Banca Popolare di Vicenza Wie Italien eine Bankenrettung vergeigte

Die Börse in Mailand verhindert die Quotierung der Banca Popolare di Vicenza. Begründung: zu wenige Interessenten. Damit ist der neue Bankenrettungsfonds „Atlante“ gleich am ersten Auftrag gescheitert.
Die Papiere der italienischen Krisenbank werden nicht gehandelt. Quelle: Reuters
Kein Interesse an der Banca Populare

Die Papiere der italienischen Krisenbank werden nicht gehandelt.

(Foto: Reuters)

RomInvestoren hätten sich nicht gerade darum gerissen, an der Kapitalerhöhung teilzunehmen, ätzten italienische Zeitungen schon am Wochenende über den geplanten Börsengang der italienischen Großbank Banca Popolare di Vicenza. Am Montagnachmittag kam schließlich das Verdikt der Mailänder Börse: Die Quotierung der Bank falle aus, da „die Voraussetzungen nicht gegeben sind, um ein reguläres Funktionieren des Marktes zu gewährleisten“. Damit hat die Sanierung des Bankensektors in Italien einen weiteren Schlag erlitten. Die Aktien der Geldhäuser rutschten schon am Nachmittag in Mailand in den Keller.

Am Mittwoch der laufenden Woche sollten die Papiere von Banca Popolare di Vicenza zum ersten Mal nach der Kapitalerhöhung von 1,75 Milliarden Euro an der Mailänder Börse gehandelt werden. Das wird wohl wegen der schwachen Nachfrage nicht funktionieren. Nur für rund sieben Prozent des Gesamtwerts hatten Investoren bis zum Wochenbeginn gezeichnet, davon fünf Prozent institutionelle Investoren und der Rest private. Deshalb musste der neue Rettungsfonds „Atlante“ einspringen, der nach erheblichem Druck der Regierung vor zwei Wochen von Banken und Versicherungen gegründet und mit vielen Vorschusslorbeeren versehen worden war.

Der neue Fonds, der explizit den Banken bei Kapitalerhöhungen und beim Abbau der faulen Kredite helfen soll – ohne Staatsgeld – , muss nun für 91,72 Prozent der Kapitalerhöhung von Banca Popolare di Vicenza garantieren. Als Bedingung für einen Börsengang hatte „Atlante“ festgelegt, dass mindestens ein Viertel des Aktienkapitals an der Mailänder Börse gehandelt werden müsse. Und „Atlante“ wollte verhindern, ein Pflichtangebot für die restlichen Anteile abgeben zu müssen. Nun, da die Bank an diesen Bedingungen gescheitert ist, muss ihre Rettung auch ohne einen Börsengang gehen.

Auch intern dürfte der gescheiterte Gang aufs Parkett eine große Enttäuschung sein. Denn Chef der Banca Popolare di Vicenza, Francesco Iorio, arbeitet seit Monaten an der Umwandlung des Geldinstituts in eine Aktiengesellschaft und am Börsengang. Die italienische Regierung hatte vor einem Jahr per Gesetzesdekret verfügt, dass alle Volksbanken bis Jahresende in Aktiengesellschaften umgewandelt werden müssen. Nach der missglückten Premiere wird es jetzt schwieriger für Premier Matteo Renzi, die Reformen voranzutreiben.

Diese Banken sind groß – und daher gefährlich
Klasse 1
1 von 12

Der Finanzstabilitätsrat teilt die Banken in fünf Klassen ein. In der ersten Klasse befinden sich laut der vorgesellten Liste 18 Banken, die nicht als besonders systemrelevant gelten – eine mehr als im Vorjahr. Sie müssen nur ein Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Unter diesen nicht besonders gefährlichen Banken befinden sich Geldhäuser wie die Schweizer Großbank UBS, die Société Générale, die Santander, Credit Agricole, die Royal Bank of Scotland und die Bank of China. Neu hinzugekommen in diese Gruppe ist die US-Bank Morgan Stanley, die im Vorjahr noch einen höheren Kapitalpuffer vorhalten musste.

