Banken in Europa Der Graben wird tiefer

Immer mehr Banken in Europa kämpfen ums Überleben und die florierenden Institute setzen sich mehr und mehr von den kriselnden Häusern ab, sagt eine aktuelle Studie. Auch deutsche Banken könnten auf der Verliererseite stehen.
Kommentieren
Die Bankenberater haben insgesamt 110 Institute analysiert und sich deren Bilanzen und Geschäftsmodelle genauer angesehen. Quelle: dpa
Londoner Finanzdistrikt Canary Wharf

Die Bankenberater haben insgesamt 110 Institute analysiert und sich deren Bilanzen und Geschäftsmodelle genauer angesehen.

(Foto: dpa)

FrankfurtKurz zusammengefasst lautet die Diagnose: Der Zustand ist kritisch. Das trifft auf 28 Prozent der europäischen Banken zu und damit sieben Prozentpunkte mehr als Ende2015. Zu diesem Ergebnis kommt die Beratungsgesellschaft Bain & Company in ihrem jüngsten Gesundheitscheck des europäischen Bankensektors. Haben vor gut einem Jahr noch 23 Institute ums Überleben gekämpft, ist diese Zahl bis Ende 2016 auf 31 gestiegen.

Die Krise der Branche sei noch lange nicht ausgestanden, sagt daher Bain-Bankenexperte Dirk Vater. Und das obwohl Geldhäuser ihr Kapital erhöht, Geschäftsteile verkauft, Risiken und Personal abgebaut haben.

Die Bankenberater haben insgesamt 110 Institute analysiert, sich ihre Bilanz und ihr Geschäftsmodell genauer vorgenommen. Die Erfahrungen seit der Finanzkrise hätten gezeigt, es gibt eine bewährte Lösung für die Probleme der Branche, heißt es in der Studie. Wenn Regulierer und das Führungsgremium die in solchen Fällen notwendigen harten Entscheidungen auch wirklich umsetzten, dann könnte jedes Institut innerhalb von drei bis fünf Jahren die Wende schaffen.

Geldhäuser, die den Weg eingeschlagen haben, konnten ihre Position noch verbessern, so dass die Kluft zwischen den Gewinnern und Verlierern in der Bankenbranche offenbar tiefer wird: „Eine ausgewählte Gruppe von Banken, die gut abschneidet, hat ihren Vorsprung gegenüber den permanenten Nachzüglern ausgebaut“, schreiben die Autoren der Studie von Bain & Company. Zu den Gewinnern zählen sie 38 Prozent der europäischen Banken, darunter vor allem Institute aus Skandinavien, Belgien und den Niederlanden. Sie würden die Konkurrenten in bei nahezu allen Kennzahlen hinter sich lassen. Das traf Ende 2016 auf 42 Banken zu, Ende 2015 waren es 38 Institute.

Weniger Filialen, weniger Mitarbeiter
Kreditbanken
1 von 10

Alle deutschen Privatbanken – sowohl die Großbanken, Regionalbanken wie auch die Zweigstellen ausländischer Banken – haben die Zahl ihrer Beschäftigten drastisch verringert. Von 171.200 Beschäftigten im Jahr 2014 waren Ende 2016 noch 166.050 übrig: Das ist ein Abbau von rund 5.000 Beschäftigten in drei Jahren. Bei der Entwicklung der Institutszahlen und der Zweigstellen ergibt sich jedoch kein einheitliches Bild.

Quelle: Deutsche Bundesbank

Großbanken
2 von 10

Deutschlands Großbanken, zu denen die Bundesbank die Commerzbank, die Deutsche Bank, die Deutsche Postbank und Hypovereinsbank zählt, haben die Zahl der Zweigstellen rapide verringert. 7.443 Zweigstellen gab es noch 2014, im vergangenen Jahr waren es nur noch 7.005.

