Banken: Ein Brief bringt Milliarden

Banken
Ein Brief bringt Milliarden

Barclays beruhigt mit einem offenen Brief die Märkte - und steigert den Börsenwert um mehr als drei Milliarden Euro, die Aktie steigert sich um fast 75 Prozent. Der dreiseitige Brief hat den Anlegern neues Vertrauen eingeflößt.

LONDON. Selten war ein kurzes Schriftstück so wertvoll: Mit einem offenen Brief von drei Din-A4-Seiten steigerte die Führung der britischen Großbank Barclays gestern ihren Börsenwert um mehr als drei Milliarden Euro. Dabei enthielt das Schreiben wenig Neues. Doch die neuerliche Versicherung, dass die Bank an ihren Gewinnprognosen festhalte, Abschreibungen verdauen könne und kein neues Kapital brauche, reichte, um den in den vergangenen Wochen dramatisch verfallenen Aktienkurs um 73 Prozent in die Höhe zu hieven.

Das gab auch den europäischen Konkurrenten an der Börse auftrieb. So legten in Deutschland die Commerzbank, die Deutsche Bank und die Postbank deutlich zu.

Barclays-Chairman Marcus Agius, Vorstandschef John Varley und Investmentbankchef Bob Diamond können nun doch noch beruhigt zum Weltwirtschaftsforum nach Davos aufbrechen. Dass das Führungstrio dort trotz der Kurseinbrüche vollzählig erscheinen wollte, hatte ihm harsche Kritik in Londoner Zeitungen eingetragen.

"Nach den Ereignissen im Bankensektor in der vergangenen Woche haben wir uns nun entschieden, uns mit diesem offenen Brief direkt an Angestellten, Kunden und Aktionäre zu wenden, um die wichtigsten Sorgen anzusprechen, von denen wir gehört haben", beginnt das gestern morgen veröffentlichte Schreiben von Agius und Varley. Barclays sei mit 36 Mrd. Pfund Kapital gut ausgestattet und profitabel. Obwohl die Bank in der Jahresbilanz für 2008 Abschreibungen von acht Mrd. Pfund vornehmen müsse, werde der Gewinn vor Steuern deutlich über der Konsensschätzung der Analysten von 5,3 Mrd. Pfund liegen. Darin enthalten seien Zugewinne aus der Übernahme des Nordamerika-Geschäfts von Lehman und Einnahmen aus dem Verkauf der Lebensversicherungssparte.

Die Kapitalausstattung der Bank könne von dem zweiten Rettungspaket der Regierung profitieren, heißt es weiter. Die Gespräche darüber, zu welchen Bedingungen die Regierung Vermögenswerte der Banken versichern würde, hätten begonnen. Wenn Barclays daran teilnehme, werde das Kapital für Neugeschäft in Großbritannien freisetzen.

Barclays hatte im ersten Rettungspaket auf eine staatliche Kapitalspritze verzichtet und sich stattdessen frisches Kapital bei arabischen Investoren geholt. Das Institut konnte aber nie so recht den Verdacht abschütteln, dass das nicht das letzte Wort gewesen sein könnte. Nachdem der einstige Erzkonkurrent Royal Bank of Scotland (RBS) Mitte Januar den höchsten Verlust der britischen Wirtschaftsgeschichte berichtet hatte, war die Barclays-Aktie in den freien Fall übergegangen. Der Börsenwert stürzte innerhalb weniger Tage um fast drei Viertel ab. Gestern erholte er sich wieder auf knapp sieben Mrd. Pfund.

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