Banken im Stresstest der EZB
Wo brennt’s denn?

Jede fünfte Bank in Europa hat den Stresstest der EZB nicht bestanden. Besonders italienische und griechische Institute erweisen sich als nicht krisenfest. Nun brauchen sie neue Milliarden.
  • 0

Frankfurt/DüsseldorfDie älteste Bank Europas sieht im Stresstest besonders alt aus. Die traditionsreiche Monte dei Paschi, im Jahr 1472 im italienischen Siena als Leihhaus für die Armen gegründet, ist einer der großen Verlierer der EZB-Prüfung. Nach den Unterlagen des Stresstests sind 2,14 Milliarden Euro nötig, um die drittgrößte Bank Italiens krisensicher zu machen – keine Bank in Europa braucht mehr.

Von den 130 Instituten, die von der EZB bei Stresstest unter die Lupe genommen wurden, sind ganze 25 durchgefallen. Insgesamt beziffert die EZB den europaweiten Kapitalbedarf auf 24,62 Milliarden Euro. Vor allem in Südeuropa sind viele Institute noch nicht sattelfest. 6000 Aufseher und Prüfer hatten die Bankenbilanzen streng unter die Lupe genommen. Die Kosten sollen im zweistelligen Millionenbereich liegen. Mit der Prüfung möchte die EZB das Vertrauen der Märkte in die europäischen Institute stärken. Das Ergebnis wurde von den Finanzmärkten mit Spannung erwartet – und dürfte besonders in Italien für einen turbulenten Börsenmontag sorgen.

Während sich die meisten nordeuropäischen Institute als robust erweisen, zeigen vor allem italienische Institute ihre Anfälligkeit bei Konjunkturproblemen. Von den 14 Banken aus Italien sind 9 durchgefallen, davon brauchen vier zusätzliches Kapital von insgesamt 3,31 Milliarden Euro. Neben Monte dei Paschi erweist sich vor allem Banca Carige als Sorgenkind und landet im Krisenszenario bei einer negativen Eigenkapitalquote von -2,4 Prozent.

In der Prüfung der EZB schmelzen besonders die Kapitalpolster der Italiener dahin, wie ein Speiseeis in der Sonne: Bei der Monte dei Paschi blieben von den Ende 2013 ausgewiesenen 10,7 Prozent harter Eigenkapitalquote nach der Bilanzprüfung, dem sogenannten Asset Quality Review(AQR), gerade einmal 7 Prozent übrig. Nach der Simulation mehrerer konjunkturschwacher Jahre erreicht das Institut aus Siena sogar ein negatives Eigenkapital.

Ab sofort bleiben der Bank zwei Wochen, um einen Kapitalplan vorzulegen, mit dem die Lücken im Eigenkapital in den nächsten neun Monaten geschlossen werden können. Geld, das die angeschlagene Bank an den Kapitalmärkten einsammeln muss. Für das Stopfen der Kapitallücken sind zunächst nicht die Steuerzahler der jeweiligen Länder zuständig. Die betroffenen Banken müssten in erster Linie selbst für dickere Puffer sorgen, stellte EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger am Sonntag in Frankfurt klar.

Das könne etwa durch Kapitalmaßnahmen oder den Verkauf von Beteiligungen oder Forderungen geschehen. „Wenn das nicht zum Erfolg führt, müssen wir darüber sprechen, was der Heimatstaat machen muss“, sagte Lautenschläger. Auch die Politik wird sich darum unangenehmen Fragen stellen müssen. Unter der Regierung Monti hatte Italien der drittgrößten Bank des Landes erst im Dezember 2012 bereits Kreditzusagen in Höhe von 4,1 Milliarden Euro gegeben. Wird das Geld nicht zurückgezahlt, kann die Bank verstaatlicht werden.

Seite 1:

Wo brennt’s denn?

Seite 2:

Umbaumaßnahmen zahlen sich aus

Kommentare zu " Banken im Stresstest der EZB: Wo brennt’s denn?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%