Banken auf Sparkurs
Warum immer mehr Bankfilialen schließen

Viele Kunden gehen kaum noch zur Bank, sondern erledigen ihre Bankgeschäfte per Computer oder Smartphone. Immer mehr Kreditinstitute schließen deshalb Standorte. Eine Bank ist dabei Trendsetter.
  • 11

FrankfurtLange Zeit hatten Bankfilialen mit Bäckern eines gemeinsam, es gab sie an fast jeder Ecke. Doch allmählich werden Deutschlands Bankfilialen rar: Allein seit Anfang dieses Jahres haben Sparkassen und Genossenschaftsbanken rund 360 Filialschließungen angekündigt. Das zeigt eine Erhebung des Handelsblatts, die auf Angaben der Geldhäuser sowie Berichten lokaler Medien beruht.

Beispiele sind quer durch Deutschland zu finden. So gibt die Sparkasse Trier 21 personenbesetzte Filialen auf. Die Sparkasse Passau will zwölf Filialen schließen, bei der Sparkasse Dortmund geht es um 16 Filialen und bei der Berliner Sparkasse um etwa zehn. Auch die Sparkassen in Dillenburg und Gießen dünnen ihr Filialnetz aus, ebenso die Erzgebirgssparkasse und die Sparkasse Regensburg.

Bei den Genossenschaftsbanken haben unter anderem die Volksbank Mitte aus Duderstadt (Niedersachsen) und die Volksbank Eifeltor angekündigt, dass sie die Zahl der Filialen zusammenstreichen werden. Vor allem bei Volks- und Raiffeisenbanken werden häufig so genannte Kleinstfilialen geschlossen, die nur an wenigen Tagen pro Woche und dann nur einige Stunden geöffnet haben.

Konkret haben Sparkassen dieses Jahr rund 290 Filialschließungen avisiert. Bei den Genossenschaftsbanken sind es mehr als 70. Die Zahlen weisen daraufhin, dass sich das Filialsterben beschleunigt. Im Jahr 2015 kündigten Sparkassen und Genossenschaftsbanken nach einer Handelsblatt-Analyse rund 750 Filialschließungen an – die vielfach erst noch umgesetzt werden. Auch jüngste Bundesbank-Daten signalisieren, dass im vergangenen Jahr mehr Filialen als zuvor geschlossen wurden. Und Beobachter rechnen jetzt erst recht mit mehr Tempo: Oliver Mihm, Chef der Beratungsfirma Investors Marketing, erwartet, dass bis zum 2025 rund gut 40 Prozent der zuletzt 34.000 Bankfilialen wegfallen.

Bernd Nolte, Bankenprofessor und Chef der Beratungsfirma 4P Consulting, geht von noch mehr Veränderungen aus: „Wir haben in unserer Datenbank etwa 15.000 Filialen. Die Hälfte davon steht zur Debatte und könnte in den kommenden drei bis fünf Jahren geschlossen werden. 20 Prozent wiederum müssen dringend modernisiert werden.“ Er sieht eine große Herausforderung: „Das müssen die Kreditinstitute in einer Zeit mit niedrigsten Erträgen stemmen – was eine große Herausforderung wird.“

Seite 1:

Warum immer mehr Bankfilialen schließen

Seite 2:

Balanceakt für regional verwurzelte Geldhäuser

Kommentare zu " Banken auf Sparkurs: Warum immer mehr Bankfilialen schließen "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Wenn man die Non-Banks und Near-Banks mitrechnet, kann man auch von einem ruinösen Wettbewerb sprechen.

  • @Herr Aru Bu - 09.05.2016, 11:17 Uhr

    Das, was Sie in Ihrem Kommentar beschrieben haben, sind eher einfache Banktätigkeiten.

    Wenn Sie jedoch etwas komplexere Vorgänge haben, z. B. Einrichtng eines Mietkautionskontos, bei dem Sie etsprechende Unterlagen mit sensiblen Daten (Mietverträge etc.) vorweisen müssen, dann geht es nicht ohne Filiale.

    Und Kredite verhandle ich auch lieber persönlich, hier ist auch eine Videokonferenz vollkommen inakzeptabel.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%