Türme der Deutschen Bank in Frankfurt

Bereits Anfang Januar warnte die Deutsche Bank ihre Anleger, dass sie 2017 aller Voraussicht nach rote Zahlen schreiben wird.

(Foto: Reuters)

Banken Auf diese 5 heiklen Punkte in der Bilanz der Deutschen Bank sollten Sie achten

Am Freitag legt die Deutsche Bank ihre Jahresbilanz vor. Die bietet viel Stoff für Kontroversen. Fünf Punkte sind besonders heikel.
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FrankfurtBei seinem Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren wurde John Cryan noch als harter Sanierer gefeiert, der die Schwächen der angeschlagenen Deutschen Bank offen und ohne falsche Rücksichtnahme analysierte. Doch der Brite ist längst nicht mehr unumstritten. Einige einflussreiche Großaktionäre bezweifeln, ob Cryan der Richtige ist, um die Bank nach den Aufräumarbeiten der vergangenen Jahre wieder auf Wachstum zu trimmen.

Bei der Vorstellung der Jahreszahlen eines Unternehmens blicken die Investoren normalerweise als erstes auf die Summe unter dem Strich der Gewinn- und Verlustrechnung. Doch die Deutsche Bank hat die Anleger bereits Anfang Januar gewarnt, dass dort aller Voraussicht nach zum dritten Mal in Folge rote Zahlen stehen werden. Schuld daran ist vor allem eine einmalige Sonderbelastung durch die Steuerreform in den USA von rund 1,5 Milliarden Euro. Vor Steuern wird die Bank dagegen wohl einen Gewinn ausweisen. Im Schnitt rechnen die Analysten mit einem Ergebnis von 2,1 Milliarden Euro. Trotz der Gewinnwarnung werden sich in den Zahlen für 2017 mehr als genügend spannende Aspekte finden, die Hinweise darauf liefern, wie aufregend 2018 für Cryan und die Deutsche Bank wirklich wird.

1. Die Einnahmen.

Im Herbst 2016 hat das US-Justizministerium die Bank mit einer Strafandrohung von 14 Milliarden Dollar für faule Hypothekendeals aus der Ära vor der Finanzkrise gründlich verschreckt. Der Kurs brach auf ein Allzeittief von unter zehn Euro ein, weil die Investoren fürchteten, dass die Buße die Bank finanziell überfordern könnte. Inzwischen konnten Cryan und seine Mannschaft zwar einen mit rund sieben Milliarden Dollar deutlich niedrigeren Vergleich mit den Amerikanern aushandeln.

Doch die Kunden, die der Bank damals wegliefen, sind noch längst nicht alle zurückgekehrt. Die fallenden Einnahmen sind eine der größten Sorgen der Investoren. Im vierten Quartal rechnen die Analysten mit einem weiteren Rückgang auf 6,2 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr sagen die Experten ein Minus von rund zehn Prozent auf 26,9 Milliarden Euro voraus.

Jede Erosion, die darüber hinausginge, wäre eine ausgesprochen schlechte Nachricht für die Bank und für Cryan.

„Der einstige Stolz wird zum Dauerpatienten“

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 2. Der Wertpapierhandel.

Die Bank hat die Investoren bereits darauf vorbereitet, dass die Flaute im wichtigen Wertpapierhandel auch im vierten Quartal anhielt. Im Prinzip beruht Cryans Strategie noch immer auf der Hoffnung, dass der einst mit Abstand wichtigste Gewinnmotor wieder ans Laufen kommt, und sich die Bank dann als wichtigste europäische Investmentbank am Markt etablieren kann. Im vierten Quartal sind die Einnahmen aus dem Wertpapierhandel im Vergleich zum Vorjahr allerdings noch einmal um 22 Prozent eingebrochen. Das bewegt sich ungefähr auf dem Niveau der Rückgänge, die auch die großen US-Konkurrenten verkraften mussten. Die Investoren werden genau auf jede Aussage zum Start ins neue Jahr horchen.

Im ersten Quartal, traditionell dem besten im Bankgeschäft, erwarten die Aktionäre Fortschritte im Handel. Ansonsten droht der Bank eine neue Strategiediskussion rund um die Frage, ob die Einschnitte im Investmentbanking nicht doch tiefer ausfallen müssen.

3. Die Kosten.

Zum bunten Strauß  schlechter Nachrichten, den die Bank in ihrer Verlustwarnung Anfang Januar präsentierte, gehörte auch das Eingeständnis, dass die Kosten im vierten Quartal höher ausfallen und „voraussichtlich in etwa auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums liegen werden“. Dabei waren die Sparanstrengungen von Vorstandschef Cryan bislang einer der wenigen Lichtblicke, die die Investoren milde stimmten. Jetzt warnen Analysten und Fondsmanager, dass die Kostendebatte die Glaubwürdigkeit des Managements weiter untergräbt, und sie fürchten eine neue Strategie- und Personaldebatte vor allem um die Zukunft von Cryan.

