Banken
Das langsame Sterben der Filiale

Eine Umfrage fürs Handelsblatt zeigt, dass immer mehr Kunden ohne Bankberater in der Nachbarschaft auskommen. Gleichzeitig lässt die Treue zu den Instituten nach – ein Problem vor allem für die Deutsche Bank.
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FrankfurtEs ist die Gretchenfrage im Privatkundengeschäft der deutschen Banken: „Wie hältst du's mit der Filiale?“ Eine Analyse der staatlichen Förderbank KfW belegt, dass seit der Jahrtausendwende ein Viertel aller Bankzweigstellen in Deutschland verschwand – im Schnitt 680 pro Jahr und damit binnen 15 Jahren insgesamt 10.200 Standorte. Aber diese Zahl täuscht darüber hinweg, dass die großen heimischen Geldhäuser völlig unterschiedliche Antworten auf die Frage gefunden haben, wie viele Filialen im Zeitalter der Digitalisierung ihre Kunden noch brauchen.

Während die Hypo-Vereinsbank die Hälfte ihrer einst 580 Filialen abgeschafft und die Deutsche Bank rund 190 der zuvor gut 700 Standorte geschlossen hat, verspricht Commerzbank-Chef Martin Zielke, er werde an den 1000 Filialen festhalten.

Doch Zielke schwimmt gegen den Strom. Das zeigt eine Umfrage der Beratung Emotion Banking im Auftrag des Handelsblatts unter knapp 28.000 deutschen Bankkunden. Die Erhebung legt nahe, dass der Abschied von der Filiale nicht mehr aufzuhalten ist. Bereits jeder fünfte Kunde nutzt nach eigenen Angaben den Schalter seiner Bank nie. Weitere 49 Prozent besuchen die Zweigstellen nur selten. Macht in Summe sieben aus zehn Kunden, die praktisch kein Personal vor Ort mehr benötigen, um ihre Bankgeschäfte zu erledigen.

Das Filialsterben wird weitergehen, davon ist Michael Schwartz, Hauptautor der KfW-Studie, überzeugt: „Ein Ende ist nicht zuletzt vor dem Hintergrund der bekannt gewordenen Abbaupläne größerer Kreditinstitute noch nicht absehbar.“ Als Haupttreiber haben Schwarz und seine Kollegen die Digitalisierung identifiziert.

Das sehen auch die Analysten des renommierten Researchhauses Autonomous so. Sie haben die Zahl der Bankfilialen mit derjenigen der Aldi- und Lidl-Märkte verglichen. Laut KfW existieren trotz der Bereinigung in Deutschland noch immer knapp 28.000 Bank-Zweigstellen. Autonomous zählt aber nur rund 7370 Aldi- und Lidl-Filialen. Ihren Supermarkt besuchen die Konsumenten mehrmals in der Woche, die Bankfiliale höchstens einmal im Quartal.

Kommentare zu " Banken: Das langsame Sterben der Filiale"

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  • Herr Toni Ebert11.10.2017, 16:50 Uhr
    Eine Umfrage fürs Handelsblatt zeigt, dass immer mehr Kunden ohne FAZ, SZ, Bild; HB auskommen. Gleichzeitig lässt die Treue zu den Mainstram-Medien nach – ein Problem vor allem für das HB.
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    Wer braucht schon die Bild - ich jedenfalls habe dieses Blatt in meinem bisherigen Leben nicht gebraucht und werde es auch nicht gebrauchen.

    Eine Umfrage für das Handelsblatt ..... - wo gibt es die Veröffentlichung?

    Es gibt doch viele Leser, die das Handelsblatt nutzen - Sie doch auch Herr Ebert, wie Ihre täglichen Kommentare zeigen. Wie einige, Sie hätten doch sonst Entzugserscheinungen.

  • keine Überraschung schon 1999 hat Microsoft auf das Potential der Einsparung bei Banken weltweit hingewiesen - gleichzeitig Offerten der Zusammenarbeit angeboten. Nun 18 Jahre später beugt man sich den Kosten.

  • Eine Umfrage fürs Handelsblatt zeigt, dass immer mehr Kunden ohne FAZ, SZ, Bild; HB auskommen. Gleichzeitig lässt die Treue zu den Mainstram-Medien nach – ein Problem vor allem für das HB.

    hihi, schon interessant, wie das alles so zusammen passt.

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