Bafin zum Libor-Skandal
Der große Deutsche-Bank-Mängelreport

Von wegen Kulturwandel. Ein Brief der Aufsicht Bafin listet minutiös die Verfehlungen einzelner Top-Manager der Deutschen Bank auf. Der Vorwurf: Gewinnen zuliebe habe man Zinsmanipulationen billigend in Kauf genommen.
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New YorkAlles sollte besser werden nach der großen Finanzkrise. „Kulturwandel“ war das Schlagwort der Banken. Nicht mehr der Gewinn allein sollte zählen, sondern auch das Risiko – und die Art und Weise, wie der Gewinn erwirtschaftet wurde. Aber ein 37-seitiger Brief der Deutschen Finanzaufsicht (Bafin) an die Deutsche Bank, der jetzt ist in allen Details veröffentlicht wurde, stellt dem Geldhaus ein vernichtendes Urteil aus.

In den Jahren vor der Krise 2008, so heißt es darin, hat die Bank durch eine Umorganisation die Weichen für die Manipulation der Interbanken-Zinssätze gestellt. Nachdem bereits öffentlich darüber berichtet wurde, hat sie nicht reagiert. Und als die Aufsichtsbehörden sich einschalteten, hat sie unvollständig oder falsch informiert, heißt es in dem Schreiben vom 11. Mai 2015, das das „Wall Street Journal“ online veröffentlicht hat.

Die Bank hat inzwischen auf den Bericht geantwortet und einige der Vorwürfe zurückgewiesen. „Wir haben einen hohen Preis gezahlt und bedauern zutiefst das Fehlverhalten“, heißt es in einer Stellungnahme. Allerdings drohen weitere aufsichtsrechtliche Konsequenzen.

In dem Schreiben greift die zuständige Abteilungsleiterin der Bafin, Frauke Menke, neben dem damaligen Bankchef Anshu Jain auch weitere Führungskräfte an, etwa den damaligen Finanzvorstand Stefan Krause, den damaligen Rechtsvorstand Stephan Leithner, den amtierenden Risikovorstand Stuart Lewis und den Chefjustitiar Richard Walker. Krause und Leithner sitzen auch heute noch im Vorstand des Geldhauses, allerdings mit anderen Zuständigkeiten.

Auch der frühere Bankchef Josef Ackermann wird dafür kritisiert, Hinweise auf Fehlverhalten nicht beachtet zu haben, ebenso der ehemalige Risikovorstand Hugo Bänziger. Ackermann und Bänziger wurden oft dafür gepriesen, die Bank sicher durch die Finanzkrise gebracht zu haben.

Das Schreiben der Bafin zeichnet minutiös nach, wann welche Verdachtsmomente aufgetaucht sind und welche Reaktionen es gab – oder auch nicht gab. Zwei Punkte tauchen dabei immer wieder auf. Erstens: Anshu Jain, der vor kurzem als Bankchef gehen musste, war organisatorisch und auch von seinen persönlichen Beziehungen sehr nah dran an den Vorgängen. Und zweitens: So lange die Kasse stimmte, hatte niemand ein Interesse genauer zu klären, wie die Erträge zustande kamen. „Der Fokus lag klar auf den Gewinnen und nicht darauf, dass die Angestellten sich an geltende Regeln hielten“, heißt es.

Jain war demnach für eine neue Organisation der Handelsabteilung zuständig, bei der ganz offensichtlich das Geschäft am Interbanken-Markt und die Bereitstellung der Informationen für den offiziellen Zinssatz, den Libor, miteinander vermengt wurden.

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Hohe Boni für Manipulationen

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  • Die Vermutung hat sich bestätigt!

  • Hier der Versuch, den Kommentar "Fleming" aus der Anzeige zu löschen.

    Das soll jedoch kein Widerspruch zum Kommentar, sondern lediglich den Nachweis erbringen, dass es keinen Sinn mehr macht, eine Meinung in dieses Forum einzubringen.

    Meine Vermutung: Es werden nur 3 Kommentare angezeigt, der Rest fliegt aus der Anzeige. Gelöscht sind diese jedoch nicht. Sie stehen BND und NSA weiterhin zur Auswertung bereit.

  • @ Fleming

    Das Phänomen ist oft festzustellen. Offensichtlich mangelt es dem HANDELSBLATT an Journalisten und es "probiert" die Headline aus. Es kann aber auch sein, dass man die Headline so oft verändert, bis der Artikel letztlich nicht mehr wahrgenommen wird.

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