Regionalbanken
3 von 10

Die Zahl der deutschen Regionalbanken – private Kreditinstitute, die mit oder ohne Zweigstellennetz nur in einer bestimmten Region Geschäfte betreiben – verringerte sich von 176 Instituten im Jahr 2014 auf 166 Institute. Im selben Zeitraum wurden 118 Zweigstellen geschlossen, damit gibt es 2016 noch 2.245 Filialen deutscher Regionalbanken.

Zweigstellen ausländischer Banken
4 von 10

Besser sieht die Bilanz ausländischer Banken aus. Zwar hat sich auch bei ihnen die Zahl der in Deutschland tätigen Institute in den letzten drei Jahren von 115 auf 110 verringert. Gleichzeitig wurde jedoch das Zweigstellennetz ausgebaut. Nun haben ausländische Banken 156 Niederlassungen in Deutschland. 2014 waren es nur 148.

Landesbanken
5 von 10

Auch bei den deutschen Landesbanken ist vieles in Bewegung: Die Institute, die gemeinsam vom jeweiligen Bundesland und den regionalen Sparkassen- und Giroverbänden getragen werden, reduzierten die Zahl der Zweigstellen von 408 auf 384. Knapp 2.000 Beschäftigte mussten in den letzten drei Jahren gehen. Ende 2016 zählte die Bundesbank noch 31.800 Stellen.

Sparkassen
6 von 10

Aufmerksam verfolgt wurde in den letzten zwei Jahren der Rückbau des Zweigstellennetzes bei den Sparkassen. Wo früher in jedem noch so kleinen Ortsteil eine Sparkassenfiliale zu finden war, müssen Kunden für eine persönliche Beratung nun häufig bis ins Stadtzentrum fahren. Kein Wunder: Von ehemals 11.951 Zweigstellen sind 2016 nur noch 10.555 vorhanden, also rund 1.500 weniger. Das hatte auch Auswirkungen auf die Beschäftigtenzahl: Knapp 15.000 Sparkassenmitarbeiter mussten gehen, Ende 2016 waren noch 224.700 Menschen in Voll- oder Teilzeit bei einem öffentlich-rechtlichen Geldinstitut beschäftigt.

Kreditgenossenschaften
7 von 10

Auch die Zahl der genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken ist leicht gesunken. Die noch 975 Institute (2015: 1.050) bauten gut 100 Zweigstellen ab. Fast 7.000 der ehemals 158.700 Mitarbeiter mussten gehen. Auf den Sparkassen und Kreditgenossenschaften, deren Geschäftsmodelle auf das traditionelle Kreditgeschäft ausgerichtet sind, lastet ein zunehmender Margendruck. Dieser fällt im Vergleich zu den meisten anderen Bankengruppen höher aus, wofür die hohen Anteile der Sichteinlagen von inländischen privaten Haushalten sowie zahlreiche langfristige Wohnungsbaukredite verantwortlich sind, schreibt die Bundesbank in ihrem Bericht.

Fast allen an der Studie beteiligten deutschen Geldhäusern attestieren die Bain-Experten dagegen Schwächen im Geschäftsmodell. Das trifft auf 17 Prozent der europäischen Banken zu. Sie hätten zwar ihre Bilanz weitgehend in Ordnung gebracht, aber sie hätten Probleme, ein rentables Geschäftsmodell zu finden. „Ihre Profitabilität und ihre Effizienz bewegen sich auf dem niedrigen Niveau der griechischen Wettbewerber“, heißt es.

Die Verlierer im Bankensektor kämpfen dagegen mit Bilanzproblemen und gleichzeitig auch mit massiven Schwächen ihres Geschäftsmodells. Laut Bain & Company sind diese Institute vor allem in Spanien, Italien und Portugal. Dazu zählte auch Banco Popular, die inzwischen in einem Notverkauf an die Großbank Santander ging.

Bain-Bankexperte Vater mahnt radikalere Schritte an. So könne der Sprung in die Gewinnerkategorie gelingen.

Startseite

Mehr zu: Banken in Europa - Der Graben wird tiefer

0 Kommentare zu "Banken in Europa: Der Graben wird tiefer"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%