassen im Südwesten wehren sich gegen eine baldige Einführung der europäischen Einlagensicherung. Und spielen mit dem Gedanken an eine Großdemonstration.
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„Da braucht man halt mal 100.000 Leute vor der EZB in Frankfurt.“ Quelle: dpa
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„Da braucht man halt mal 100.000 Leute vor der EZB in Frankfurt.“

(Foto: dpa)

StuttgartDer baden-württembergische Sparkassenpräsident Peter Schneider hat politischen Klartext zur europäischen Einlagensicherung geredet. Lange schon hatte diese existenzielle Frage für die deutschen Sparkassen in ihm gebrodelt. Jetzt folgte die Eruption. „Die zurückgelegten Mittel für die Absicherung der Sparer in Baden-Württemberg dürfen nicht als Haftungsmasse für Banken in anderen Ländern zweckentfremdet werden“, sagte der ehemalige Landrat aus Biberach mit dem Verve eines Politikers. Falls die europäische Einlagensicherung überstürzt eingeführt werden solle, würden die Sparkassen ihre Kunden informieren und mobilisieren. „.Da braucht man halt mal 100 000 Leute vor der EZB in Frankfurt. Und das schaffen wir“, geht Schneider auf die Barrikaden.

Der neue Eurogruppen-Chef Mario Centeno hatte vor kurzem beim Aufbau einer europäischen Einlagensicherung zur Eile gedrängt. Für die deutschen Sparkassen mit ihrem soliden und sicheren Geschäftsmodell eine Kampfansage. „Ohne Bewertung der Risiken der unterschiedlichen Bankensysteme ist das mit uns nicht zu machen“, sagte Schneider. Der Sparkassenchef aus dem Südwesten fürchtet, dass seine Sparkassen für weniger solide Banken im Ausland gradestehen müssen. Notfalls will er alle politischen und öffentlichkeitswirksamen Mittel ausschöpfen.

Schneider fürchtet, dass das Anliegen der öffentlich rechtlichen Institute bei der nächsten Offensive zur Wiederbelebung der EU durch den französischen Präsidenten Macron und Angela Merkel auf dem Altar der großen Politik geopfert werden könnte. So ganz unberechtigt ist diese Befürchtung nicht. Aber ist die Idee mit der Groß-Demo auch zu Ende gedacht. Banker, die wie Gewerkschafter auf die Straße gehen, dürfte gewisse Akzeptanzprobleme haben.

Und eigentlich müsste die Demo nicht in Frankfurt, sondern in Brüssel bei der Kommission stattfinden. Wachrütteln ist sicher angebracht. Die Rolle als Volkstribun und Verteidiger der deutschen Spargroschen beherrscht der ehemalige Landtagsabgeordnete schon. So gesehen, gut gebrüllt Löwe. Aber das mit der Demo sollte er vielleicht doch noch einmal überlegen.

Denn die Bundeskanzlerin hat ja schon mal angedeutet, wie sie die Luft aus dem heiklen Thema lassen will. Erst müssten die Bankenrisiken auf nationaler Ebene reduziert werden, bevor sie darüber mit Brüssel sprechen will. Und das kann bekanntlich noch dauern. Eigentlich muss Schneider nur abwarten, ob die neue Kanzlerin nicht hält, was die alte versprochen hat. Europa hin oder her.

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