Banken Schweizer Staat lässt UBS nicht frei

Der Schweizer Staat hat nächste Woche die Wahl: Er kann seinen Anteil an der UBS verkaufen und die Bank auf eigenen Füßen stehen lassen. Doch die Regierung verzichtet auf diese Möglichkeit und bleibt Aktionär bei dem Geldhaus. Der Grund liegt auf der Hand: Man traut der UBS nicht recht über den Weg.
Der Staat lässt die UBS nicht los. Quelle: ap

Der Staat lässt die UBS nicht los.

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HB ZÜRICH. Der Schweizer Staat behält die von der Finanzkrise schwer gebeutelte Großbank UBS unter seinen Fittichen. Weil die Bundesregierung das Institut noch nicht ausreichend gefestigt sieht, will sie auch nach Ablauf einer Sperrfrist in der kommenden Woche an ihrer UBS-Beteiligung festhalten. Finanzminister Hans-Rudolf Merz erklärte am Freitag im Parlament, ein Ausstieg des Staates komme erst infrage, wenn die Bank stabil genug sei, „die Anforderungen bei den Eigenmitteln zu erfüllen“.

Die Schweizerische Eidgenossenschaft hatte im letzten Jahr auf dem Höhepunkt der Finanzkrise dem wankenden Bankriesen mit einer Pflicht-Wandelanleihe von sechs Mrd. Franken (vier Mrd. Euro) unter die Arme gegriffen und sich so knapp zehn Prozent an UBS gesichert. Ab dem 9. Juni könnte der Staat nach Ablauf einer sechsmonatigen Sperre die Anleihe direkt verkaufen oder in Aktien wandeln und für diese dann Investoren suchen. Von dieser Möglichkeit wird nun aber kein Gebrauch gemacht.

Nach Ansicht des Bankenanalysten Andreas Venditti ist die Kapitalausstattung der größten Schweizer Bank in Ordnung. Aber das Geldhaus habe noch nicht alle Probleme hinter sich. Das zweite Quartal könnte weitere Einmalbelastungen und unter dem Strich rote Zahlen bringen. Im ersten Quartal erwirtschaftete UBS einen Verlust von rund zwei Mrd. Franken. In der Vermögensverwaltung zogen die Kunden weiterhin Geld ab.

UBS kommt trotz der Verluste auf eine im internationalen Vergleich hohe Kernkapitalquote von 10,5 Prozent, die nach dem Verkauf der brasilianischen Tochter Pactual auf 11,0 Prozent steigen soll. Die Schweizer Bankenaufsicht FINMA und die Schweizerische Nationalbank (SNB) verlangen von den Banken aber den Aufbau höherer Kapitalquoten, damit die Institute künftig gegen Schocks besser geschützt sind und das in der Vermögensverwaltung so wichtige Kundenvertrauen nicht wieder beschädigt wird.

SNB-Vizepräsident Philipp Hildebrand hatte zuletzt gesagt, ein Ausstieg des Staates könnte für UBS zwar positive Signale setzen. „Entscheidend ist aber, dass die Kapitalbasis und die Solidität der Bank über eine Palette von Maßnahmen gestärkt werden“, fügte er hinzu.

Es kursieren immer wieder Spekulationen, im Nahen oder Fernen Osten gebe es Investoren, die an einem Einstieg bei UBS Interesse hätten. Eine Übernahme der Bundesbeteiligung würde UBS aber kein frisches Kapital bringen.

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