Bafin
Deutsche Bank im Zinsskandal erneut im Visier

Die Finanzaufsicht Bafin scheint der internen Untersuchung der Deutschen Bank zu misstrauen. Offenbar soll eine neue, intensivere Prüfung Klarheit bringen, welche Rolle das Institut im Libor-Skandal spielt.
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FrankfurtDie Führung der Deutschen Bank kann im Skandal um Zinsmanipulationen noch lange nicht aufatmen. Die Finanzaufsicht Bafin wird die Prüfung beim größten deutschen Geldhauses noch einmal intensivieren, wie es am Donnerstag aus Regierungskreisen hieß. Es gebe Zweifel an der internen Untersuchung des Instituts, die unter anderem Co-Chef Anshu Jain und den restlichen Vorstand entlastet hat.

Worauf sich die Zweifel beziehen, blieb zunächst offen. Aus dem Zwischenbericht der Bafin, der dem Finanzministerium nun vorliegt, könnten keine personellen oder organisatorischen Konsequenzen gezogen werden. "Es gibt noch keine Entscheidungen, es wird weiter ermittelt", sagte eine der mit der Prüfung vertrauten Personen. Anzeichen für "böse Überraschungen" gebe es aber auch nicht.

Die Bafin hat vor einem Jahr eine Sonderprüfung bei der Deutschen Bank eingeleitet. Sie untersucht, wer wann und wieviel von den mutmaßlichen Manipulationen wichtiger Referenzzinssätze wusste und ob es organisatorische Mängel gab. Aus Finanzkreisen hatte Reuters Ende März erfahren, dass die Aufsicht auf Fehlverhalten einzelner Händler und Kontrolldefizite hinweisen werde.

Eine rote Karte müsse das Top-Management dagegen nicht fürchten. Nun sagte ein Insider, dass es bis zu einem abschließenden Urteil noch dauere. "Für Schlussfolgerungen ist es noch zu früh." Die Bafin und die Deutsche Bank lehnten eine Stellungnahme ab. Die Aktien des Geldhauses drehten um mehr als zwei Prozent ins Minus.

Infografik

Das Libor -System

Wie die Händler den Zinsensatz manipuliert haben sollen
( mit der Maus über die Grafik fahren)

Libor-System
Externe Broker-Firmen

Auch externe Broker Firmen lieferten dem Banken-Panel Informationen.
Laut UBS hat Hayes auch mit Mitarbeitern dieser Firmen zusammen gearbeitet.

Thomas Hayes

  • 2006-2009 bei der UBS
  • 2009-2010 bei der Citigroup

Banken

Die UBS hat den Regulierungsbehörden mitgeteilt, dass Hayes eng mit Händlern mehrerer Banken zusammengearbeitet hat, um den Libor zu beeinflussen.

Dollar-Libor-Panel

Der Dollar-Libor wird von einem Panel von 16 Banken ermittelt. Händler von 6 dieser Banken sollen bei den Libor-Manipulationen mitgewirkt haben.


Weltweit wird in dem Manipulationsskandal gegen mehr als ein Dutzend Banken ermittelt. Die Schweizer UBS, Barclays und die Royal Bank of Scotland mussten bereits Strafen von zusammen mehr als 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Händler der Institute sollen über Jahre hinweg Referenzzinssätze wie den Libor oder den Euribor manipuliert haben, um Handelsgewinne einzustreichen. Die Sätze werden täglich auf Basis der Angaben der Banken zu ihren Refinanzierungskosten ermittelt. Für die Meldungen waren bei den Banken einige wenige Personen zuständig.

Allein für die Deutsche Bank rechnen Experten mit Strafen von weniger als 500 Millionen Euro. Rückstellungen in unbekannter Höhe hat sie dafür bereits gebildet. Die Erkenntnisse der BaFin dürften auch für die Ermittler in Großbritannien und den USA wichtig sein. Sie können am Ende anders als die deutsche Aufsicht Geldstrafen verhängen.

In der Affäre steht Co-Chef Jain unter besonderem Druck, da er jahrelang die Investmentbanksparte geleitet hat - in dem Bereich ist es zu den Manipulationen gekommen. Bei Barclays musste der frühere Investmentbank-Chef Bob Diamond seinen Hut nehmen.

Deutsche-Aufsichtsratschef Paul Achleitner hat sich wiederholt hinter seinen CEO Jain gestellt. Es gebe keine Erkenntnisse über eine Verwicklung aktueller und früherer Vorstände in die Affäre, bekräftigte er erst vor kurzem.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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