Banken in Bedrängnis
Der Fluch des festen Gehalts

Niedrigere Boni und höhere Festgehälter: Die neuen Vergütungsregeln für Banker sollten die Spekulation eindämmen, doch nun werden sie zum Problem für die Branche. Es drohen massive Entlassungen.
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London/DüsseldorfIn den Londoner Bankenbüros werden derzeit viele unangenehme Gespräche geführt. Es geht ums Geld, genauer gesagt ums Gehalt, und die Banken setzen ihren Mitarbeitern verbal die Pistole auf die Brust. „Die Gespräche laufen so: Wenn du mit weniger zufrieden bist, darfst du bleiben“, sagt Graham Paul, Arbeitsrechtler in der Kanzlei Dundas & Wilson. Wer einer Kürzung seines Gehalts nicht zustimmt, wird gefeuert. 

Die Banken müssen sparen, weil ihre Erlöse sinken. Doch die Personalkosten zu senken ist schwierig. Ausgerechnet eine Regelung, die die Spekulation eindämmen sollte, bringt die Banken nun in Bedrängnis – und sorgt möglicherweise für zusätzliche Entlassungen. 

In der Finanzkrise führten viele Länder neue Regeln zur Bezahlung von Bankern ein, auch Großbritannien. Die Boni wurden gedeckelt. Um ihre Leute halten zu können, erhöhten besonders Investment-Banken die Festgehälter. Und kommen jetzt nur schwer davon runter. Früher reduzierten sie in schlechten Jahren die erfolgsabhängige Vergütung drastisch. Das war damals der mit Abstand größte Block bei den Lohnkosten, die Personalausgaben sanken entsprechend. Doch bei den Festgehältern geht das nicht. 

Da die Banken nicht mehr flexibel und schnell auf wegbrechende Erträge reagieren können, bleiben ihnen in vielen Fällen nur Kündigungen übrig. Jonathan Nicholson, Managing Director bei der Personalberatung Astbury Marsden in London, hält einen Stellenabbau bei den Investment-Banken für unmittelbar bevorstehend. „Der Bonus-Topf ist kleiner als je zuvor", sagt er der Nachrichtenagentur Bloomberg, „die Festgehälter haben nun einen Anteil von 70 bis 80 Prozent an den gesamten Lohnkosten, also lässt sich weniger denn je mit dem Bonus-Topf machen". Der einzige Weg, die Lohnkosten wesentlich zu senken, sei der Stellenabbau.

Europäische Banken, darunter UBS, Barclays, HSBC, Royal Bank of Scotland und Credit Suisse haben seit Jahresmitte bereits mehr als 70.000 Stellenstreichungen angekündigt - mehr als in den USA, wo die Banken 42.000 Arbeitsplätze abbauen wollen, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht. Doch das dürfte noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. "Die reale Kostensenkung wird sich bei den Bonuspools und der Zahl der Mitarbeiter abspielen", sagt Tom Gosling von Pricewaterhouse Coopers in London.

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  • Oder auch Hier;
    http://rotman.utoronto.ca/nina.mazar/Media/Mazar_HaraldTribune_LargeStakes.pdf

  • Der Fluch der Bonus-Zahlungen:
    http://www.rotman.utoronto.ca/facbios/file/Mazar_LargeStakes_Restud_2009.pdf
    Je höher die Boni, desto schlechter die Leistungen der Manager...

  • Das ist doch alles lächerliches Drumrumgerede. Es sind einfach die Gehälter in der Branche viel zu hoch, egal wie die sich zusammensetzen.

    Beispiel: die Deutsche Bank hatte 2009 rund 77.000 Mitarbeiter, mit einem Durchschnittsgehalt von 147.000€.

    Läge das bei sagen wir 60.000e, wäre es immer noch sehr hoch für das, wa sdie leisten. Und die Deutsche Bank hätte jedes jahr ca. 5 Milliarden Euro übrig, die sie zum Deleveraging nutzen könnte. Aber das kommt ja nicht in die Tüte,nur ja keine Einschnitte bei den gewohnten üppigen Gehältern.

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