Banken-Rekapitalisierung

Commerzbank-Chef findet klare Worte

Commerzbank-Chef Martin Blessing ruft den Staat auf, klare Regeln für die Rekapitalisierung der Banken aufzustellen. Andernfalls würde die Krise noch verschärft. Im Fall Griechenland plädiert er für einen Staatsbankrott.
Update: 21.10.2011 - 06:23 Uhr 23 Kommentare
Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank AG. Quelle: dpa

Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank AG.

(Foto: dpa)

BerlinCommerzbank-Chef Martin Blessing hat einem Zeitungsbericht zufolge vom Staat klare Regeln für eine Rekapitalisierung der Finanzinstitute gefordert. Die Vorgaben müssten schnell kommen und für alle gelten, sagte der Manager in einem Interview der „Bild“-Zeitung laut Vorabmeldung.

Es gehe um gleiche Wettbewerbsbedingungen und darum, Schaden von der Wirtschaft abzuwenden. „Denn wenn man Banken 18 Monate Zeit gibt, eine bestimmte Kapitalquote zu erreichen, dann werden sie versuchen, dies durch Abbau von Geschäft zu schaffen.“ Damit würde die Kreditvergabe an Unternehmen erschwert. Zudem würden alle versuchen, ihre Staatsanleihen zu verkaufen statt Kapital aufzunehmen. „Die Krise würde also noch verschärft“, wurde Blessing zitiert.

Nach Angaben der österreichischen Finanzministerin Maria Fekter sollen die europäischen Banken vor dem Hintergrund der Schuldenkrise ihre Bilanzen mit insgesamt 100 Milliarden Euro Kapital stärken. Die deutschen Großbanken brauchen aber wohl kein neues Geld vom Staat.

Nach Berechnungen der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde reicht ihnen dazu ein mittlerer einstelliger Milliardenbetrag, wie zwei mit dem Belastungstest der Aufseher vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag sagten.

Blessing forderte indes erneut einen Schuldenschnitt für Griechenland, das nur mit internationaler Hilfe seine Rechnungen noch bezahlen kann. Auch die Auszahlung der nächsten Hilfs-Tranche für Griechenland hat Blessing in Frage gestellt.

„Ohne echte Restrukturierung der griechischen Staatsschulden und Wiederaufbau-Programm ist Griechenland nicht geholfen und wird sich der Markt nicht beruhigen.“ Die letzte Vereinbarung zwischen der Politik und privatem Sektor habe das Problem nicht gelöst, sagte Blessing der Vorabmeldung zufolge. „Das geht aus meiner Sicht nicht freiwillig, sondern nur indem Griechenland selbst seine Zahlungsunfähigkeit erklärt.“

„Der freiwillige Verzicht ohne Bankrotterklärung ist Gift für die Glaubwürdigkeit von Staatsanleihen auch anderer Länder. Es muss klar werden, dass Staaten nur zwei Möglichkeiten haben: Entweder sie bedienen ihre Schulden wie vereinbart oder sie erklären sich für insolvent mit allen harten Konsequenzen“, sagte Blessing.

  • rtr
  • afp
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23 Kommentare zu "Banken-Rekapitalisierung: Commerzbank-Chef Blessing fordert eine schnelle Lösung"

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  • @ Ben

    Bin Ihrer Meinung. Die Frage ist nur, für wen es böse werden wird. Für die Hochfinanz, die alle Fäden in der Hand hält? Oder das Volk in einem neuen totalitären System?

    Die Elite zieht die Schlinge zu - und das Volk, die hundert Bruchteile - sind wehrlos, weil völlig uneinig und desinformiert.

    Es wird gerade ausgetestet wie weit man gehen kann. Allerorts wird die Demokratie mit Füßen getreten, die soziale Gerechtigkeit liegt längst schon im Staub. Und was tun wir alle: Nichts. Wir schauen zu wie man uns das Fell über die Ohren zieht.

