Bafin Aufsichtsbehörde fürchtet keine neue Finanzkrise

Der oberste deutsche Bankenaufseher, Felix Hufeld, äußert sich kritisch zum Kursverfall von Bankaktien. Der Verfall spiegele nicht die fundamentalen Fakten wieder. Die Kurse der Geldhäuser behält er dennoch genau im Blick.
„Es gibt Marktteilnehmer, die ganz gezielt auf den Kursverfall wetten.“ Quelle: dpa
Bafin-Chef Felix Hufeld

„Es gibt Marktteilnehmer, die ganz gezielt auf den Kursverfall wetten.“

(Foto: dpa)

Frankfurt am MainDie Finanzaufsicht BaFin sieht in den jüngsten Börsenturbulenzen keinen Vorboten einer neuen Finanzkrise. „Die derzeitigen Ausschläge an den Aktienmärkten spiegeln nicht die fundamentalen Fakten wider, so wie wir sie in den Bilanzen sehen“, sagte BaFin-Präsident Felix Hufeld der „Süddeutschen Zeitung“. „Wir glauben nicht an eine krisenhafte Zuspitzung, die mit 2008 vergleichbar wäre.“ Die Geldhäuser hätten heute dickere Kapital- und Liquiditätspuffer.

Dass die Kurse von Bankaktien und Anleihen zuletzt eingebrochen sind, kann für die Institute aus Sicht von Hufeld nur unter bestimmten Bedingungen zu einem Problem werden – etwa wenn eine Bank in großem Umfang frisches Kapital aufnehmen muss oder wenn sich ihr Rating deutlich verschlechtert. „Ganz entscheidend ist die Frage, ob sich im operativen Geschäft etwas verschlechtert. Wir beobachten zum Beispiel ganz genau, ob die Investoren einem Institut Liquidität entziehen.“

Bankaktien sind seit Jahresbeginn besonders stark unter die Räder gekommen. Das hat nach Einschätzung des BaFin-Präsidenten verschiedene Gründe. „Da gibt es zum einen Marktteilnehmer, die ganz gezielt auf den Kursverfall wetten. Und dann gibt es welche, die generell besorgt sind wegen bestimmter makroökonomischer Indikatoren.“

Die Einäugigen unter den Blinden

NATIXIS S.A. ACTIONS PORT. EO 11,20

WKN
ISIN
FR0000120685
Börse
L&S

+0,17 +2,52%
+7,09€
Chart von NATIXIS S.A. ACTIONS PORT. EO 11,20
Natixis
1 von 9

An den Börsen rumpelt es für die Banken derzeit gewaltig. Nicht nur griechische oder spanische Bankenaktien taumeln. Auch für deutsche Finanzinstitute geht es nach unten. Die Deutsche Bank-Aktie verlor seit dem 1. Januar 40 Prozent. Die kleinere Konkurrentin Commerzbank büßte rund 33 Prozent ein. Da ist die französische Natixis eine der wenigen Banken, die Anleger erfreuen – mit vergleichsweise moderaten Verlusten.

Kursveränderung seit 1. Januar 2016: -17,9 Prozent.

SKANDINAVISKA ENSKILDA BANKEN NAMN-AKTIER A (FRIA) SK 10

WKN
ISIN
SE0000148884
Börse
L&S

-0,03 -0,38%
+8,24€
Chart von SKANDINAVISKA ENSKILDA BANKEN NAMN-AKTIER A (FRIA) SK 10
Skandinaviska Enskilda Banken (SEB)
2 von 9

Die schwedische SEB will die Anleger beruhigen: „Zurzeit nehmen wir Chinas Entwicklung zu einer flexibleren Wechselkurspolitik noch nicht als Zeichen einer Teilnahme im weltweiten Währungskrieg wahr“, meldet die Bank. Für die Aktie geht es dennoch nach unten.

Kursveränderung seit 1. Januar 2016: -16,3 Prozent.

