Banken-Posse

PSD-Verband einigt sich mit Regensburger Ex-Genossen

Der genossenschaftliche PSD-Bankenverband und ein Institut aus Regensburg haben ihren jahrelangen Rechtstreit beigelegt. Für den Verband bedeutet das: Sein Einflussbereich ist künftig kleiner.
Kommentieren
Seit Jahren wirbt der Fußball-Nationalspieler für die PSD Bank Köln. Quelle: PR
Lukas Podolski

Seit Jahren wirbt der Fußball-Nationalspieler für die PSD Bank Köln.

(Foto: PR)

FrankfurtDer blinde Fleck auf der Deutschlandkarte des genossenschaftlichen PSD-Bankenverbandes springt sofort ins Auge: Jedes der 14 Mitgliedsinstitute hat sein klar eingegrenztes Geschäftsgebiet, zwischen Kiel und München, Köln und Brandenburg. Doch die Region südöstlich von Nürnberg und nordöstlich von München bleibt leer. Bis zum vergangenen Jahr war dort die PSD-Bank Niederbayern-Oberpfalz vermerkt. Doch die Regensburger haben den Verband nach jahrelangem Streit zum Jahresende verlassen.

Den Zwist, bei dem sich zwischenzeitlich sogar das Bundeskartellamt eingeschaltet hatte, haben die Genossen nun beendet: „Wir haben uns gütlich einigen können“, sagte der neue Verbandschef Dieter Jurgeit, der am Mittwoch erstmals die Bilanz der PSD-Bankengruppe vorstellte. Beide Seiten hätten ihre Klagen zurückgezogen, sämtliche juristische Auseinandersetzungen seien damit erledigt. Gegenüber dem Handelsblatt sprach der Anwalt der PSD-Niederbayern-Oberpfalz, Edgar Steinle, jedoch von einem außergerichtlichen Vergleich: Darin seien auch Entschädigungsregelungen im Hinblick auf Anwalts- und Gerichtskosten getroffen worden. Details nannte er jedoch nicht. Dem widersprach Jurgeit auf Nachfrage.

Die Niederbayern hatten von 2014 an ihr Geschäft nicht mehr auf die Heimatregion beschränkt, sondern boten ihre Dienstleistungen bundesweit an. Damit steigerten sie zwar ihren Gewinn auf Rekordniveau, zogen jedoch den Zorn der 14 übrigen Institute und den des PSD-Verbandes auf sich. Dessen Einfluss ist groß: Der Verband ist nicht nur Interessensvertreter, sondern auch Wirtschaftsprüfer seiner Mitglieder. Übt er in den Prüfberichten Kritik, ruft das schnell die Finanzaufsicht auf den Plan. Die PSD Niederbayern-Oberpfalz fühlte sich gegängelt, wollte den Verband verlassen. Sie klagte vor dem Landgericht Bonn und schaltete das Kartellamt ein.

Doch der Führungswechsel an der Spitze des PSD-Verbandes brachte offenbar Ruhe in den juristischen Schlagabtausch mit den abtrünnigen Genossen. „Wir sind immer korrekt miteinander umgegangen, seit ich das Zepter in der Hand halte“, sagte Jurgeit. Auch Anwalt Steinle begrüßte die Einigung: Die PSD-Niederbayern-Oberpfalz, die sich heute „Meine Bank“ nennt, sei zufrieden, sagte er dem Handelsblatt.

„Wesentlich für meine Mandantin war und ist dabei, dass sie im Hinblick auf ihre bisherige Firmierung künftig weiter Schutz genießt“, sagte Steinle weiter. Das bedeutet, dass keine andere Bank sich künftig unter dem Namen PSD Bank Niederbayern-Oberpfalz betätigen darf.

Konkurrenz aus benachbarten Bezirken bleibt aus

So stark bestrafen Banken „Fremdgehen“
Deutsche Bank
1 von 15

Deutschlands größte Bank betreibt landesweit mehr als 2.000 Geldautomaten. Deutsche-Bank-Kunden kostet das Geldabheben nichts. Wer sein Konto bei einem anderen Geldhaus führt, zahlt an Automaten der Deutschen Bank 3,95 Euro Kundenentgelt.

