Banken und Tech-Giganten
Eine riskante Liaison

Das Weltwirtschaftsforum warnt: Wenn Banken zu eng mit dem Silicon Valley zusammenarbeiten, gefährden sie ihre Existenz. Wer eng mit Apple, Amazon und Google kooperiert, züchtet demnach seine eigene Konkurrenz heran.
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FrankfurtApple ist dabei, Facebook sowieso und Google schon lange: Die Tech-Riesen aus dem Silicon Valley dringen immer weiter in die Finanzbranche vor. Anfangs wollten viele alteingesessene Banken sie abwehren, doch mittlerweile werden die Neulinge mit offenen Armen empfangen. Institute gehen Kooperationen mit den Technologiefirmen ein, manche verlassen sich nahezu völlig auf deren Infrastruktur. Doch das kann gefährlich sein, warnen nun Forscher des Weltwirtschaftsforums (WEF).

Für die am Dienstag veröffentlichte Studie haben die Forscher mehr als 150 Experten aus Vorständen und Regulierungsbehörden zur Zukunft der Branche interviewt. Banker von Morgan Stanley, der Deutschen Bank, Merrill Lynch und anderen standen Rede und Antwort. Eine offenbar vielfach geäußerte Sorge der Praktiker: Die Riesen aus dem Silicon Valley könnten nach dem Werbegeschäft und dem Einzelhandel auch die globale Finanzbranche überrollen.

Die Angst der Top-Banker ist einfach zu erklären: In Zeiten niedriger Zinsen und sinkender Profite verzichten die Geldhäuser auf teure Investitionen in neue Technologien. Bereitwillig springen die Valley-Größen und kleinere Fintechs in die Bresche, legen beispielsweise eigene Bezahldienste auf und bieten Überweisungen von Nutzer zu Nutzer an. Bislang benötigen sie dafür noch Partner aus der „alten“ Finanzbranche. Je stärker die Zahl der Nutzer allerdings wächst, desto stärker entwickelten sich soziale Netzwerke wie Facebook zu offenen Vertriebsplattformen, so die Forscher.

Spätestens dann seien die Banken von ihnen abhängig: Entweder sie verzichteten auf viele Kunden, die sich in der Zwischenzeit an das neue Vertriebsmodell der sozialen Medien gewöhnt haben. Oder sie verzichten darauf, die eigenen Produkte exklusiv zu vertreiben – und damit auch auf alle Vorteile, die daraus erwachsen, wenn beispielsweise bestimmte Dienstleistungen nur gebündelt bei der Hausbank verkauft werden. Quersubventionierungen innerhalb des eigenen Instituts werden damit unmöglich.

Als Beleg für ihre Vermutungen sehen die Forscher die große Zahl der Technologiefirmen, die schon heute klassische Bankdienstleistungen anbieten – beispielsweise Facebook Payments, Google Wallet oder Apple Pay. Letzteres soll Gerüchten zufolge im September auch in Deutschland starten. „Große Tech-Konzerne arbeiten sich heute hoch, vom Betreiber für Infrastruktur zum Anbieter von Software“, heißt es dazu in der Studie. Was sie den Geldhäusern voraus haben: Sie haben mit vergleichsweise wenig Skandalen zu kämpfen und genießen daher hohes Vertrauen beim Verbraucher.

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Banken leiden, Kunden profitieren

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