Der Vorstandschef hat versprochen, die um Abfindungen, Restrukturierungen, Rechtsrisiken und Abschreibungen auf den Firmenwert bereinigten Kosten bis Ende 2018 auf 22 Milliarden Euro zu drücken. 2016 schlugen hier 24,7 Milliarden zu Buche. Für 2017 erwarten die Analysten einen ähnlich hohen Wert. Das heißt, die Zweifel an Cryans Sparziel wachsen.

Die Investoren erwarten, dass das Top-Management der Bank das Thema Kosten mit neuem Elan angeht. Sollte Cryan dazu am Freitag nicht den richtigen Ton treffen, dürfte ein weiterer Rückschlag für den Aktienkurs die Folge sein, der in den vergangenen zwölf Monaten um zehn Prozent fiel.

4. Die Boni

Trotz des befürchteten Jahresverlustes will die Deutsche Bank zu ihrer normalen Bonuspraxis zurückkehren und für 2017 wahrscheinlich mehr als eine Milliarde Euro an Leistungsprämien an ihre Mitarbeiter ausschütten. Das Thema ist auch innerhalb der Bank umstritten. Lange tat sich Vorstandschef Cryan schwer damit, den Forderungen der beiden Chefs der Investmentbank nachzugeben: Marcus Schenck und Garth Ritchie hatten auf eine deutliche Aufstockung der Prämien im Vergleich zum Vorjahr gedrängt. Am Ende setzten sich die Investmentbanker durch, zu groß schien die Gefahr eines Massenexodus wichtiger Banker bei einer weiteren Enttäuschung.

Das Thema Boni ist komplex, weil die Bank 2016 ihre Leistungsprämien drastisch zusammengestrichen hat. Die individuelle variable Komponente der Vergütung wurde komplett gekürzt. Das betraf vor allem höhere Dienstgrade – insgesamt rund 25.000 von weltweit 100.000 Mitarbeitern. Gezahlt wurde nur die variable Gruppenkomponente an alle Mitarbeiter. Der Bonustopf war dadurch auf 546 Millionen Euro zusammengeschrumpft. Cryan hatte bereits früh versprochen, dieses Jahr zum normalen Vergütungssystem zurückzukehren, ohne allerdings zu erklären, was „normal“ eigentlich bedeuten soll. Für 2015  hatte die Bank noch 2,4 Milliarden Euro an Boni ausgeschüttet.

Sollten die Prämien jetzt deutlich über der Marke von einer Milliarde Euro liegen, würde der Bank neuer politischer Ärger drohen. Und jede Beeinträchtigung des guten Rufes droht direkt aufs Geschäft durchzuschlagen.

5. Die DWS

Die Deutsche Bank kämpft mit vielen Problemen, zumindest ein Großprojekt läuft bislang aber nach Plan. Möglichst noch vor Ostern soll der Teilbörsengang der Asset-Management-Sparte DWS unter Dach und Fach sein. Der Bereich hat offenbar die Absatzschwäche des Jahres 2016 überwunden: Im vergangenen Jahr konnte die DWS laut einer internen Präsentation der Bank wieder 15,8 Milliarden Euro bei den Anlegern einsammeln. 2016, als wegen der hohen Strafandrohung aus den USA und Umstrukturierungen Zweifel an der gesamten Bank aufgekommen waren, hatten Kunden per Saldo mehr als 30 Milliarden Euro abgezogen. 2015, dem letzten „normalen“ Jahr vor den Turbulenzen, hatte der Mittelzufluss bei 19 Milliarden Euro gelegen.

Die Analysten sagen für die Sparte für 2017 einen Vorsteuergewinn von 845 Millionen Euro nach einem Verlust im Vorjahr voraus. Die Deutsche Bank braucht dringend gute Nachrichten, die DWS bietet im Moment vielleicht die beste Chance dafür.

PS Großaktionär HNA

Nicht für alle ihre Schwierigkeiten ist die Deutsche Bank selbst verantwortlich. Inzwischen ist endgültig klar, dass der größte Aktionär des Geldhauses, der übernahmehungrige chinesische Mischkonzern HNA, unter akuten Liquiditätsproblemen leidet. Die Chinesen haben zwar mehrfach betont, dass sie den Anteil von knapp zehn Prozent an der Deutschen Bank als Schlüsselinvestment sehen, aber am Markt wächst die Furcht, dass HNA am Ende vielleicht doch einen Teil seiner Anteile auf den Markt werfen muss. Hinter den deutlichen Kursverlusten der vergangenen Tage sehen Experten zumindest auch die Angst vor Notverkäufen durch die Chinesen.

Ob sich Vorstandschef Cryan im Detail zur Lage des klammen Großaktionärs äußern wird, darf eher bezweifelt werden, gefragt werden, wird er aber auf jeden Fall.

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