Banken ziehen sich zurück Projektfinanzierungen: Der Markt bricht ein

Nach dem Rekordjahr 2008 hat die Finanzkrise nun den Markt für Projektfinanzierungen erfasst. Das Finanzierungsvolumen für Großprojekte wie Autobahnen, Staudämme, Petrochemieanlagen und Solarparks bricht drastisch ein. Viele Spieler ziehen sich zurück, der Markt ist im Umbruch.
Großbaustelle in Berlin: Viele Banken ziehen sich aus der Projektfinanzierung zurück. Quelle: dpa

Großbaustelle in Berlin: Viele Banken ziehen sich aus der Projektfinanzierung zurück.

(Foto: dpa)

FRANKFURT. Im ersten Quartal dieses Jahres lag das Finanzierungsvolumen für Großprojekte dem Datenanbieter Dealogic zufolge mit gut 40 Mrd. US-Dollar weltweit um mehr als 40 Prozent unter dem Vorjahresquartal. Viele, gerade angelsächsische Banken haben sich aus dem Markt zurückgezogen, die übrigen sind angesichts konjunktureller Unsicherheiten vorsichtiger geworden. Institutionelle Investoren wie Pensionsfonds beteiligen sich nur noch mit weit weniger Geld. Und nicht zuletzt ist auch so mancher Projektinitiatoren zurückhaltender mit neuen Geschäften.

„Es ist nicht mehr die gleiche Liquidität im Markt für Projektfinanzierung wie früher“, sagt Markus Scheer, Geschäftsführungsmitglied der KfW Ipex-Bank, die auf Export- und Projektfinanzierung spezialisiert ist. „Die Zahl der Banken, die wir im Markt sehen, hat sich deutlich verringert.“ Einige Institute hätten ihre Finanzierungen früher möglichst schnell am Kapitalmarkt ausplatziert. Da dies nun nicht mehr gehe, lägen die Projekte „wie Blei in ihren Büchern“. Es profitierten Banken, die die Finanzierungen schon vorher auf ihrer Bilanz genommen hätten. Und dort liegen sie zum Teil bis zu 20 Jahre.

Institute wie die britische Royal Bank of Scotland – einer der bisher dominierenden Spieler –, HBOS und die Citigroup sind kaum noch zu sehen am Markt. Das spüren Unternehmen als auch Kommunen, die Projekte finanzieren wollen. „Das Missverhältnis zwischen der Nachfrage und dem, was an Fremdkapital angeboten wird, ist derzeit groß“, sagt Dirk Franzen vom Finanzierungsberater Boehm-Bezing, Sieger & Cie. „Die Beträge, mit denen sich Großbanken an Projektfinanzierungen beteiligen, sind deutlich kleiner geworden.“ Zur Finanzierung von kapitalintensiven Großprojekten müssten daher viele Banken von der Attraktivität des Investitionsobjektes überzeugt werden. Auch mehr Eigenkapital und Sicherheiten werden verlangt.

Kaum eine Bank will noch das Risiko auf sich nehmen, die Finanzierung als Syndizierungsführer maßgeblich zu stemmen und dann einzelne Finanzierungsabschnitte an andere Banken weiterzugeben. Statt dessen sind so genannte Club Deals an der Tagesordnung, bei denen die Banken gleichberechtigt an der Transaktion verhandeln.

„Die Banken schauen sehr genau hin, wo sie ihr knappes Eigenkapital einsetzen und gehen gerade in lange Laufzeiten nicht mehr hinein, weil sie sich nicht entsprechend refinanzieren können“, bestätigt Heinrich Heims, Sprecher der Geschäftsführung der Ipex. Zumal im Bestandsportfolio der Institute das Risiko von Rückstellungen steigt. Doch auch die Unternehmen sortierten sich derzeit neu, berichtet Heims. Seit Oktober würden zahlreiche Investitionspläne überdacht. Zum Teil warteten sie auch, dass die Preise für Anlageinvestitionsgüter noch weiter fielen.

Den Rückzug einiger Spieler nutzen in dem internationalen Marktsegment etwa französische und spanische Banken. Der deutsche Projektfinanzierungsmarkt sei traditionell von lokalen Banken, hauptsächlich Landesbanken, dominiert, sagt Frank Hoefnagels, Deutschlandchef der spanischen BBVA. „Einige dieser Banken sind nun nicht mehr in der Lage, langfristige Finanzierungen anzubieten. Deshalb könnten internationale Häuser mit einer Erfolgsbilanz in der Projektfinanzierung, langfristigen Finanzierungskapazitäten und einem guten Rating Marktanteile für sich gewinnen.

So manche Landesbank ist dennoch weiter in dem Segment aktiv. So betont Vorstand Werner Taiber von der WestLB, dass sich das Geschäftvolumen trotz schwierigen Marktumfeldes auf Vorjahresniveau bewegt. Die neuen Zeiten sorgen auch für höhere Margen. „Seit Ausbruch der Finanzkrise haben sich die Margen im Projektfinanzierungsgeschäft deutlich auf mittlerweile mindestens drei Prozent pro Jahr erhöht“, sagt Taiber. Dies spiegele die höheren Risiken sowie Liquiditäts- und Refinanzierungskosten wider, begründet Scheer.

Für die Investoren hätten sich die Gesamtfinanzierungskosten wegen des stark gesunken Leitzinses „wenn überhaupt nur moderat“ erhöht. Die Projektfinanzierer hoffen zudem, dass die weltweiten Konjunkturpakete die Nachfrage für neue Energie- und Infrastruktuprojekte ankurbeln wird.

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