Banken: „Eine Bad Bank entlastet die Bilanzen“

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„Eine Bad Bank entlastet die Bilanzen“

Die Regierungen in Großbritannien und den USA stehen offenbar kurz davor, eine "Bad Bank" einzuführen. In Deutschland ziert man sich: Das Bundesfinanzministerium sagte, die Diskussion sei nicht angebracht. Christoph Schalast ist an der Frankfurt School of Finance & Management unter anderem verantwortlich für den Forschungsbereich Non Performing Loans und sieht in einer Bad Bank große Chancen.

Professor Schalast, kann eine Zweckgesellschaft die Probleme mit den strukturierten Kreditprodukten denn wirklich lösen?

Eine Zweckgesellschaft kann die Probleme nicht allein lösen, aber - und darum geht es ja vorwiegend - sie macht es den einbezogenen Banken möglich, ihre Bilanzen zu entlasten, Vertrauen im Markt zurückzugewinnen und damit die derzeitige Liquiditätsklemme und Spirale nach unten zu durchbrechen. Außerdem eröffnet eine solche Bad Bank, die man aber besser "Trust" nennen sollte, die Chance, für die betroffenen Wertpapiere bzw. Non Performing Loans wieder faire Preise zu erzielen und Fire Sales ohne Kaufinteressenten zu beenden.

In der Vergangenheit gab es schon verschiedene Auffanglösungen, etwa die Resolution Trust Corp oder andere Bad Banks für faule Kredite. Wie haben sich die Modelle rückblickend bewährt?

Die Resolution Trust Corporation (RTC) wurde 1989 in den USA geschaffen, um der Krise der Sparkassen- bzw. Bausparkassen (Savings und Loans) ein Ende zu setzen. Die Struktur der RTC hat sich dabei im Laufe des Gesetzgebungsverfahrens erheblich verändert - aus der ursprünglich geplanten schmalen Behörde wurde am Ende eine Institution mit bis zum 8.000 Mitarbeitern. Allerdings ist es ihr gelungen, die gestellte Aufgabe sehr erfolgreich durchzuführen und - bis zu der jetzigen Krise - das amerikanische Finanzsystem für über 15 Jahre nachhaltig zu stabilisieren. Bei anderen NPL Krisen, z.B. in Südostasien, wo sich die Regierungen gegen eine solche Institution entschieden haben, waren die Folgen für die Realwirtschaft gravierender und auch der Zeitraum hat sich verlängert. Insoweit kann man sagen, dass sich das RTC Modell in den USA gut bewährt hat.

Wie kann man verhindern, dass eine Bad Bank ein Fass ohne Boden wird?

Man muss eine Befristung einziehen und sich auf Papiere beschränken, die vor dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers begeben worden sind. Ich bin absolut der Meinung, dass das Neugeschäft mit Risikopapieren nach Lehman da nicht reingehört. Gleiches gilt für normale Unternehmenskredite, die gehören auch nicht in eine Bad Bank. Bei Akquisitionsfinanzierungen muss man sicher noch mal drüber nachdenken, wie man da verfährt. Als grobe Einteilung würde ich sagen: alles, was verbrieft ist, sollte für eine Bad Bank in Frage kommen.

Reichen die Instrumente des Rettungsfonds Soffin denn nicht aus?

Der Soffin sieht einen zeitlichen Rahmen von nur drei Jahren vor, das ist zu kurz. Die Banken müssen befürchten, dass sie die Papiere nach drei Jahren wieder in ihre Bilanzen bekommen. Außerdem sollte eine Bad Bank keine Bundesbehörde sein, besser wäre ein Bank, die marktwirtschaftlich mit Gewinnerzielungsabsicht arbeitet. Der Bund und die Banken - etwa über die Verbände - könnten sich an der Bad Bank aber mit Kapital beteiligen.

Wie schnell muss eine Entscheidung kommen?

Man sollte sich schnell entscheiden, damit die Banken wissen, woran sie sind. Nach der Hessen-Wahl ist die Gefahr groß, dass die große Koalition in Berlin im weiteren Jahresverlauf und mit dem Näherrücken der Bundestagswahl handlungsunfähig wird.

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