Banken und Sprachassistenten Genossenschaftsbanken lassen Amazons Alexa sprechen

Später als geplant machen die Genossenschaftsbanken ernst und wollen im April einen Alexa-Skill starten – vorerst ohne Banking-Funktion.
Update: 03.04.2018 - 14:28 Uhr Kommentieren
Die Volks- und Raiffeisenbanken wollen die Sprachassistentin Alexa nutzen. Quelle: AP
Echo-Lautsprecher

Die Volks- und Raiffeisenbanken wollen die Sprachassistentin Alexa nutzen.

(Foto: AP)

Frankfurt„Wie sperre ich meine Girocard?“, „Was ist eine mobile Tan?“ – solche Fragen können Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken bald Amazons Sprachassistentin Alexa stellen, indem sie die Anfrage mit „Alexa, frage Volksbank“ einleiten. Wie das Handelsblatt erfuhr, will der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) im Auftrag seiner Mitgliedsinstitute noch in diesem Monat einen zentralen Alexa-Skill starten.

Analog zu einer App für Smartphones können Alexa-Nutzer diesen für ihre Sprachassistentin aktivieren. Damit wird nun umgesetzt, was ursprünglich schon für vergangenen Oktober geplant war. Insgesamt soll es fünf Bausteine für den Skill geben, starten wollen die VR-Banken zunächst mit allgemeinen Informationen rund um die Banken und ihre Leistungen. Auch Banking-Funktionen, die Amazon kürzlich verboten hatte, stehen weiter auf der Agenda.

Deutsche Banken haben Alexa schon früh für sich entdeckt und wollen darüber den Kontakt zu ihren Kunden pflegen – wenn die Kunden nicht mehr in die Filiale kommen, kommt eben die Bank ins Wohnzimmer. Verkaufsstart für die Amazon-Lautsprecher namens Echo war Ende Oktober 2016. Bereits im Mai vergangenen Jahres hat die Comdirect einen Skill mit Aktienkursabfrage und Börsennachrichten gestartet, ähnliche Funktionen und ein Finanzlexikon bietet auch der Skill der Consorsbank.

Zehn Volksbanken haben ebenfalls schon eigene Skills gestartet. Über Alexa laufen aber bisher nur allgemeine Service-Fragen, der Übermittlung von personenbezogenen Kontoinformationen hatte Amazon kürzlich eine Absage erteilt. Anders beim Alexa-Konkurrenten von Google: Die Sparkassen haben im Februar eine App für den Google Assistant gestartet, mit der Sparkassenkunden ihren Kontostand und die neuesten Umsätze erfragen können.

Der gemeinsame Skill der Volks- und Raiffeisenbanken soll nach dem Baukastenprinzip aufgebaut sein und wurde vom genossenschaftlichen Internetdienstleister VR-NetWorld entwickelt und technisch verantwortet. „Die allgemeinen Informationen sind der erste Baustein“, sagt Marc Weegen, Abteilungsleiter Markenstrategie und Markenkommunikation beim BVR, dem Handelsblatt. „Für den zweiten Baustein können die einzelnen Volksbanken und Raiffeisenbanken eigene Dialoge mit lokalem Bezug in den Skill integrieren lassen – beispielsweise die Öffnungszeiten der Filiale.“

In der dritten Ausbaustufe sollen Schnittstellen beispielweise zur DZ-Bank und Union Investment geschaffen werden. „Hier wird es zunächst noch nicht um personenbezogene Daten gehen, sondern um die Abfrage der neuesten Entwicklungen in einem Musterdepot oder Informationen zu Fonds“, so Weegen.

Im vierten Baustein soll dann die Abfrage von Kontoständen und Umsätzen ermöglicht werden, gefolgt von Transaktionen wie Überweisungen oder die Anpassung eines Freistellungsauftrags. Noch erlaubt Amazon die Übermittlung solcher personenbezogenen Kontoinformationen via Alexa nicht, „wir werden uns aber darauf vorbereiten und vor allem noch Fragen rund um das Thema Datenschutz klären“, so Weegen.

