BaFin-Kontrolle Aufsicht nimmt Zinszocker ins Visier

Die Finanzkontrolleure der BaFin verlangen von Banken, die zu hohe Zinsrisiken eingehen, einen Kapitalzuschlag. Denn wenn Banken diese Geschäfte übertreiben, kann es gefährlich werden. Die Gespräche mit einigen Instituten laufen.
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Frankfurter Skyline: Die BaFin will neuen Risiken vorbeugen. Quelle: dpa

Frankfurter Skyline: Die BaFin will neuen Risiken vorbeugen.

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MAINZ. Die Finanzaufsicht BaFin will die Zinsrisiken in den Bilanzen deutscher Banken stärker bekämpfen. Von Instituten, die zu riskant agieren, wollen die Aufseher einen Kapitalaufschlag verlangen, sagte der Leiter der BaFin-Grundsatzabteilung, Peter Lutz, auf der Handelsblatt-Tagung „Neue Entwicklungen in der Bankenaufsicht“. Von dem Vorhaben der Aufsichtsbehörden sei nach aktuellem Stand eine „niedrige zweistellige Zahl“ von Banken betroffen.

Im Visier der Bafin steht eine typische Geschäftspraxis von Banken, die Fristentransformation genannt wird: Dabei leihen sich die Banken kurzfristig Geld und verleihen dieses langfristig. Das ist derzeit sehr lukrativ, weil die Zinssätze für langfristiges Geld weit über denen für kurzfristiges liegen. Doch dieses für die Banken günstige Zinsumfeld kann sich auch wieder ändern. Sind die Institute dann zu kurzfristig verschuldet, können sie bei ihrer Refinanzierung in Schwierigkeiten geraten.

Auch die Bundesbank warnt vor einer zu großen Abhängigkeit

„Einige Banken nutzen das aktuelle Zinsumfeld und reiten sehr stark auf der Zinskurve“, sagte Lutz. Namen nannte er nicht, doch gemeint sein dürften damit vor allem Sparkassen und Volksbanken. Die Bundesbank hatte bereits im September in ihrem Monatsbericht darauf hingewiesen, dass im vergangenen Jahr ein großer Teil der Gewinne der Regionalinstitute aus dieser Fristentransformation stammt. Bei den Genossenschaftsbanken macht dies nach Angaben des Bundesverbands deutscher Volks- und Raiffeisenbanken derzeit mehr als die Hälfte der Erträge aus.

In Maßen ist dieses Geschäft in Zeiten niedriger Zinsen zwar normal, gefährlich wird es aber, wenn Banken übertreiben. „Wir sehen uns in der Pflicht gegenzusteuern“, sagte Lutz. Von den Instituten, die es mit ihren Zinsrisiken übertreiben, will die BaFin nun einen Kapitalzuschlag verlangen.

Die Höhe ist bei jedem Institut unterschiedlich. Basis für den Zuschlag ist die Lücke die ein „Zins-Schock“ in die Kapitalbasis der einzelnen Institute reißt.

Dabei hilft es den Behörden, dass die Banken ihre Zinsrisiken regelmäßig in Stresstests prüfen müssen. Kommt dabei heraus, dass ein „Zins-Schock“ mehr als 20 Prozent ihrer Kapitalbasis vernichten würde, müssen sie schon jetzt sogenannte Ausreißermeldungen an die BaFin schicken. Bei diesen Banken werden die Aufseher nun genau hinsehen, ob die Institute einen solchen Schock verkraften können. Bei einigen Banken ist dies eben nicht der Fall. Derzeit ist die Behörde mit einigen betroffenen Instituten im Gespräch.

Zinsänderungsrisiken treiben die Aufseher weltweit um. Auch US-Aufseher hatten die Branche wiederholt gemahnt, sich besser dagegen zu rüsten. Die deutschen Behörden haben erst seit kurzem die nötigen Werkzeuge, um gegen Zins-Hasardeure wirksam vorzugehen. „Seit dem Sommer gibt es entsprechende Regelungen im Kreditwesengesetz“, sagte Lutz. „Jetzt sind wir mit den internen Richtlinien soweit.“

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