Banken Commerzbank erwägt Rückzug aus der Schweiz

Laut Agenturberichten prüft die Commerzbank den Rückzug aus der Schweiz. Die Suche nach einem Käufer laufe bereits. Doch das kann natürlich dauern. Der Verkauf würde zur Strategie der Commerzbank passen. Das Geldhaus will sich ja auf das Firmen- und Privatkundenmarkt in Deutschland sowie Osteuropa fokussieren.
Die Commerzbank plant offenbar, ihr Schweiz-Geschäft zu veräußern. Quelle: dpa

Die Commerzbank plant offenbar, ihr Schweiz-Geschäft zu veräußern.

(Foto: dpa)

HB FRANKFURT. Das zweitgrößte deutsche Geldhaus sondiere den Markt nach potenziellen Käufern, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Konkrete Gespräche gebe es derzeit aber nicht. Ob es in absehbarer Zeit überhaupt zu einem Verkauf komme, stehe nicht fest. Das aktuelle Marktumfeld sei nicht das Beste, um einen angemessenen Preis für Vermögensverwalter zu bekommen, hieß es.

Ein Sprecher der Commerzbank wollte sich nicht äußern. Er verwies aber auf Aussagen von Vorstandschef Martin Blessing, dass sich das Institut nach der Übernahme der Dresdner Bank künftig stärker auf den Firmen- und Privatkundenmarkt in Deutschland und ihre Aktivitäten in Osteuropa konzentrieren wolle. Außerdem bekam die Bank von der EU-Kommission für die Gewährung von Staatshilfen Auflagen zum Verkauf von Tochtergesellschaften, darunter auch der Immobilienfinanzierer Eurohypo. Die Töchter in der Schweiz stehen nicht auf der EU-Liste.

Im Zuge der Übernahme der Dresdner Bank Anfang des Jahres von der Allianz hat die Commerzbank bereits Aktivitäten in Japan und Brasilien aufgegeben. Das Geschäft in Japan, das einer der größten Auslandsstandorte der Dresdner Bank im Investmentbanking war, soll größtenteils abgewickelt werden. Teile des Brasiliengeschäft wurden verkauft.

In der Schweiz beschäftigt die Commerzbank rund 400 Mitarbeiter, der Großteil davon kommt von der Dresdner. Laut dem Verband der Auslandsbanken verwalteten die beiden Häuser per Ende 2008 zusammen rund zehn Mrd. Euro. Größter deutscher Vermögensverwalter in der Eidgenossenschaft ist dem Verband zufolge die Deutsche Bank mit 27 Mrd. Euro.

In Züricher Finanzkreisen hieß es, viele erfahrene Banker bei der Schweizer Commerzbank-Tochter seien gegangen und hätten einen Teil der Kunden mitgenommen. „Der Aderlass bei den Kunden hält an. Sie fürchten wohl den Durchgriff des Staates“, sagte ein Vertreter aus der Vermögensverwaltungsbranche. Die Commerzbank hatte vom deutschen Staat 18,2 Mrd. Euro Kapital bekommen und gehört ihm seither zu 25 Prozent plus einer Aktie. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück gilt als einer der schärfsten Kritiker des Schweizer Bankgeheimnisses.

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