Grund für die Verzögerung des VR-Skills waren offenbar Diskussionen mit Amazon über einen möglichen späteren Zugriff auf Kontodaten, aber auch interne Abstimmungen im BVR. Erst im Dezember wurde VR-Networld, beauftragt, „eine im Sinne der Markenführung einheitliche Anwendung für die Volksbanken und Raiffeisenbanken“ zur Verfügung zu stellen.

Zwischenzeitlich war auch ein anderer IT-Dienstleister der Gruppe mit dem Thema beschäftigt. Der Fokus wurde mit VR-Networld zunächst auf Alexa gelegt, aber andere Voice-Plattformen könnten folgen. „Wir prüfen parallel weiterhin eine Zusammenarbeit mit Google, auch weitere Partner interessant werden“, sagt Weegen.

Während der Verband noch an einer zentralen Lösung gearbeitet hat, sind einzelnen Volksbanken in den vergangenen Monaten bereits vorgeprescht. Als Erste hatte die Volksbank in der Ortenau im vergangenen Spätsommer einen Alexa-Skill gestartet, zehn weitere Volksbanken waren dem Beispiel gefolgt.

Ungünstig: Die Ortenauer hatten mit „Alexa, frage Volksbank“ den Rufnamen belegt, den der BVR für den zentralen VR-Banken-Skill nutzen möchte. Inzwischen sei das geklärt, „der Rufname wird auf den verbundweiten Skill übertragen“, sagt Weegen.

Bis nun alle rund 900 VR-Banken über den Skill erreichbar sind, dürfte es noch einige Zeit dauern. Weegen beobachtet jedoch eine großen Nachfrage: „Bisher haben schon mehr als zehn Prozent der Volksbanken und Raiffeisenbanken Interesse an dem Skill bekundet und dabei haben wir die Vermarktung intern noch gar nicht gestartet“, sagt er. „Im Vergleich zu anderen IT-Neuerungen ist das positiv.“

Auch, wenn die Sprachassistenten wie Amazons Alexa oder Googles Assistant bei Banken und etlichen Kunden auf Begeisterung stoßen, ganz ausgereicht sind sie noch nicht. So reagieren sie mitunter auf Formulierungen, die ähnlich klingen wie ihre Rufnamen. In einem Marktwächtertest der Verbraucherzentrale NRW reagierte Amazons Sprachassistent etwa auf „Alexandra“ (für „Alexa“), „Gecko“ (für „Echo“) und „Ham wa schon“ (umgangssprachlich „Haben wir schon“ für „Amazon“).

Auch Googles Assistant fühlte sich oftmals angesprochen, obwohl das nicht beabsichtigt war. Im Test hörte er nicht nur auf „Ok Google“ oder „Hey Google“, sondern auch auf „Ok Kuchen“ und „Ok Du“. „Verbraucher sollten sich also bei der Nutzung von digitalen Sprachassistenten bewusst machen, dass von ihnen auch unbeabsichtigt Daten an die Anbieter-Server übertragen werden könnten“, warnen deshalb die Verbraucherschützer.

Auch „Stiftung Warentest“ hat gerade verschiedene Sprachassistenten untersucht. Die Tester kommen immerhin zu dem Ergebnis, dass die Lautsprecher nicht ständig ungewünscht mithören, „im Datenstrom der Assistenten fanden wir keine Hinweise, dass die Anbieter heimlich mitlauschen“, schreiben sie in ihrem aktuellen Testbericht.

Die Sorge um die Privatsphäre sei dennoch nicht unbegründet, da Verbraucher bei intensiver Nutzung der Geräte sehr viel von sich und ihrem Leben preisgeben. Was genau mit diesen Daten geschehe, sei jedoch kaum herauszufinden. Die Datenschutzerklärungen der Anbieter sind jedenfalls keine große Hilfe. Vieles darin ist unklar formuliert und mit deutschem Datenschutzrecht kaum vereinbar“, so Stiftung Warentest.

Sich vorsichtig an die Assistenten heranzutasten, dürfte für Banken also eine gute Strategie sein.

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