Postbank
2 von 15

An den 2.370 Automaten der Postbank zahlen fremde Kunden ebenfalls eine Gebühr von 3,95 Euro.

Stadtsparkasse München
3 von 15

Wer sich als Commerzbank-, Deutsche-Bank-, Volksbank- oder Kunde einer anderen fremden Bank an einem der 230 Geldautomaten der Stadtsparkasse München Geld ziehen will, wird mit einer Gebühr von 3,95 Euro bestraft.

Sparkasse Hannover
4 von 15

Teurer wird es in Hannover: An Geldautomaten der Sparkasse Hannover müssen Fremdkunden vier Euro Gebühren hinblättern. Die Bank unterhält in der Stadt und Umgebung 222 Automaten

Frankfurter Sparkasse
5 von 15

Kunden der Frankfurter Sparkasse können an 209 Geldautomaten in der Stadt und der Umgebung Bares abheben. Alle anderen Kunden zahlen eine Gebühr von 4,50 Euro.

BW Bank
6 von 15

Zu den zehn Banken, die Fremdkunden mit den höchsten Gebühren fürs Geldabheben belasten, gehört auch die Baden-Württembergische Bank. Wer sein Konto nicht bei den Stuttgartern führt und dennoch einen ihrer 229 Geldautomaten nutzt, zahlt 4,55 Euro.

Hamburger Sparkasse
7 von 15

Eine weitere Sparkasse langt bei fremden Kunden kräftig zu: Wer einen von 360 Bankautomaten der Hamburger Sparkasse nutzt, zahlt als Kunde einer anderen Bank 4,75 Euro.

Bisher haben die Regensburger den Namen „PSD Bank Niederbayern-Oberpfalz“ noch nicht aufgegeben. Er findet sich zwar klein, aber noch prominent auf ihrer Internetseite. „Wir gehen davon aus, dass sie einen neuen Namen finden“, sagte Verbandschef Jurgeit. Die Regensburger seien dem Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband beigetreten.

Konkurrenz aus den benachbarten PSD-Bezirken müssten die Niederbayern nicht befürchten: „Wir gehen nicht aktiv in den Markt hinein“, versprach er. Die Chefs der übrigen 14 PSD-Banken würden weiter auf Regionalität setzen. Vorgaben des Verbandes gebe es jedoch nicht: „Selbst wenn ein Mitglied als Geschäftsgebiet ganz Europa definiert – wir haben da keine Karten im Spiel.“

Der Fokus aufs regionale Privatkundengeschäft und die Baufinanzierung habe sich jedoch bewährt, erklärt Jurgeit. Trotz Niedrigzinsphase stieg der Zinsüberschuss der PSD-Gruppe im Jahr 2016 leicht, der Gewinn nach Steuern um 1,6 Prozent auf 44,8 Millionen Euro. Trotzdem schauen sich die Genossen nach neuen Ertragsquellen um: So wolle man selbständige Privatkunden künftig bei der Baufinanzierung als Kunden gewinnen. „Diese Klientel können wir bislang nicht bedienen“, so Jurgeit. Firmenkunden werde man jedoch auch weiterhin nicht ansprechen.

Mit den PSD-Banken in Nürnberg, Düsseldorf, Köln und Hamburg steigen zudem vier Institute ins Pfandbriefgeschäft ein, um sich günstiger refinanzieren zu können. Außerdem mischt die Gruppe mit zwei Geldhäusern bei einem Pilotprojekt der Genossenschaftsbanken mit, Fondsberatungen von einem Roboter erledigen zu lassen. Bis zum Sommer 2017 soll der Robo-Advisor serienreif sein. Vom Streit mit den Genossen in Regensburg bleibt künftig nur noch der blinde Fleck auf der Deutschlandkarte des PSD-Verbandes.

Startseite

0 Kommentare zu "Banken-Posse: PSD-Verband einigt sich mit Regensburger Ex-Genossen"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%