Banken-Geschäftsführer Michael Kemmer

Geldhäusern steht „freudlose Kostenquetscharie“ bevor

Europäische Bankenaufseher drängen die Kreditinstitute immer expliziter dazu, ihre Profitabilität zu steigern. Das ist leichter gesagt als getan. Das geht nur über Sparprogramme, meint der Bankenverband.
Der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands erwartet Kostensenkungen in der Branche. Quelle:
Michael Kemmer

Der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands erwartet Kostensenkungen in der Branche.

FrankfurtDie Profitabilität der Banken war vor der Finanzkrise eigentlich kein Thema, mit der sich die Bankenaufseher beschäftigten. Das hat sich geändert. „Ich glaube, dass der Markt eine länger anhaltende Phase niedriger Verzinsung und niedriger Eigenkapitalrenditen, die unter den Kapitalkosten liegen, nicht auf Dauer akzeptiert“, warnte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret auf der Handelsblatt-Konferenz „Neue Entwicklungen in der Bankenaufsicht“ die Branche.

Man kann sich darüber wundern, dass sich Aufseher mittlerweile so hartnäckig mit dem Kerngeschäft der Finanzinstitute auseinandersetzen. Warum das so ist, erklärte Klaus Düllmann, Leiter der Risikoanalyse bei der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB): „Dass wir den Fokus jetzt stärker auf die Geschäftsmodelle und die Profitabilität der Banken legen, ist sicher eine Erkenntnis aus der Finanzkrise“, sagte er.

Denn, so Düllmann, Profitabilität sei nicht nur wichtig, damit Banken auch bei Kapitalerhöhungen genug Investoren fänden oder damit sie wichtige Zukunftsinvestitionen leisten könnten. Ein profitables Geschäftsmodell hindere Banken auch daran, aus Mangel an Erträgen geschäftspolitischen Unfug zu treiben. Zum Beispiel, indem sie riskante Kredite in außerbilanzielle Zweckgesellschaften auslagerten, oder indem sie überhaupt „Kreditersatzgeschäft“ zukaufen würden.

Diese Banken liegen fest in Familienhand
Stefan Quandt und die BHF Bank
1 von 13

Ursprünglich war die in Frankfurt ansässige BHF Bank einmal im Besitz der Deutschen Bank. Die verkaufte sie jedoch im Frühjahr 2014 für gut 350 Millionen Euro (inklusive Aktien) an eine ganz besondere Käufergruppe: Federführend war die Beteiligungsgesellschaft RHJ International unter Vorsitz des Ex-Dresdner-Banker Leonhard „Lenny“ Fischer, doch auch der chinesische Mischkonzern Fosun – und BWM-Großaktionär Stefan Quandt, der jetzt 11,3 Prozent an der Bank hält. Zuletzt machte Quandt von sich reden, als er ein neues, umfassendes Übernahmeangebot von Fosun ablehnte.

Dr. Oetker und Lampe
2 von 13

Auch die Familie Oetker kann eine Bank ihr eigene nennen. 1852 in Minden gegründet, ist das Bankhaus Lampe heute ein Tochterunternehmen der Dr. August Oetker KG. Die Oetkers kauften sich nach dem Zweiten Weltkrieg in die Privatbank ein. Zum Angebot heute gehören neben der Vermögensverwaltung für Privatkunden auch Finanzierungs- und Beratungsleistungen für mittelständische Firmenkunden sowie das Investmentgeschäft samt Vermögensverwaltung für institutionelle Kunden.

Südwestbank
3 von 13

Die Kapitalspritze für die Südwestbank ist gut anderthalb Jahre her: Damals haben die Hexal-Gründer Andreas und Thomas Strüngmann mehr als 350 Millionen Euro in die Stuttgarter Privatbank gepumpt, die komplett ihnen gehört. Die Südwestbank unterhält 28 Filialen in Baden-Württemberg. Die Kapitalspritze erlaube die Ausweitung des Kreditgeschäfts. Auf dem Foto: Vorstände der Südwestbank: Andreas Maurer, Wolfgang Kuhn und Wolfgang Jung (v.l.).

Fürstlich Castell'sche Bank
4 von 13

Die Fürstlich Castell'sche Bank hält einen ganz besonderen Titel inne: Sie gilt als Bayerns älteste Bank, gegründet 1774. Die Anteile der nicht börsennotierten Aktiengesellschaft halten je zur Hälfte die fürstlichen Familien Castell-Rüdenhausen und Castell-Castell.  Das Bild zeigt Ferdinand Erbgraf zu Castell-Castell (l.) und Otto Fürst zu Castell-Rüdenhausen.