    Oder wie Bilderberg es ausdrücken würde würde:

    "..it was agreed that a nation or world of
    people who will not use their intelligence are no better than animals who do not have
    intelligence. Such people are beasts of burden and steaks on the table by choice and
    consent."

  • Es kommt so, wie es kommen soll. Die Banken haben sich längst auf eine Pleite Griechenlands eingestellt, es wäre auch fatal, wenn nicht. Geht Griechenland Pleite, dann bekommen es vornehmlich die Griechen und die europäischen Steuerzahler zu spüren. Keine Bank wird wegen der Insolvenz von ihrem Land im Stich gelassen. Schaffen es die Griechen trotzdem, dann haben alle gewonnen. Ich denke das muss man nicht der griechischen Politik kommunizieren, sondern der Bevölkerung. Die Gelegenheit dazu ist einmal verpasst worden. Das von Papandreou angestrebte Referendum. Verhindert durch Merkosy. Nicht die Insolvenz, die europäische Politik, die diversen Hilfsfonds werden Griechenland retten, sondern das Volk selber. Vor einer Pleite, während einer Pleite, nach einer Pleite. Das Ergebnis wird immer das gleiche sein: ein beschädigter Staat. Es geht nicht um Geld sondern um Mentalität. Und die muss geändert werden. Sonst hilft kein Cent.

  • Nicht nur dass das Einprügeln auf die Banken ein Ende hätte, viele dieser Institute hätten im Bankrottfall Griechenlands auch ein anrecht ihre CDS auf griechische Staatsanleihen geltend zu machen, was bei einem freiwilligen Verzicht eben nicht möglich ist. Das Problem was aber dann entsteht ist das die Versicherer (ähnlich dem Fall AIG) diese Forderungen, zumal es auch sehr viele ungedeckte CDS, die ein Vielfaches der realen Verschuldung sind, gibt, gar nicht erfüllen können. Ein Finanzchaos währe die Konsequenz mit, wie im Falle von AIG, der wiederholten Intervention der Staaten (wieder wird der Steuerzahler belastet) um diesen abzuwenden.

  • Blessing schaetzt die Lage aehnlich ein wie ich. Nur die Vorgehensweise ist verschieden.

    Die Bundesregierung sollte ernst machen.

    Sie hat die Commerzbank nicht nur mit Eigenkapital sondern auch mit einem Darlehen vollgestopft. Das sie diese Komponenten nicht verzinst ist ein anderes Thema. Es ist an der Zeit, dass die Bundesregierung ihr unverzinsliches Darlehen in Eigenkapital umwidmet und die gesamte Bank verstaatlicht. Das schafft Ruhe und Klarheit und bestimmt die Musik.

    Das waere ein richtiger und praeventiver Schritt, der gleichzeitig auch die Vorgehensweise in anderen Laendern manifestieren wuerde.

    Nur Mut. Ackermann wuerde gewiss das Zeichen verstehen. So bloed ist der auch nicht.Zugegeben, der Vorschlag passt nicht zur Person: Merkel, wuerde dasleidige Thema aber schnell und heilsam beenden.










  • "Es gehe um gleiche Wettbewerbsbedingungen.."
    Zur Erinnerung. Herr Blessing lies sich mit 3,5 Mrd an ersparten Zinsen auf die 18 Mrd stille Einlage (9% Kupon 2 1/4 Jahre lang)vom Steuerzahler subventionieren. Vielmehr betrog er denselben durch Bilanztricks (kein Gewinn nach HGB, sehr wohl nach IFRS) sogar noch um die Auszahlung ueber die bis dahin verheimlichte "Gewinn-Klausel" im SoFFin Rettungspaket.
    Diese klinisch tote Commerzbankkonkurrierte dadurch mit Sparkassen und Volksbanken um Marktanteile und Kunden.
    (Danke die Herren Asmussen und Weidmann!)
    Hoechstwahrscheinlich hat sich die Kapitalmarktabteilung schon laengst auf einen Griechenlandausfall positioniert (z.B. Credit Default Swaps "long protection"). Das redet er nun herbei..

