Banken und der Brexit
Schwierige Scheidung

Was wird aus den Banken in London, wenn Großbritannien die Europäische Union verlässt? Die Auslandsbanken bereiten sich auf einen harten Brexit vor. Aber das ist gar nicht so einfach.
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Stefan Winter macht sich keine Illusionen: Der Investmentbanker rechnet mit einem harten „Brexit“ - und der werde nicht nur Großbritannien schaden, sondern auch den verbleibenden Mitgliedern der Europäischen Union. „Das ist wie bei einer Scheidung, die ist auch immer schmerzhaft für alle Beteiligten“.  

Winter, Vorstandsmitglied bei der Schweizerischen Großbank UBS, führt auch den Verband der Auslandsbanken in Deutschland, also jene ausländischen Institute, die sich in Deutschland niedergelassen haben. Und die rechnen mit einem harten Schnitt zwischen Großbritannien und der EU. Die Bankchefs gehen davon aus, „dass es in zwei bis drei Jahren zu einem Brexit kommen wird, der keinen Zugang mehr zum Binnenmarkt erlauben wird“, sagt Winter. Die Auslandsbanken erwarten, dass britische Institute ihren europäischen Pass verlieren werden. Wer sein Hauptquartier in London aufgeschlagen hat, kann mit dem Pass in jedem EU-Mitgliedsstaat seine Finanzprodukte vertreiben.  Doch damit dürfte bei einem Brexit Schluss sein.

Trotzdem werden die Banken nicht auf einen Schlag aus Großbritannien fliehen, prognostiziert Winter. Schließlich koste ein Umzug viel Geld. „Wir werden in London große Einheiten lassen“. Was nicht bedeutet, dass die Institute nicht schon fleißig Pläne für den Brexit schmieden. Denn ein Umzug dürfte Jahre dauern. Viele namhaften Investmentbanken betreiben in Frankfurt derzeit wenig mehr als eine Repräsentanz. Dort können deutsche Firmenchefs bei einem Cappuccino zwar vom Taunusblick beindrucken lassen und große Deals einfädeln, abgewickelt werden die Geschäfte aber an der Themse.

Alleine die notwendige IT-Infrastruktur in Deutschland aufzubauen, werde Jahre dauern, so Winter. Doch so viel Zeit dürfte den Instituten nicht bleiben: Sobald die britische Regierung unter Premierministerin Theresa May den Brexit beantragt, tickt die Uhr. „Im Worst-Case-Szenario habe ich von März/April 2017 zwei Jahre, dann muss ich operativ sein.“

Kein Wunder also, dass durch die Medien jede Menge zahlen geistern: 10 000 Jobs und mehr sollen in den kommenden Jahren von London nach Frankfurt wandern. Verbandschef Winter nennt das „reine Spekulation“. Denn den Bankchefs geht es wie dem Rest der Welt: Sie stochern im dichten Nebel über der Londoner Themse. „Das Problem ist, dass wir eigentlich immer noch keine wirklich konkreten Informationen haben, ob, wann und wie ein Brexit erfolgen wird.“

Banken, die Handelsfinanzierung oder Kreditgeschäfte betreiben, könnten wohl erst einmal gelassen bleiben. „Andere Häuser jedoch, die eher im Bereich des Kapitalmarktgeschäfts und des Investmentbanking tätig sind, werden recht schnell Entscheidungen treffen“, sagt Winter.

Dass dabei Frankfurt das Rennen macht, ist alles andere als ausgemacht: Auch Paris, Dublin oder Luxemburg werben um die britischen Banker. Winter warnte davor, die Finanzplätze gegeneinander auszuspielen. „Man sollte sich nicht als Alternative zu London positionieren, sondern als Partner“. Deutschland müsse Flexibilität signalisieren, etwa mit Erleichterungen beim Arbeitsrecht. Hessens Finanzminister Thomas Schäfer hatte vorgeschlagen, die Regeln zu lockern, damit Banker schneller gefeuert werden können.

Für Banken, die sich für den Standort Frankfurt interessieren, hält der Verband auch das passende Buch parat, das auf 428 Seiten die Feinheiten des deutschen Banksystems erklärt – und Ausländern deutsche Errungenschaften wie die Sparkassen oder das Arbeitszeitgesetzt erklärt („Pausen zählen nicht als Arbeitszeit“).  Ob das die Londoner wohl überzeugen wird? 

„Wer über eine Ansiedlung in Frankfurt nachdenkt“, sagt Verbandschef Winter, „dem stehen wir gerne als Ansprechpartner zur Verfügung“.

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