Banco di Sicilia: Ein Aufstand stolzer Männer

Banco di Sicilia
Ein Aufstand stolzer Männer

MAILAND. Unicredit -Chef Alessandro Profumo kann es kaum glauben. Frisch aus dem Urlaub von den Malediven zurück, übt eine italienische Insel den Aufstand: Am 9. Januar hat der Verwaltungsrat der sizilianischen Banco di Sicilia ihren eigenen Kandidaten Giuseppe Lopes zum Generaldirektor gekürt. Damit hat die kleine Bank, die im Zuge der Capitalia -Übernahme in den Besitz von Unicredit übergegangen ist, klaren Ungehorsam gegenüber der Konzernmutter gezeigt. Denn die wollte einen anderen Kandidaten: Roberto Bertola.

Als Profumo im fernen Mailand von der Rebellion im Süden erfährt, haut er wütend auf den Tisch und macht klar: "Das wird jetzt geregelt." Dass die Sizilianer einfach ihren Landsmann Lopes zum Chef bestimmen und nicht den von der Zentrale vorgesehenen piemontesischen Bertola, geht dem Vorstandsvorsitzenden der größten italienischen Bank zu weit.

Als erstes lässt Profumo wissen, dass die Entscheidungen der Rebellen im Süden "wirkungslos" seien. Dann folgen Tage der Konsultationen. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Paolo Fiorentino wird eigens dafür abgestellt, einen Stab für das sizilianische Problem zu leiten. "Das sind heißblütige Leute, man darf deren Stolz nicht verletzen", heißt es in Kreisen der Mailänder Bank. Wenn man auch weiterhin Geschäfte in Sizilien machen will, darf man mithin nicht als Kolonialherr aus dem Norden auftreten. Profumo höchstpersönlich empfängt den durchaus umstrittenen Präsidenten der Region Sizilien, Salvatore Cuffaro, in Mailand, um die Wogen zu glätten.

Die diplomatische Offensive zeigt bisher keinen Erfolg: Der Präsident der Bank, Salvatore Mancuso, der die Rebellion angeführt hat, ist am Wochenende wider Erwarten doch nicht zurückgetreten. Sollte Mancuso nicht selbst zurückgetreten, wird wohl die morgige Vorstandssitzung von Unicredit den Rücktritt herbeiführen. Auch wenn sich nun alles wieder eingerenkt hat: Die kleine Bank im Süden mit ihren rund 500 Filialen hat den Vorstand der europaweit vertretenen Bank erhebliche Energien gekostet.

Dabei schien alles so einfach, als Unicredit im vergangenen Sommer die römische Capitalia für knapp 22 Milliarden Euro übernommen hatte. Im Vergleich zu der Übernahme der deutschen Hypo -Vereinsbank mit ihren landestypischen Eigenheiten von Österreich bis Polen und ihren lästigen Minderheitsaktionären, für die der Vorstandschef Profumo nach eigenen Angaben "beide Hände" brauchte, sah Capitalia nach einem Spaziergang aus.

Seite 1:

Ein Aufstand stolzer Männer

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%