Bankangebote im Vergleich
Hier gibt's das Girokonto noch kostenlos

Ein kostenloses Giro- oder Sparkonto? Das gibt es nur noch bei wenigen Anbietern. Viele Banken verlangen inzwischen Gebühren – auch indirekt. Eine Auswertung der FMH-Finanzberatung zeigt, wo es die besten Angebote gibt.
  • 0

DüsseldorfDie Deutschen lieben Giro-, Spar- und Tagesgeldkonten und können nicht genug davon bekommen. Mehr als die Hälfte der deutschen Privathaushalte besitzt vier oder mehr Konten, zeigt eine Studie des Marktforschungsunternehmens YouGov im Auftrag des Finanzportals Moneymeets. Elf Prozent der Befragen nutzen sogar mehr als zehn unterschiedliche Bankverbindungen. Das könnte daran liegen, dass es durch die zunehmende Verbreitung von Online-Identifikationsverfahren mittlerweile möglich ist, vom Sofa aus ein neues Konto zu eröffnen, sagt Moneymeets-Gründer Dieter Fromm. Gerade einmal 13 Prozent der Studienteilnehmer begnügen sich mit einem Konto.

Aber Bankkunden könnte ihre Leidenschaft für das Eröffnen neuer Konten teuer zu stehen kommen. Immer mehr Kreditinstitute verlangen für ehemals kostenlose Dienstleistungen Geld. Grund dafür sind die niedrigen Zinsen, die die Ertragsmargen der Banken drücken. Geldhäuser suchen nach neuen Einnahmequellen. Ein beliebter Ansatzpunkt ist das Girokonto, das früher in der Regel gratis war. Mittlerweile sind Kontoführungsgebühren für Girokonten schon fast normal. Meist handelt es sich nur um kleine Beträge. Je nach Bank können die Gebühren aber auch ganz schön happig ausfallen. So verlangt etwa die Raiffeisenbank Oberursel von ihren Kunden 30 Euro pro Monat.

Verbraucher sind von dieser Entwicklung keineswegs begeistert. Einige Banken gehen deshalb subtiler vor. Sie verlangen weiterhin kein Geld für die reine Kontoführung, wohl aber für andere Leistungen. Dabei schießen sie manchmal über das Ziel hinaus. Anfang des Jahres untersagte das Landgericht Düsseldorf der Sparda-Bank West, ein Girokonto als kostenlos zu bewerben, weil für die dazugehörige Girocard zehn Euro pro Jahr fällig werden. Aus einem ähnlichen Grund steht derzeit die Sparda-Bank Baden-Württemberg in der Kritik. Auch dort müssen Kunden Geld für die Girocard zahlen, obwohl das Konto laut Werbung kostenlos ist. „Ohne Girocard kann man praktisch nichts machen. Sie ist ein zentraler Bestandteil des Girokontos“, sagt denn auch Max Herbst, Chef der FMH-Finanzberatung.

Je mehr Kreativität die Banken in die Entwicklung neuer Gebührenmodelle stecken, desto schwieriger wird es für Kunden, ein passendes Girokonto zu finden. Es genügt nicht mehr, nur die Kontoführungsgebühren und die Dispozinsen zu vergleichen. Verbraucher sollten sich gleichfalls anschauen, welche Kosten für Giro- oder Kreditkarten anfallen und welche Angebote womöglich an bestimmte Bedingungen wie einen regelmäßigen Geldeingang geknüpft sind, rät Herbst.

FMH hat für das Handelsblatt Girokonten von 51 Banken untersucht. Die Analyse zeigt: Es gibt durchaus noch günstige und transparente Angebote – vor allem für Kunden, die ihre Bankgeschäfte im Internet statt in der Filiale erledigen. Bei der Direktbank Comdirect zahlen Kunden für ein Online-Girokonto keine Gebühr. Auch Giro- und Kreditkarte sind kostenfrei. Der Dispozins liegt bei 6,5 Prozent und damit, verglichen mit den anderen Girokonten in der FMH-Analyse, im Mittelfeld. Auch bei DKB, ING-Diba, Consorsbank, N26 und Norisbank erwarten Kunden beim Eröffnen eines Online-Girokontos keine teuren Überraschungen.

Bei anderen Geldhäusern wird es komplizierter. So sind zwar bei Wüstenrot direct sowohl Girokonto als auch Girocard kostenfrei, eine Kreditkarte kostet aber ab dem zweiten Jahr 19 Euro Jahresgebühr – es sei denn, Kunden können einen Kreditkarten-Mindestumsatz von 2000 Euro jährlich vorweisen. Bei der Targobank, der Deutschen Skatbank und der Volkswagen Bank sind wiederum alle Karten gebührenfrei. Dafür müssen Kunden aber einen monatlichen Mindest-Geldeingang sicherstellen. Bei der Targobank und der Deutschen Skatbank muss das Konto überdies als Gehaltskonto geführt werden.

Gehaltseingang verlangt

Bei den regionalen Instituten im FMH-Onlinekonten-Ranking geht ohne regelmäßigen Gehaltseingang gar nichts. Viele von ihnen verlangen zudem Gebühren für Kreditkarten. Bei der Sparda-Bank Münster kommen zwölf Euro pro Jahr für die Girocard obendrauf. Bei den genossenschaftlichen PSD-Banken können Kunden Girokonten nicht ausschließlich im Internet eröffnen. Die FMH-Experten haben sie trotzdem nicht ins Filialbanken-Ranking einsortiert, weil die Institute nur sehr wenige Filialen haben.

Bei den getesteten Girokonten bundesweit tätiger Filialbanken schnitt Santander am besten ab. Kunden müssen dort weder für das Konto selbst noch für die Giro- oder Kreditkarte etwas bezahlen. Die Dispozinsen liegen mit 7,49 Prozent im oberen Mittelfeld. Bei anderen Angeboten heißt es wieder, genau hinschauen: Einige kostenlose Girokonten müssen als Gehaltskonten geführt werden, andere erfordern einen monatlichen Mindest-Geldeingang, bei manchen Anbietern werden Kreditkartengebühren fällig. Die Postbank, Deutsche Bank und Hypo-Vereinsbank verlangen von vornherein Kontoführungsgebühren, auch die Kreditkarte gibt es bei ihnen nicht kostenlos. Die Dispozinsen unterscheiden sich bei einzelnen Anbietern ebenfalls stark.

Bei den regional tätigen Sparda-Banken zeigt sich ein gewisses Muster – gerade das hat der Sparda-Bank West im laufenden Jahr Ärger mit der Justiz beschert. Die Kunden müssen bei ihr zwar keine Kontoführungsgebühren zahlen, dafür aber oft eine Jahresgebühr für die Nutzung der Girocard, ohne die das Girokonto praktisch nutzlos ist. Künftig könnte es für Kunden noch teurer werden: Die Sparda-Bank Berlin führt ab 1. Oktober als erstes Mitglied des genossenschaftlichen Verbands Gebühren für Girokonten ein. Künftig soll es unterschiedliche Kontenmodelle geben, mit Monatsgebühren zwischen 1,50 Euro und 11,90 Euro. Im Gegenzug sollen die Jahresgebühren für die Girocard wegfallen. Weitere Sparda-Banken könnten diesem Beispiel folgen.

Kommentare zu " Bankangebote im Vergleich: Hier gibt's das Girokonto noch kostenlos"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%