DNB ASA NAVNE-AKSJER A NK 10

WKN
ISIN
NO0010031479
Börse
L&S

-0,17 -1,05%
+16,12€
Chart von DNB ASA NAVNE-AKSJER A NK 10
DNB ASA
3 von 9

Auch die norwegische DNB ASA sendet beruhigende Signale aus: Ottar Ertzeid, Mitglied der DNB Lenkungsgruppe, hat 5.000 Firmenaktien gekauft. Jetzt gehören ihm 210.000 Aktien der größten Finanzgruppe Norwegens. Um das Papier ins Plus zu holen, ist der gute Wille aber wohl nicht genug.

Kursveränderung seit 1. Januar 2016: -16,1 Prozent.

Svenska Handelsbank

WKN
ISIN
Börse

Chart von Svenska Handelsbank
Svenska Handelsbank
4 von 9

Noch eine skandinavische Bank, die derzeit mit fallenden Kursen zu kämpfen hat. Verglichen aber mit Banken europäischen Kollegen wie Credit Suisse (-43,7 Prozent) oder Unicredit (-45,2 Prozent), sieht es für die Svenska Handelsbank noch vergleichsweise gut aus.

Kursveränderung seit 1. Januar 2016: -15,7 Prozent.

BANCO DE SABADELL S.A. ACCIONES NOM. SERIE A EO -,125

WKN
ISIN
ES0113860A34
Börse
L&S

-0,01 -0,36%
+1,60€
Chart von BANCO DE SABADELL S.A. ACCIONES NOM. SERIE A EO -,125
Banco Sabadell
5 von 9

Sabadell baut sein Digitalgeschäft aus, meldeten die spanischen Tageszeitungen. Doch die Kunden bleiben skeptisch. Die Aktie verliert.

Kursveränderung seit 1. Januar 2016: -14,6 Prozent.

Bankinter

WKN
ISIN
Börse

Chart von Bankinter
Bankinter
6 von 9

Die spanische Bankinter konnte ihren Nettogewinn 2015 um satte 36 Prozent steigern und übertraf damit die Vorhersagen der Analysten. Doch in diesem Jahr bleiben die Anleger auch hier skeptisch.

Kursveränderung seit 1. Januar 2016: -11,7 Prozent.

JYSKE BANK A/S NAVNE-AKTIER DK 10

WKN
ISIN
DK0010307958
Börse
L&S

+0,07 +0,14%
+48,31€
Chart von JYSKE BANK A/S NAVNE-AKTIER DK 10
Jyske Bank
7 von 9

Trotz teilweise negativen Leitzinsen in ihren Heimatmärkten hat das Ansehen der skandinavischen Banken bei den Anlegern nicht so stark gelitten wie bei ihren deutschen, griechischen und italienischen Gegenspielern. Ein Beispiel ist die dänische Jyske Bank. Mit einem Verlust von 10,9 Prozent seit dem 1. Januar zählt sie noch zu den Gewinnern unter den Banken-Aktien.

Kursveränderung seit 1. Januar 2016: -10,9 Prozent.

Am Markt gab es zuletzt zudem Sorgen, dass kriselnde Banken neuartige Bonds, sogenannte Coco-Anleihen, nicht bedienen könnten. Die Deutschen Bank, die 2015 einen Rekordverlust von fast sieben Milliarden Euro verbuchte, versicherte daraufhin, sie habe genug Geld, um die Zinsen auf die Bonds zu zahlen. Derartige Anleihen sind zunächst Fremdkapital, werden aber automatisch in Eigenkapital umgewandelt, wenn der Kapitalpuffer der Bank unter eine bestimmte Schwelle sinkt. Dann erhalten die Investoren entweder Aktien oder die Papiere werden vorübergehend abgeschrieben, womit die Käufer der Zwangswandelanleihen die Verluste tragen. Die Kapitaldecke der Banken wird auf diese Weise gestärkt.

„Coco-Anleihen sind Risikopapiere“, betonte Hufeld. Sicherheitsbewusste Investoren wie kleine und mittelgroße Lebensversicherungen sollten solche Bonds deshalb nicht erwerben. „Den großen Teil der Papiere haben Fonds gekauft, die landläufig oft dem Schattenbankensektor zugeordnet werden. Da sieht man mal, wie kompliziert Regulierung ist. Die bösen, spekulativen Schattenbanken sind auf einmal willkommene Investoren, weil sie der Sicherheit des Bankensektors dienen.“

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