Familie Metzler
5 von 13

Das Bankhaus Metzler ist eine Privatbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Es ist die zweitälteste Bank Deutschlands, und ist seit seiner Gründung im Jahr 1674 durchgehend und ausschließlich in Besitz der Gründerfamilie. Seit 1971 führt Friedrich von Metzler (r.) als persönlich haftender Gesellschafter das Bankhaus in der 11. Generation.

Sitz der Warburg Bank in Hamburg
6 von 13

Das Bankhaus M.M. Warburg & CO – das versale Kürzel CO steht für Christian Olearius - wurde 1798 gegründet. Es überstand politische Umwälzungen, Weltkriege, Geldentwertungen, Weltwirtschaftskrisen, Verwerfungen an den Börsen und den permanenten globalen Wettbewerb. Am Kapital der Bank sind ausschließlich Privatpersonen beteiligt und die Führung des Hauses liegt in den Händen der Partner. Die Bank ist im Besitz der Familien Olearius und Warburg, Dr. Christian Olearius und Max Warburg wechselten 2014 in den Aufsichtsrat, Joachim Olearius wurde zum Sprecher der Partner gewählt. Kerngeschäftsfelder sind das Private Banking, die Vermögensverwaltung und das Investmentbanking.

Berenberg Bank
7 von 13

Die verzweigte Familie Berenberg hält 30,4 Prozent an der Bank, die ihren Namen trägt. Die beiden anderen wichtigen Eigentümer der stark wachsenden Investment- und Privatbank Berenberg, Hans-Walter Peters und Hendrik Riehmer, haben Anfang Mai dieses Jahres die operative Führung übernommen – bis Ende 2015 steht ihnen noch Andreas Brotdmann an der Seite. Anders als bei Quandts, Oetkers, Metzlers und Co. sind Peters und Riehmer allerdings keine Großunternehmer oder geborenen Bankiers, sondern stammen aus ganz „normalen“ Verhältnissen.

Doch eine Steigerung der Profitabilität ist leichter gesagt als getan. So sieht es jedenfalls der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Banken, Michael Kemmer. Nicht zuletzt die niedrigen Zinsen machen den europäischen Kreditinstituten das Geldverdienen schwer. Und die Nullzinsphase werde dauern. „In zwei Jahren wird das noch nicht vorbei sein“, so der Kopf des privaten Bankenverbands.

Er ist Bundesbank-Vorstand Dombret dankbar dafür, dass er immer wieder „den Finger in die Wunde legt“. „Ich bin davon überzeugt, dass noch zu wenig erkannt ist, was die Niedrigzinsphase dauerhaft mit der Profitabilität, insbesondere der retail-orientierten Banken machen wird. Das ist so ein langsames Hineingleiten“, sagt er. Als Retail-Banking bezeichnen Banken das Brot-und-Butter-Geschäft mit Privatkunden.

Sicher ist er sich aber bei der Frage, wie die Institute letztlich auf die Herausforderungen auf der Ertragsseite reagieren werden. „Neue Ertragschancen wird es nur sehr, sehr selektiv geben“, so Kemmer. Das Thema werde, nicht zuletzt wegen der Digitalisierung, eher unter Druck kommen. Daher werde sich das Kostenthema für die Banken noch verschärfen. „Meine Befürchtung ist, ohne schlechte Stimmung verbreiten zu wollen – es sind ja lauter Banker hier im Saal: Die nächsten Jahre werden eine eher freudlose Kostenquetscharie sein.“

Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe (v.l.), Bundesbankvorstand Andreas Dombret, Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des BdB und Hermann Schulte-Mattler, Fachhochschule Dortmund. Quelle:
Diskussion in Frankfurt

Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe (v.l.), Bundesbankvorstand Andreas Dombret, Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des BdB und Hermann Schulte-Mattler, Fachhochschule Dortmund.

Lieb wäre es Kemmer allerdings auch, wenn die Aufsicht selbst ihr Scherflein für eine bessere Ertragslage beitragen würde. Sein Appell: Die Regulierer und Aufseher mögen doch den Kostendruck der Banken im Hinterkopf behalten, wenn sie über Vorschriften für die Finanzbranche nachdenken. Dabei dürfte er wohl nicht zuletzt an das gefürchtete zentrale Kreditregister der EZB gedacht haben, das in den nächsten Jahren eingeführt wird – und vor dessen Zusatzkosten sich die Branche schon jetzt fürchtet.

Startseite

Mehr zu: Banken-Geschäftsführer Michael Kemmer - Geldhäusern steht „freudlose Kostenquetscharie“ bevor

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%