Klasse 2 – Morgan Stanley
2 von 12

Die amerikanische Großbank Morgan Stanley landet auf Platz 11. Sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Seit der weltweiten Finanzkrise konzentriert sich Morgan Stanley stärker auf die Vermögensverwaltung. Damit soll das Geschäft weniger schwankungsanfällig werden.

Klasse 2 – Mitsubishi UFJ FG (MUFG)
3 von 12

Die Mitsubishi UFJ FG (MUFG) muss ebenfalls 1,5 Prozent Kapital als Zuschlag vorhalten. Zu der japanischen Holdinggesellschaft gehört die Bank of Tokyo-Mitsubshi UFJ. Die Bankengruppe gehört im japanischen Leitindex Nikkei neben Toyota, Toshiba und Sony zu den Schwergewichten. Japanische Banken wie die MUFG profitieren derzeit von der extrem expansiven Geldpolitik der japanischen Notenbank. Sie erzielen bessere Ergebnisse als ihre schwächelnden Konkurrenten in Europa.

Klasse 2 – Goldman Sachs
4 von 12

Auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird als „systemisch“ eingestuft, sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Im Sommer litt die Bank unter der Flaute an den Märkten. Ein florierendes Beratungsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen (M&A) konnte das dritte Quartal nicht retten: Der Nettogewinn brach um mehr als ein Drittel ein.

Klasse 2 – Credit Suisse
5 von 12

Die zweitgrößte Schweizer Großbank Credit Suisse gilt als gefährlicher als ihr Konkurrent UBS. Der neue Chef der Bank, Tidjane Thiam, baut das angeschlagene Institut derzeit kräftig um. Er kündigte eine Kapitalerhöhung, einen Sparplan und einen Vorstandsumbau an. Aufschlag: 1,5 Prozent.

Klasse 2 – Bank of America
6 von 12

Das größte Kreditinstitut der USA, die Bank of America, landet auf Platz 7 (Aufschlag: 1,5 Prozent). Die Bank hat die Finanzkrise überstanden und schreibt inzwischen wieder schwarze Zahlen.

Klasse 3 – Deutsche Bank
7 von 12

Die Deutsche Bank ist das einzige deutsche Geldhaus, das vom Finanzstabilitätsrat als systemrelevant eingestuft wird. Sie muss zwei Prozent Kapital vorhalten. Der britische Neu-Chef John Cryan greift momentan durch und zeigt mit einem umfangreichen Stellenabbau und dem Streichen der Dividende Härte.

Der „Fonds“ Atlante, vom Internationalen Währungsfonds über die EU-Kommission bis zur Europäischen Zentralbank als „erster Schritt“ zur Konsolidierung des Bankensektors begrüßt, ist bislang mit 4,8 Milliarden Euro ausgestattet. Jetzt muss er den Löwenanteil der 1,5 Milliarden für die oberitalienische Bank berappen. Und die nächste Kapitalerhöhung steht bevor: Im Juni muss Veneto Banca eine Milliarde zusammen bekommen.

„Der Markt hat eine klare Nachricht an Atlante: die Rettung der Banken ist eure Angelegenheit“, lautet ein erster Kommentar. Der Flop beim Börsengang sei außerdem schon die zweite schlechte Nachricht. Denn ursprünglich sollte der Fonds „Atlante“ mit sechs Milliarden Euro ausgestattet werden. Zusammen kamen aber nur 4,8 Milliarden.

Das macht auch die zweite Aufgabe von „Atlante“ komplizierter: den Abbau der faulen Kredite in den Büchern der Banken. Geplant waren 70 Prozent des Fonds für Kapitalerhöhungen und 30 Prozent für den Aufkauf fauler Kredite. Ob es bei dem Plan bleibt, ist nun ungewiss.

Startseite

Mehr zu: Banca Popolare di Vicenza - Wie Italien eine Bankenrettung vergeigte

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%