Banken: SEB findet keinen Käufer für deutsche Privatkunden-Tochter

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SEB findet keinen Käufer für deutsche Privatkunden-Tochter

Die schwedische Großbank kommt nicht weiter bei der Veräußerung des deutschen Privatkundengeschäfts: Die Finanz- und Wirtschaftskrise schreckt potenzielle Interessenten ab. Die Option für einen Verkauf liegt offenbar auf Eis.

FRANKFURT. Die schwedische Großbank SEB tritt bei den Überlegungen zum Verkauf ihres Privatkundengeschäfts hierzulande auf der Stelle. "Das verzögert sich", sagte ein Insider gestern dem "Handelsblatt". "Wer will in diesen Zeiten schon eine Bank kaufen?"

Wie es in Branchenkreisen heißt, stießen die im Herbst vergangenen Jahres begonnenen Sondierungen des Marktes zum Verkauf der SEB-Tochter auf wenig Interesse. Kein Wunder: Wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise sind derzeit praktisch alle Kreditinstitute auf sich selbst konzentriert. Dies gilt insbesondere für die heimischen Spieler, die Analysten zufolge theoretisch noch am ehesten für eine Übernahme in Frage gekommen wären. Denn bei nationalen Fusionen ist das Synergiepotenzial in aller Regel deutlich höher.

Doch die Commerzbank steckt mitten in der Übernahme der Dresdner Bank, die Deutsche Bank musste 2008 einen Verlust von 3,9 Mrd. Euro ausweisen. Und die Münchener HVB wird hinsichtlich Zukäufen von der italienischen Mutter Unicredit an der kurzen Leine gehalten.

SEB selbst lehnt eine Stellungnahme ab. Die Schweden hatten Ende vergangenen Jahres die US-Investmentbank Morgan Stanley beauftragt, Optionen für das ertragsschwache deutsche Retail-Geschäft zu prüfen.

SEB ist in Deutschland mit 174 Filialen vertreten. 1 850 Mitarbeiter betreuen rund eine Million Privatkunden, insgesamt hat die SEB-Tochter mehr als 3 800 Beschäftigte. 2008 konnte die Bank hierzulande von Januar bis September lediglich auf einen Gewinn von 72 Mio. Euro verbuchen - fast ein Viertel weniger als im Vorjahr.

Die Krise führt dazu, dass praktisch alle Banken Angst vor einem Scheitern von Zukäufen haben. Gleichzeitig müsste ein Haus wie SEB - selbst wenn es Interessenten gäbe - massive Bewertungsabschläge hinnehmen. Aktionäre könnten damit den Vorwurf erheben, die Schweden würden ihre Tochter verramschen.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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