Bankbilanzen Standard & Poor’s warnt vor Kreditausfällen

Kreditausfälle könnten die europäischen Bankbilanzen in diesem Jahr stark belasten, warnt die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P). Die Risikovorsorge der Banken werde deutlich steigen - und nicht alle Finanzgruppen könnten die Krise intakt überstehen.
In den Bankenbilanzen schlummern etliche faule Kredite. Quelle: dpa

In den Bankenbilanzen schlummern etliche faule Kredite.

(Foto: dpa)

FRANKFURT. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat vor hohen Belastungen durch Kreditausfälle europäischer Banken gewarnt. Die Risikovorsorge für Kredite dürfte bei den 50 größten Instituten in diesem Jahr deutlich über 178 Mrd. Euro liegen, nachdem sie sich im vergangenen Jahr bereits auf 128 Mrd. Euro verdoppelt habe, prognostiziert S&P in einer gestern veröffentlichten Studie. „In vielen europäischen Ländern werden die Raten der inländischen Kreditausfälle 2009 doppelt so hoch liegen wie 2008.“ Auch für deutsche Banken erwartet Mitautor Stefan Best eine Verdopplung der Risikovorsorge.

Nach Abschreibungen auf Wertpapieren dürften die Belastungen im Kreditbuch in diesem und im kommenden Jahr das Hauptproblem für die Banken werden, schreiben die Analysten. Der Höhepunkt der Risikovorsorge für Unternehmens- wie Konsumentenkredite sei frühestens in der ersten Hälfte des kommenden Jahres zu erwarten – und das auch nur, wenn mit dem ersten Quartal 2009 der Tiefpunkt des wirtschaftlichen Abschwungs erreicht sei. Denn bis sich die realwirtschaftlichen Verschlechterungen in der Kreditrisikovorsorge der Banken niederschlagen, vergehe rund ein Jahr.

Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet im Euro-Raum für 2007 bis 2010 Verluste aus Krediten in Höhe von insgesamt 431 Mrd. Dollar. Dies geht aus dem gerade veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht hervor. Für Abschreibungen auf Kredite und Wertpapiere liegt die Schätzung der Europäischen Zentralbank bei 649 Mrd. Dollar.

Die Ratingagentur S&P geht trotz eines teils optimistisch stimmenden ersten Quartals davon aus, dass die Rezession in diesem Jahr und auch darüber hinaus „signifikante operative Verluste bei mehreren europäischen Finanzinstituten“ mit sich bringen wird. Das Aufräumen der Kreditbücher werde die Gewinnentwicklung der Banken mittelfristig stark beeinflussen.

„Wir glauben, dass Banken die guten Ergebnisse des ersten Quartals für das gesamte Jahr nicht wiederholen können und dass die Rückstellungen, die sie für Kreditverluste und fallende Wertpapierwerte brauchen, die Gewinne aus dem Handel und anderen Investment-Banking-Sparten überschatten werden.“ Wegen der Rezession stünden die Erträge der meisten Geschäftsfelder unter Druck. „Unserer Meinung nach werden nicht alle europäischen Finanzgruppen diese Reise intakt überstehen“, warnen die Analysten.

In Deutschland seien die Kreditausfälle vermutlich geringer als etwa in Spanien, weil es hierzulande keine Blase bei Wohn- und Konsumentenkrediten gegeben habe. Doch träfen die Belastungen in Deutschland auf weitaus geringere Erträge und Rückstellungen.

Auch die Finanzberatung Zeb sieht in Deutschland in „fast allen Geschäftsfeldern des klassischen Banking eine sich deutlich verschärfende Wettbewerbssituation bei gleichzeitig fallenden Erlöspotenzialen und einem steigenden Druck auf die Erträge. Zudem belasteten steigende Kreditausfälle auch kleinere Institute wie die Genossenschaftsbanken.

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