Banken-Tagung
Die Krise als Dauerzustand

Die Finanzkrise scheint kein Ende zu nehmen. In Frankfurt diskutierten Spitzenbanker darüber, wie ihre Institute die unsicheren Zeiten überstehen. Doch der vielleicht wichtigste Gast fehlte.
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FrankfurtMan sieht es ihm nicht an – doch wenn es ums Risiko geht, gilt Alexander Dibelius als Experte. Der Finanzmanager von Goldman Sachs dürfte sich mit dem Thema besser auskennen, als ihm lieb ist. Schließlich räumte sein Institut selbst ein, dass es die Entstehung der US-Immobilienblase mit verursacht hatte. Die Blase platzte, und aus der Krise des Immobilienmarktes ist eine globale Finanz- und Währungskrise geworden, die nicht in den Griff zu kriegen ist. Daran konnten Konjunkturpakete, Rettungsschirme und Stabilisierungsfonds nichts ändern.

„Es scheint, als lebten und handelten wir in einem permanenten Zustand der Krise“, sagt Dibelius. Er erklärt den 350 Gästen der Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“, wie man das Risiko im Bankgeschäft „allumfassend managed“.

Keine zwei Kilometer Luftlinie vom Tagungsort entfernt, an der Frankfurter Börse, machen die Märkte derweil keine Anstalten, sich managen zu lassen: Nachdem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann am Montag die aktuelle Lage mit der Lehman-Pleite verglichen hatte, war der Dax um über fünf Prozent abgestürzt. Und auch am Dienstag ging er nach einer kurzen Erholungsphase wieder auf Talfahrt.

Daran konnte auch Commerzbank-Chef Martin Blessing nichts ändern, der sich in seiner Eröffnungsrede einigermaßen optimistisch gab. Wobei Optimismus nach Blessings Worten in diesen Zeiten allenfalls „blutleeres Wachstum“ bedeutet.

Nicht nur sein Vortrag macht deutlich: Die Zeiten, in denen Bankmanager als schillernde Stars auf die Bühne schritten, scheinen endgültig vorbei zu sein. So mancher Bankenchef machte gar einen weiten Bogen um die wartenden Kameraleute. Und auch im Publikum ist die Stimmung eher verhalten. „Das dicke Ende kommt erst noch“, sagt ein Banker in der Kaffeepause, der lieber nicht genannt werden möchte.

Francis Repka, der Deutschland-Direktor der Société Générale, ist nicht ganz so pessimistisch. Die Probleme seien lösbar. Allerdings brauche das mehr Zeit – und mehr Engagement. „Jetzt liegt der Ball bei der Politik“, sagt Repka. Doch die scheint zu sehr mit sich selbst beschäftigt: Die Abschlussrede der Tagung sollte eigentlich Wirtschaftsminister Philipp Rösler halten.

Er hat kurzfristig abgesagt.

 

Kommentare zu " Banken-Tagung: Die Krise als Dauerzustand"

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  • Die Krise wird so lange dauern, bis der Euro abgeschafft ist. Alles andere sind Zwischenschritte dazu. Wenn die Banken die Politik weiter dazu beeinflussen, die Realitäten zu verkennen: Bitte! Es wird scheitern. Das Problem wird 10 mal größer werden.

    Mit Liquidität läßt sich ein Promlem nicht lösen, allenfalls in die Zukunft schwemmen aber von der Wirkung wird es dann schlimmer.

    Mit Garantien und Eurobonds für Griechenland, werden nur weitere Staaten in den Strudel hineingezogen.

    Deutschland ist nicht stark. Deutschland ist pro Kopf in 20 Jahren deutlich verschuldetere als die USA und glaubt die Demographie mit Umverteilung, mehr Staat, mehr EU und mit teurer Migration in die Sozialsysteme lösen zu können.

    Wenn D bürgt, schwächt es sein Rating. AAA ist sehr labil.

    Wir müssen akzeptieren, dass es im Kapitalismus Krisen gibt und einzelne die sich verspekulieren oder schlecht wirtschaften Pleitieren zu lassen - und das ist auch gut so.

    Wer betrügt und sich verschuldet wie die Griechen und noch dazu nichts dazu lernt, muss dafür haften und nicht der deutsche Steuerzahler.

    Und wer, wie manche Bank, nichts dazu lernt, muss für seine Fehlspekulation müssen.

    Die EZB handelt nicht unabhängig. Sie veruntreut entgegen dem Auftrag die Kredibilität der Bürger der Euroländer und druckt Geld.

    Der STAAT ist nicht dazu da einzelne oder Nachbarländer zu retten, dass sollte auch die Redaktion des Handelsblattes einsehen und respektieren.

    Obwohl CDU-Mitglied rufe ich dazu auf baw. demokratische Sonstige Parteien zu wählen, die gegen den Euro sind.

  • Nun ja, was erwarten die Banken? Eine bessere Regulierung der Märkte, mehr Überwachung? Wohl eher nicht. Daher: "Wirtschaft findet in der Wirtschaft statt" (Günter Rexrodt).

  • Also oky, danke für die gemachte Panik
    man kann echt gut daran verdienen.

    Aber, jeder weiß, dass es:
    - zu viele Banken
    - zu viele Schulden
    - zu viele Politiker
    gibt.

    Und jeder normale Mensch weiß, dass Griechenland und viele italienischen Banken lange schon Pleite sind. Sie sind tot und wissen es nur noch nicht.

    Lasst sie doch endlich absaufen, das reinigt das Feld und was bleibt ist stark genug, den Wiederaufbau an gehen zu können.

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