Banken-Studie
Bei Europas Banken schlummert eine Billion Euro an faulen Krediten

In den Bilanzen europäischer Banken liegen faule Kredite in Höhe von einer Billion Euro. Das hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC berechnet. Vor allem Häuser in den Eurokrisenländern sitzen auf Problemkrediten.
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FrankfurtIn den Bilanzen europäischer Banken schlummern einer Studie zufolge faule Kredite im Rekordvolumen von mehr als einer Billion Euro. Nach Berechnungen der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) standen Ende 2011 Verbindlichkeiten, die von den Gläubigern nicht fristgerecht getilgt wurden, im Nominalwert von rund 1,05 Billionen Euro in den Büchern. Das waren fast neun Prozent mehr als 2010, wie PwC am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Vor allem die Banken in den Euro-Krisenländern Griechenland und Spanien hatten mehr Problemkredite in den Bilanzen.

Von 2008 bis 2011 habe sich das Volumen der Kredite, auf die seit längerem keine Zinsen mehr gezahlt werden oder die nicht fristgerecht getilgt werden, auf nominal 1,05 Billionen Euro praktisch verdoppelt. Dazu kommen laut PwC 1,5 Billionen Euro an Kreditportfolien, die zwar nicht notleidend sind, die für die Banken aber nicht mehr zum Kerngeschäft zählen und deshalb abgebaut werden sollen.

Vor allem in den südeuropäischen Krisenstaaten nahmen die sogenannten "Non Performing Loans" (NPL) zu: in Spanien um 23 Prozent auf 136 Milliarden Euro, in Italien um 37 Prozent auf 107 Milliarden und in Griechenland sogar um fast 50 Prozent auf 40 Milliarden Euro. "Die schlechte wirtschaftliche Entwicklung in Südeuropa hat im vergangenen Jahr erwartungsgemäß zu mehr Zahlungsausfällen von Kreditschuldnern geführt", sagte PwC-Vorstand Markus Burghardt. Europaweit habe sich der Anstieg zwar verlangsamt, "von einer Trendwende ist der Finanzsektor jedoch angesichts der erneut verschlechterten Konjunkturperspektiven für 2012 noch weit entfernt".

Die Institute fänden kaum Käufer für ihre Kreditbestände, die vor der Finanzkrise 2007 noch massenhaft von spezialisierten Investoren mit Abschlägen aufgekauft und verwertet worden waren. Europaweit trennten sich Banken im vergangenen Jahr laut PwC nur von 36 Milliarden Euro an faulen oder unerwünschten Krediten, in den ersten sechs Monaten von weiteren 27 Milliarden.

Den deutschen Banken sei es unter dem Strich nicht gelungen, faule Kredite loszuwerden. Das Volumen notleidender Kredite habe 2011 bei 196 Milliarden Euro stagniert - die "Bad Banks" FMS Wertmanagement (Hypo Real Estate) und EAA (WestLB) sind in diesen Zahlen noch gar nicht enthalten. Anfang 2012 bekamen die Institute immerhin 4,3 Milliarden an faulen Krediten los. Die Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern klafften aber zu weit auseinander, heißt es in der Studie.

Doch die PwC-Prüfer machen den deutschen Banken Hoffnung: "Internationale Finanzinvestoren sind in ausgewählten europäischen Ländern sehr aktiv", vor allem in Großbritannien und Spanien. Nun müssten die deutschen Häuser sich - etwa mit größeren Zugeständnissen an die Käufer - vorbereiten, um sich ihren Anteil an diesen Finanzmitteln zu sichern.

Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Banken-Studie: Bei Europas Banken schlummert eine Billion Euro an faulen Krediten"

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  • Ja das werden wir halt dann alle abbezahlen müssen schätze ich weil die Banken können wir ja nicht alle zum Teufel schicken...

  • Da ist Hilfe nah. Die EZB wird's zu Lasten der Steuerzahler richten.

    Die Höhe der faulen Kredite ist deswegen egal, wurstegal. Was haben unsere Politiker - allen voran das Bundeskabinett eigentlich veranlasst, damit nicht weiterhin Bankgeschäfte zum Schaden der Gemeinschaft der Steuerzahler mit Vorsatz oder leichtfertig getätigt werden? Bisher ist nur bekannt, dass kritische Parteimitglieder öffentlich gemaßregelt wurden und den Mitgliedern an der Basis kein oder unzureichendes Gehör geschenkt wird. Letztere wägen ab, ob ihnen die von oben doktrinierte Parteilinie noch politische Heimat bietet. Wer zur Erkenntnis gelangt, dass Europa und der Euro einerseits und verkommene Privatbankgeschäftigkeit andererseits in einen Topf gehören und deswegen unsere Zuwendung verdienen, könnte Karriere machen.

  • Jetzt werden die betroffenen Banken in den Südländern feststellen, daß sie diese Kredite loswerden müssen, um nicht selbst pleite zu gehen. Sie wenden sich also an die jeweilige Regierung, um Hilfe zu erhalten. Diese ist aber selbst von der Pleite bedroht, wenn sie dem nachkommt. Damit wären die Staatsschulden, nicht mehr bedienbar und das Land zahlungsunfähig. Ihre Anleihen würden wertlos, Allianz, Deutsche Bank und Ihre Pendents in anderen Ländern müßten sie abschreiben. Und schon geht die ganze Chose von vorne los. ESM wird zur Rettung gerufen, gibt Garantien für die Staatsschulden der Südländer, diese können damit noch mehr Kredite aufnehmen und damit ihre Banken stützen und alles ist wieder in Butter. Irgendwann erreichen wir dann die Trillionengrenze, der Steuerzahler macht auch die Grätsche, alle gehen pleite und es gibt keine Schulden aber auch keine Guthaben mehr.

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