Banken-Konkurrenz
Top-Banker zieht es in die Provinz

Eigene Entscheidungen statt Bürokratie, Familie statt Geschäftsreise – immer weniger Top-Banker wollen in den kalten Türmen der Finanzmetropolen Karriere machen. Stattdessen zieht es sie in die behagliche Provinz.
  • 0

Wall Street Banken haben in der Vergangenheit talentierte Mitarbeiter an Hedgefonds, Buyout- Gesellschaften und Technologieunternehmen verloren. Nun wildert eine neue Gruppe in ihren Reihen: kleinere Banken aus der US- Provinz wie Rhode Island oder Ohio. Die Regionalbanken locken Manager von ihren großen Konkurrenten – und das mit einer nie zuvor gekannten Leichtigkeit. Etwa die Hälfte der Kandidaten für Stellen im gehobenen Management bei mittelgroßen Banken sind Menschen, in deren Lebensläufen sich Namen wie Citigroup und JPMorgan finden, schätzt Robert Voth, Geschäftsführer für den Finanzdienstleistungssektor beim Personalberater Russell Reynolds Associates. Vor der Kreditkrise 2008 lag der Prozentanteil bei rund einem Fünftel.

Regionalbanken sind zwar nicht die aggressivsten Jäger, aber überaus motiviert. Neue Regulierungen, neue Technologien und der Wettbewerb durch Start-up Unternehmen zwingen sie zur Anpassung. Personalberater verweisen darauf, dass in manchen Fällen ganze neue Abteilungen aufgebaut werden. „Regionalbanken verfügen nicht über ein umfassendes Reservoir an Leuten mit diesen Fähigkeiten, deshalb müssen sie sich weiter oben umschauen”, sagt Voth.

Die Gründe, der Großbank den Rücken zu kehren, sind vielfältig: Zum Beispiel die Chance, weitreichende Entscheidungen mitzugestalten, ohne von der Bürokratie erschlagen zu werden; der Wunsch, sich in einer Turnaround-Situation hervorzutun, und eine bessere Vereinbarkeit von Arbeitsplatz und Familie. So kommt es, dass sich die Manager in die Dienste von Banken begeben, wie zum Beispiel Regions Financial Corporation in Birmingham im US- Bundesstaat Alabama oder Fifth Third Bancorporation in Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio. Während Geld im Fall von Stellenbesetzungen im Investmentbanking entscheidend ist, sagen Personalberater, dass Führungskräfte üblicherweise bei einem Wechsel anderen Faktoren Beachtung schenken.

Für Maria Teresa Tejada war nach 16 Jahren bei Goldman Sachs klar, dass der Weg in den Rang des heißbegehrten Status als Partner in der Wall Street Bank ihr verwehrt bleiben würde. Tejada war für die US-Bank in London in der Risikobewertung tätig. Sie fand es schwer, ihren Vorgesetzen zu vermitteln, wie wertvoll sie für die Abteilung war. Einen Mentor, der sie unterstützen könnte, hatte sie nicht. Als Leiterin des Kreditgeschäfts bei Key in ihrer Heimatstadt Cleveland fand sie jene Verantwortlichkeit und Rolle in Entscheidungsprozessen, die sie angestrebt hatte. Goldman ist zwar nach Bilanzsumme und Erträgen neun Mal größer. Aber der Wegzug aus dem teuren Londoner Stadtteil South Kensington in die beste Wohngegend Clevelands, Shaker Heights, brachte unerwartete Vorteile mit sich. „Wir können hier unserer Tochter ein besseres Leben ermöglichen. Sie kann mit dem Rad zur Schule fahren und viel Zeit draußen verbringen. Es war nicht nur ein Karriereschritt, sondern auch eine Verbesserung meiner persönlichen Situation”, sagt Tejada.

Seite 1:

Top-Banker zieht es in die Provinz

Seite 2:

Mehr eigene Entscheidungen sind gefragt

Kommentare zu " Banken-Konkurrenz: Top-Banker zieht es in die Provinz"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%