  • d

  • Angesichts der Tatsache mit welchem ausschließlichen Versagen Herr Blessing nach allen Seiten glänzt und dem Umstand das Deutschland gut 25% dieser Bank hält, währe es da nicht möglich, das Frau Merkel diesem allenfals "besseren Teppichhändler" endlich einmal auf die Finger haut!

    Es kann doch nicht sein das ausgerechnet der Vorsitzende aus dem Tal der Ahnungslosen Forderungen stellt!

  • Blessing liegt in den meisten Punkten völlig richtig und auch die Vorwürfe, seine Bank sei schlecht gemanagt oder problematisch, sind völliger Unsinn. Tatsache ist, das sie ein paar Mrd. vor einiger Zeit geliehen bekam, die sie grösstenteils bereits zurück gezahlt hat. Sie hat allerdings auch (wie alle) den Fehler gemacht, sich der Politik zu beugen und zu viele Staatsanleihen (den gesetzlichen Regeln folgend, das nur diese als sicher zu behandeln seien) zu kaufen. Wenn er anspricht, das Banken Staatsanleihen verkaufen müssten - ja genau das sollte dringend geschehen! Auch der Besitz französischer oder deutscher Staatsanleihen ist dumm und gefährlich, wenn man die Verschuldung der beiden Länder (schon ohne Rettungsschirm-Kosten) betrachtet. BRD: 2 Bio. Schulden plus Haftung für Pensionen plus Haftung für Bundesländer ... je nach Betrachtungweise entspricht das dem 5 bis 10-fachen Jahresumsatz des Staates (der aufgrund hoher Steuersätze (=Preise) nicht mehr gesteigert werden kann). So schlecht geht es nicht einmal Pleitefirmen .. Und über Preis- (Steuer-) Senkungen den Umsatz zu steigern, fällt Politikern im Gegensatz zu Unternehmen ja nicht ein! Dagegen sprächen ja die Sachzwänge der Beamtengehälter und Pensionen (g)

  • Ganz so schlimm ist es nicht. Die Commerzbank hat durch ihre letzte Kapitalerhöhung den größten Teil der Staatshilfen zurück gezahlt. Im Privatkundengeschäft steht die Commerzbank sehr gut da. Nur die Märkte (Börse) nimmt dies, aus welchen Gründen auch immer (Zukunftsangst gepaart mit Leerverkäufen etc.), nicht an. Daher liegt das KBV der Commerzbank ja gegenwärtig auch bei 0,1.

  • Herr Blessing hat vollkommen recht. Und er bringt mit seinen Satz: “„Denn wenn man Banken 18 Monate Zeit gibt, eine bestimmte Kapitalquote zu erreichen, dann werden sie versuchen, dies durch Abbau von Geschäft zu schaffen.“ Damit würde die Kreditvergabe an Unternehmen erschwert. Zudem würden alle versuchen, ihre Staatsanleihen zu verkaufen statt Kapital aufzunehmen. „Die Krise würde also noch verschärft“ genau dass zum Ausdruck was intelligente Menschen begreifen, Politiker aber nie. Dass gewisse Konditionen gewisse Konsequenzen nach sich ziehen, die Frucht der Menschlichen Psyche sind. Und nicht dass, was Politiker immer glauben (und für sich schon eine ungeheuer anmaßende Haltung ist), man durch gewisse Konditionen Menschen dazu anhalten (nötigen) kann gewisse Dinge zu tun. Daher erreichen Politiker mit ihren Maßnahmen immer genau das Gegenteil von dem was sie wollten. Auch in Falle Griechenlands erreicht die internationale Politik, mit ihren drakonischen Sparforderungen, nur dass die einzigsten, die Griechenland helfen könnten, nämlich die Reichen, ihr Geld außer Landes schaffen und damit die Situation nur noch verschlimmern. Aber wie Einstein schon sagte: „die menschliche Dummheit ist unendlich...“.

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